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Zeit und Vertrauen sind wichtig

Flüchtlinge in Luckenwalde Zeit und Vertrauen sind wichtig

Genau so hatte es sich der Luckenwalder Alex Kubiak gewünscht. Seit Jahren kümmert er sich ehrenamtlich um freie Migrationshilfe. Jetzt ist er im Flüchtlingsheim in der Grabenstraße als Sozialarbeiter tätig. Nebenher hat er einen Radiosender und tritt als Annemarie Finkel auf der Bühne auf.

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Alex Kubiak (2.v.l.) mit Flüchtlingen, die ihn unterstützen.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. „Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt“, sagt Alex Kubiak. Seit Jahren engagiert er sich in der freien Migrationshilfe. Als er die Anfrage vom Internationalen Bund erhielt, dass dringend Sozialarbeiter für das Flüchtlingsheim in Luckenwalde gesucht werden und er dafür in Betracht käme, überlegte er nicht lange und sagte zu. Dabei hat er auch mit seinem Radioprojekt und mit seiner Kunstfigur Annemarie Finkel, die er seit 30 Jahren auf der Bühne verkörpert, einiges zu tun. Doch es ist genau die Mischung, die ihm gefällt. Einerseits das Kulturelle anderseits die Arbeit mit Flüchtlingen.

Seine Aufgabe ist es, im Heim in der Grabenstraße Ideen zu entwickeln, um die Flüchtlinge zu integrieren und nach Möglichkeiten einer sinnvollen Beschäftigung zu suchen. Das Gebäude in der Grabenstraße, das früher als Verwaltungsgebäude genutzt wurde, bietet nicht gerade optimale Bedingungen für die Bewohner, die aus Syrien, Somalia, Eritrea, Pakistan, Albanien und den Balkanstaaten kommen. „Ich möchte im Haus Kulturangebote schaffen und habe dafür einige Flüchtlinge gewinnen können, die bereit sind, mir zu helfen“, sagt Alex Kubiak. So soll eine Tischtennisplatte aufgestellt und ein Bücherstübchen eingerichtet werden. Die funktionstüchtige Nähmaschine, die der 52-Jährige geschenkt bekam, stellt er zum Schneidern und für Änderungen zur Verfügung.

Zudem ist ein Treffpunkt-Café geplant mit W-Lan und Internetanschluss. „Ich will die Bewohner motivieren, selbst etwas in die Hand zu nehmen“, sagt Kubiak. Er knüpft Kontakte zu Vereinen und gemeinnützigen sowie kirchlichen Trägern und möchte, dass die Heime untereinander besser vernetzt werden. „Es gibt Dinge, die nicht unbedingt in jedem Heim neu angeschafft werden müssen, die man ausleihen kann, wie beispielsweise Tore für Straßenfußball“, stellt Kubiak fest.

Für die Bücherstube werden gut erhaltene Bilderbücher, Kinderbücher und andere Lektüre gesucht, die dabei helfen sollen, dass die Flüchtlinge schneller Deutsch lernen. Auch Tapeten und Kleister werden gebraucht, um den Tischtennisraum und das Treffpunkt-Café auf Vordermann zu bringen. „Was wir nicht brauchen sind gebrauchte Plüschtiere, die sollte man besser zu Hause lassen. Viel wichtiger ist, dass die Menschen einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können, dass man ihnen gemeinnützige Arbeit oder Praktika anbietet“, fügt Alex Kubiak hinzu.

Er appelliert auch an Vorsitzende der Kleingartenanlagen. Bevor Gärten leer stehen, könnte man sie Flüchtlingsfamilien anbieten, die sich darüber freuen würden. Inzwischen kennt er fast jeden Bewohner im Heim. Viele kommen mit ihren privaten Problemen auch in den Abendstunden zu ihm. „Zeit und Vertrauen sind wichtig“, sagt er. Kubiak weiß, wie man sich als Ausländer in einem fremden Land fühlt, „Ich habe fünf Jahre in Vietnam gelebt und auch in Afrika. Hier geht es um Menschen, die Hilfe brauchen und ich freue mich, mit so vielen unterschiedlichen Nationalitäten zu tun zu haben“, fügt er hinzu. Allerdings sieht er die Politik in der Pflicht. Diese müsse entscheiden, wie mit den sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ umgegangen wird.

Kubiak jedoch geht es nicht um politische Ansichten. Für ihn sind alle Flüchtlinge gleich. Und bisher hat er auch keine Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen im Heim erlebt. Derzeit gibt es Kapazitäten in Luckenwalde für rund 350 Flüchtlinge – bei rund 20 000 Einwohnern in der Stadt. „Da müsste es doch ausreichend Potenzial für alle geben“, so Kubiak. Ihm gefällt nicht, wenn man alle über einen Kamm schert. „Wir haben hier gebildete Leute, die in ihren Heimatländern studiert haben. Ich werde Listen erstellen, um zu sehen, wer welchen Beruf hat und eventuell vermittelt werden kann. Denn es gibt etliche Unternehmen, die händeringend Fachleute suchen“, kündigt er an. Erst vor wenigen Tagen bekam ein IT-Fachmann einen Job.

Und von einem Vorurteil der Flüchtlingsgegner hat Kubiak daher die Nase voll.„Die Aussage, dass Ausländer den Bürgern hier etwas wegnehmen ist eh falsch“, erklärt er.

Von Margrit Hahn

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