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Teltow-Fläming Zerrissene Familien, verlorene Existenzen
Lokales Teltow-Fläming Zerrissene Familien, verlorene Existenzen
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00:29 25.10.2015
Anaheed Alhaj Husin, Khalil Husein und Ali Madani (v.l. ) berichten in der Luckenwalder Bibliothek über ihre Schicksale. Quelle: Margrit Hahn
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Luckenwalde

Ein Gespräch mit syrischen Flüchtlingen fand am Dienstag in der Luckenwalder Bibliothek am Bahnhof statt. „Es ist die Auftaktveranstaltung und ich würde mich freuen, wenn dieser noch viele weitere folgen würden“, sagte Bibliotheksleiterin Elka Freudenberger. Sie wünscht sich, dass über diese Veranstaltung Kontakte geknüpft werden und die Menschen aufeinander zugehen. „Vielleicht lernen wir durch diese Begegnung ein Stück dazu“, sagte sie und begrüßte die drei Flüchtlinge: „Ich freue mich, dass Sie den Mut haben, uns ihre Lebensgeschichte zu erzählen.“

Die ersten drei Gesprächspartner hatte Integrationscoach Sabine Ernicke von der Volkshochschule ausgesucht. Denn sie wusste, wer schon etwas Deutsch spricht und bereit wäre, über seine Ängste und Wünsche zu erzählen.

Ali Madani, Khalil Husein und Anaheed Alhaj Husin leben seit einem Jahr in Deutschland. Alle drei verbindet das gleiche Schicksal: Der Krieg in Syrien machte sie zu Flüchtlingen. Ali Mandani lebt inzwischen mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn, die ihm im Sommer dieses Jahres nach Deutschland gefolgt sind, in einer kleinen Wohnung auf dem Volltuchgelände in Luckenwalde. Er nahm in den vergangenen Wochen am Deutschkurs teil. Heute ist seine Prüfung. „Ich bin ziemlich aufgeregt“, sagt Ali Madani – zumal es nicht nur ums Sprechen, sonder auch ums Schreiben und Verstehen geht. In seinem Heimatland war er ein gefragter Fachmann. Er hat Petrolchemie studiert und in einer Ölfirma gut verdient. Vom ersparten Geld bezahlte er den Flug nach Deutschland und hofft hier Arbeit zu finden. Laut Cornelia Mursall vom Jobcenter will man auf jeden Fall versuchen, ihn in seinem erlernten Beruf als Rohrleitungsbauingenieur zu vermitteln, auch wenn das in der Region schwierig sei.

Khalil Husein hat in Damaskus ein Lebensmittelgeschäft geführt. Er hat große Probleme, seine Frau und die fünf Kinder nach Deutschland zu holen. Seine beiden ältesten Söhne (18 und 19 Jahre) müssen in Syrien Waffen tragen. Khalil Husein kam unter schwierigen Umständen mit dem Lkw nach Deutschland. Er musste für die Einreise nach Deutschland 10 000 Euro aufbringen. „Ich habe viele Freunde durch den Krieg verloren – ein Krieg, der seit sechs Jahren wütet und nicht enden will. Die meisten Syrier wären nicht ausgewandert, wenn die politische Situation sie nicht dazu gezwungen hätte“, sagt der 41-Jährige.

Im Heim in Luckenwalde, in dem er untergebracht ist, fühlt er sich nicht wirklich wohl. Jeder Tag sei gleich: essen und schlafen. Deutsch zu lernen, sei im Heim kaum möglich. Es ist viel zu laut, weil bis in die Nacht Musik zu hören ist, und es wird kaum auf Ordnung geachtet. Er macht zig mal am Tag das Waschbecken sauber und wird dafür von anderen ausgelacht. „Ich glaube, wir haben eine Million Kakerlaken dort “, beklagt Khalil Husein. Er wünscht sich, dass er seine Familie endlich in die Arme schließen und mit ihr hier in Deutschland glücklich werden kann.

Anaheed Alhaj Husin hat in ihrer Heimat das Abitur gemacht und zehn Jahre in einem Kulturzentrum gearbeitet. Die 35-Jährige hat zwei Jahre Wirtschaft studiert und konnte das Studium nicht beenden, weil der Krieg begann. Auf die Frage, warum ihr Mann in Syrien geblieben ist und sie allein mit den Kindern nach Deutschland gekommen ist, erklärte sie: „Mein Mann kümmert sich um seine kranken Eltern. Meine Kinder haben mir gesagt, dass sie in ein Land ohne Krieg möchten. Deshalb sind wir hier.“

Bevor der Krieg begann, ging es ihnen in Syrien gut. Sie gingen in die Schule, konnten studieren und hatten viele Freunde. Es war ein sehr fortschrittliches Land. Ob sie nach dem Krieg in ihr Land zurückgehen, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem müsse erst einmal Frieden herrschen.

Von Margrit Hahn

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