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Zeitreise zum Jubiläumsauftakt

800 Jahre Luckenwalde Zeitreise zum Jubiläumsauftakt

Luckenwalde feiert in diesem Jahr die Ersterwähnung vor 800 Jahren. Die Auftaktveranstaltung zu den Feierlichkeiten fand am Sonnabend im voll besetzten Stadttheater statt. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) und Historiker würdigten die Geschichte der Stadt. Dietrich Maetz räumte dabei auch mit historischen Fehlinformationen auf.

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Die „Soundkids-Family“ der Kreismusikschule spielte mittelalterliche Musik zum Jubiläumsfeierauftakt.

Quelle: Elinor Wenke

Luckenwalde. Mehr als 700 Luckenwalder und Gäste ließen sich am Sonnabend acht Jahrhunderte in die Stadtgeschichte zurückversetzen. Im voll besetzten Stadttheater begann die Auftaktveranstaltung zum 800-jährigen Bestehen Luckenwaldes. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) bediente sich in ihrer Rede des Theologen Hans von Keler: „Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen.“ Und sie fuhr sinnbildlich fort: „Um festzustellen, wie solide das Fundament ist, nehmen wir heute ein paar Suchschachtungen vor und legen Schichten vergangener Jahrhunderte frei.“

Für die Gegenwart würdigte Herzog-von der Heide Vereine, Kirchengemeinden und Nachbarschaftsinitiativen sowie sportliche Leistungen oder künstlerische und kulturelle Begegnungen als Teile des Heimatempfindens. „Ich behaupte, dass jeder Zweite hier im Saal sich ehrenamtlich engagiert und damit Teil des Bürgersinns und der Lebendigkeit ausmacht.“

Festredner im vollen Stadttheater

Festredner im vollen Stadttheater: Lutz Partenheimer, Dietrich Maetz, Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (v.l.).

Quelle: Elinor Wenke

In seinem launigen Vortrag interpretierte Lutz Partenheimer die Urkunde

Falk Kubitza als Bischof Siegfried II

Falk Kubitza als Bischof Siegfried II.

Quelle: Elinor Wenke

aus dem Jahr 1216, in der Bischof Siegfried II. die Grenzen des Brandenburgischen Archidiakonats bestimmte und auf der Luckenwalde zum ersten Mal erwähnt ist. Partenheimer ist Professor für Geschichte des Mittelalters an der Uni Potsdam und schüttelte seine Erkenntnisse ohne Mühe aus dem Ärmel, um sie mit aktuellen Pointen zu würzen. „Etliche Städte haben ihr Jubiläum falsch gefeiert, zum Beispiel Stendal oder Forst“, sagte Partenheimer, „das sind Hochstapler. Und wer kommt aus Forst? Ministerpräsident Woidke.“ Den Luckenwaldern attestierte er: „Sie können mit Fug und Recht feiern. Sie sind überkorrekt erwähnt, in beiden Fassungen der Urkunde. Aber Sie feiern nicht die Geburtsstunde der Stadt, sondern die Ersterwähnung vor 800 Jahren.“

Der Luckenwalder Heimatforscher Dietrich Maetz, der mit Hilfe von Museumsleiter Roman Schmidt seinen 34. Vortrag der „Stadtgeschichte(n)“ präsentierte, beleuchtete unter anderem den historischen Verlauf von Nuthe und Röthegraben sowie die Luckenwalder Burg. „Die Untersuchung der 1987 gefundenen Palisaden ergab, dass die Eichenstämme um 1191 gefällt wurden. Die Burg entstand also im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts“, resümierte er.

Hintergrund

1216 gilt als das Jahr der urkundlichen Ersterwähnung Luckenwaldes als Stadt.

Die Originalurkunde vom 28. Dezember 1216 liegt in zwei Fassungen im Domstiftsarchiv Brandenburg. Bis zum 10. April kann sie im Luckenwalder Heimatmuseum besichtigt und als Nachdruck käuflich erworben werden.

In der Vergangenheit wurde der Bierstreit mit Jüterbog im Jahr 1430 als Grundlage aller Jubiläen erachtet. Deshalb wurde 1930 das 500-jährige Bestehen Luckenwaldes und im Jahr 1980 das 550-jährige Bestehen begangen.

800 Jahre Luckenwalde wird acht Monate lang von März bis Oktober gefeiert – in jedem Monat unter einem anderen Motto. So dreht sich im April alles um kulinarische Genüsse, im Juli um Kunst und Handwerk. Der Abschluss im Oktober ist ein Konzert im Nuthepark.

Luckenwalde sei nicht aus den Dörfern Dieke und Rothe entstanden, erklärte Maetz. „Sie haben nichts damit zu tun“, erklärte er. Wie Luckenwalde zu seinem Namen kam, sei nicht leicht zu beantworten. „Lucken“ könne slawischen oder germanischen Ursprungs sein. Das slawische „Lug“ bedeute Bucht der Biegung, aber auch eine Ableitung von Personennamen wie „Lukumir“ oder von Begriffen wie „Luk“ als Wiese, Lauch oder Zwiebel sei möglich. Laut Maetz könne es auch vom altgermanischen „lenk“ abgeleitet sein, was „leuchten“ bedeutet. „Wie unsere Stadt wirklich zu ihrem Namen kam, wird wohl ewig im Nebel der Vergangenheit verborgen bleiben“, sagte Maetz.

Die anschließende Lange Nacht des Museums nutzten zahlreiche Besucher, um sich die Originalurkunde und einen historischen Film anzuschauen.

Von Elinor Wenke

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