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Ziegenmelker stoppt Windräder-Bau

Wünsdorf / Töpchin Ziegenmelker stoppt Windräder-Bau

Baustopp im Wünsdorfer Wald. Dort dreht sich so schnell kein Wind-Rad. Das hat die Bürgerinitiative „Freier Wald“ mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht in Potsdam erwirkt. Sie wirft dem Investor Enercon Versäumnisse bei der Schaffung alternativer Lebensräume für Zauneidechse und Ziegenmelker sowie verfrühte Rodungen vor. Enercon hält an dem Projekt fest.

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Robin Lewinsohn, Barbara Kaulen, Helga Ehresmann, Gisela Deckert, Detlef Gurczik und Edgar Leisten (v.l.) von der Bürgerintitiative „Freier Wald“.

Quelle: Frank Pechhold

Wünsdorf. Die geschützte Zauneidechse und der scheue Ziegenmelker-Vogel sind das Zünglein an der Waage bei einem vorläufigen Baustopp für sechs Windenergieanlagen im Wald zwischen Wünsdorf und Töpchin. Vor dem Verwaltungsgericht Potsdam erreichte die Bürgerinitiative „Freier Wald“ (BI) in einem Verfahren gegen das Landesamt für Umwelt (LfU), dass bis zur Verhandlung nicht weiter Wald an den vom Investor Enercon geplanten Windrad-Standorten und -zufahrtstrecken gerodet werden darf. Ungeachtet dessen hält Enercon an dem Projekt fest.

Klage gegen die Genehmigungsbehörde

„Wir haben gegen das Landesumweltamt geklagt, weil die Behörde ihrer Kontrollpflicht gegenüber dem Investor nicht nachgekommen ist“, sagt der BI-Vorsitzende Detlef Gurczik. Begründet wird die Klage vor allem damit, dass die vom LfU als Genehmigungsbehörde beauflagten Ersatzlebensräume für die in diesem Gebiet vorkommenden Zauneidechsen und Ziegenmelker noch nicht fertiggestellt worden sind. Trotzdem habe man damit begonnen, weitere Waldflächen für den Windpark zu roden, so Detlef Gurczik. „Damit hat Enercon komplett den vorgegeben Bauablauf missachtet“, sagt BI-Mitglied Robin Lewinsohn.

Naturschützerin mit Bundesverdienstkreuz

„Die Zauneidechsen hätten schon im vorigen Jahr abgesammelt werden müssen“, sagt die mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte Naturschützerin Gisela Deckert. Eidechsen könne man nur im Sommer und nicht im Winter absammeln. Deckert zufolge würden auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz mehrere Populationen im Boden überwintern. „Wir befürchten, dass bei den Rodungsarbeiten auch Zauneidechsen abgetragen und getötet wurden“, sagt Detlef Gurczik. Um das zu vermeiden, hätte man zuerst die Ersatzfläche für die Eidechsen schaffen, dann die zuvor im gesamten Baugebiet gesammelten Tiere dort aussetzen und anschließend die Schutzfläche mit einem Zaun umgeben müssen. All das sei nicht rechtzeitig geschehen.

Ein Ziegenmelker

Ein Ziegenmelker.

Quelle: MAZ-Archiv

Ähnlich verhält es sich mit dem Ersatzlebensraum für den Ziegenmelker, von dem es dort Gisela Deckert zufolge mindestens 17 Exemplare gibt. „Der Ziegenmelker braucht 30 000 Quadratmeter an freier Fläche, die mit Sanddünen und Heidekraut bepflanzt ist.“ Heidekraut benötige mindestens eine Vegetationsperiode, ehe es im Boden verwurzelt ist. Deckert zufolge habe man aber erst Mitte Januar damit begonnen, in dem Ersatzgebiet Bäume zu fällen und Stubben zu roden. Bis Mai sei der Ziegenmelker – ein Wandervogel – „auf alle Fälle wieder da. Dann wird die neue Fläche für ihn nicht fertig sein.“

Baustopp bis zur mündlichen Verhandlung

Die bei Kontrollgängen im Wald-Baugebiet gemachten, für das Verfahren wichtigen Beobachtungen habe man dem Verwaltungsgericht mitgeteilt, sagt Detlef Gurczik. Bei Gericht habe man der BI wegen der sehr präzisen, mit Fotos belegten Ausarbeitungen Glauben geschenkt und einen Baustopp verfügt. „Der bleibt bis zur mündlichen Verhandlung bestehen.“

Weil es sich um ein laufendes gerichtliches Verfahren handele, wolle man hierzu zunächst keine Ausführungen machen, so LfU-Sprecher Thomas Frey. Das LfU warte die Entscheidung und Begründung des Verwaltungsgerichtes ab.

„Wegen der gerichtlichen Klärung wird sich der Zeitplan des gesamten Projekts verschieben“, sagt Enercon-Pressesprecher Felix Rehwald. Dennoch halte man an dem Projekt fest.

Bauvorbereitende Rodungen schon erfolgt

Enercon will in Wünsdorf sechs Windenergieanlagen vom Typ E-115/3 MW mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einem Rotor-Durchmesser von 115,7 Metern errichten. Bislang seien am Standort lediglich bauvorbereitende Rodungen erfolgt. Derzeit werde noch das geschlagene Holz abgefahren. Weiter führe man die von der Genehmigungsbehörde festgelegten Schutzmaßnahmen aus – auch für Eidechse und Ziegenmelker. Bis zum Baubeginn für die sechs Windräder will Enercon diese Arbeiten beendet haben.

Die restlichen Rodungen und alle Baumaßnahmen wie Wegebau und Errichtung der Anlagen „wurden aufgrund der Eilentscheidung des Gerichtes ausgesetzt, bis eine Entscheidung über die Aufhebung oder Fortsetzung des Stopps der Rodungsmaßnahmen vorliegt“, so Rehmann. Mit einer Entscheidung des Gerichtes rechne man bis Ende Mai/Anfang Juni. Enercon gehe davon aus, dass die Windräder im Spätsommer oder Herbst 2017 gebaut werden können.

Von Frank Pechhold

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