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Zeitreise in die Betriebs-Atmosphäre

Treffen der ehemaligen Arbeiter des VEB Beschläge Zeitreise in die Betriebs-Atmosphäre

Zu DDR-Zeiten hielten die 580 Kollegen des VEB Beschläge zusammen wie eine große Familie. Seit der Betrieb aufgelöst wurde, hat es die Belegschaft in verschiedene Länder verschlagen. Jetzt haben sich viele von ihnen in Luckenwalde wieder getroffen.

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Einen Blick in das alte Brigardebuch werfen Organisator Wolfgang Arnold (l.) und Dieter Richter, der das Buch gerettet hat.

Quelle: Aglaja Adam

Luckenwalde. Das Brigadebuch gehört Dieter Richter. Der 74-Jährige hat es gerettet in den Wende-Wirren, als sein Betrieb, der VEB Beschläge in Luckenwalde, abgewickelt wurde. Mehr als 20 Jahre sind seitdem vergangen. Das dicke Buch ist ein Stück Geschichte. Doch weitaus mehr Erinnerungen an eine vergangene Zeit tragen die ehemaligen Mitarbeiter des Betriebes mit sich. 80 von ihnen haben sich jetzt in der Jagdgaststätte Elsthal in Luckenwalde getroffen. Viele haben sich zum ersten Mal wieder gesehen seit der Wende.

580 Mitarbeiter hatte der VEB Beschläge, acht Werke gab es in Luckenwalde, eines in Kallinchen. Mehr als 100 Menschen arbeiteten im Werk sieben und im Werkzeugbau. „Es herrschte großer Zusammenhalt“, sagt Uwe-Peter Arnold. Er hat mit seinem Bruder Wolfgang Arnold das Treffen organisiert. Ein trauriger Anlass – die Beerdigung eines ehemaligen Kollegen – brachte die beiden auf die Idee. Auf dem Friedhof trafen sie Ex-Kollegen aus dem Betrieb. „Ein großes Treffen ist überfällig“, habe er sich gedacht, sagt Uwe-Peter Arnold. Das Sammeln von Adressen begann.

Mehr als 100 Kollegen haben die Beiden eingeladen. Thomas Sings ist extra aus Holland gekommen. Gerd Makowski, der inzwischen in Thailand lebt, hat ebenfalls den Weg in die Jagdgaststätte gefunden. An der Tafel sitzen auch Peter Winter, ehemaliger Betriebsdirektor, und Werner Jethon, Chef der Abteilung Werkzeugbau. Die meisten Männer sind ergraut, haben sich längst aus dem Berufsleben verabschiedet. Der Älteste unter ihnen ist der 85-jährige Fredo Glor. Aber auch einige Jüngere sind dabei. Sie mussten sich nach der Schließung des Werkes einen neuen Arbeitsplatz suchen.

„Bei uns ging es lustig zu“, sagt Uwe-Peter Arnold. Alle hängen an seinen Lippen, als er eintaucht in die Vergangenheit, längst vergessene Episoden erzählt. Gefeiert sei viel geworden, nach Feierabend auf der betriebseigenen Kegelbahn oder beim Preisskat, so Arnold. „Besonders lustig ging es bei den Gesellenfeiern zu.“

Überhaupt der Alkohol: „Der war ja strengstens verboten“, sagt Arnold. Es gab aber viele Anlässe, um einen auszugeben: Geburtstag, Urlaub, Fahrerlaubnis, Mopedkauf, Autokauf, Heirat, Baby. „Die meisten haben Torte oder Bockwurst mitgebracht“, sagt Arnold. Manchmal gab es Pferdebuletten von „Buletten-Schulze“. Und mancher ließ sich auch den Schnaps nicht nehmen. Doch der machte heimlich die Runde. Mit dem Codewort „Schrauben holen“ schickte man den Nachbarn an der Werkbank zur Werkzeugausgabe. „Wir haben alle mit schlafwandlerischer Sicherheit die Schublade mit den Schnäpsen gefunden“, sagt Arnold.

Es sind solche Geschichten, die an diesem Abend noch einmal an die Atmosphäre von damals erinnern. Geschichten vom Kollegen Willi Klawitter mit seinem Hühnerschreck, einem Fahrrad mit Motor. Oder von Herbert Thiele, der zu Silvester immer alle mit einer leuchtenden Plastikfliege begrüßte. Und dann gab es noch Hubert Zimmermann, der Wurstbrühe mitbrachte, wenn in Dobbrikow ein Schwein geschlachtet wurde. „Da haben wir uns die Goschen dran verbrannt“, erinnert sich Arnold. Bald kommt er gegen das Stimmengewirr nicht mehr an. An den Tischen werden unzählige Erinnerungen ausgetauscht. Da wird dann sogar das Essen kalt.

Von Aglaja Adam

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