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Zimmermeister beeindruckt vom Kirchendach

Jüterbog Zimmermeister beeindruckt vom Kirchendach

Der Landesverband der Zimmerer hat seine erste Mitgliederversammlung nach der Wiederbelebung in Jüterbog abgehalten. Er will Sprachrohr der Mitgliedsbetriebe und eine Ebene des fachlichen Austauschs sein. Beim Besuch in Jüterbog wurde unter anderem der mächtige, 700 Jahre alte Dachstuhl der Nikolaikirche besichtigt.

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Die Fachleute im 700 Jahre alten Kirchendachstuhl in Jüterbog.

Quelle: Gerald Bornschein

Jüterbog. Zu seiner ersten Landesverbandstagung lud der Landesinnungsverband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes für Brandenburg (LIV) in die Handwerkerstadt Jüterbog ein. Auf die Vertreter der drei im LIV vereinten Innungen wartete am Donnerstag ein straffes Programm.

Mitgliederversammlung der Zimmerer in Jüterbog

Mitgliederversammlung der Zimmerer in Jüterbog.

Quelle: Gerald Bornschein

Nach der Begrüßung ging es in Begleitung einer Blaskapelle mit wehenden Innungsfahnen vom Marktplatz zur Nikolaikirche. Pfarrer Bernhard Gutsche empfing die Handwerker zu einem Gottesdienst, bei dem er daran erinnerte, dass Jesus in der Bibel als „Sohn des Zimmermanns“ bezeichnet wird. Doch erst Martin Luther machte in seiner Übersetzung aus dem griechischen „teknon“ (Bauhandwerker) den Zimmermann.

Laut Gutsche hat in der Nikolaikirche kaum ein Gewerk so kontinuierlich gewirkt wie das der Zimmerleute. Begonnen mit dem Dachstuhl vor fast 700 Jahren, dem Einbau der Bänke nach der Reformation, den Emporen und schließlich der Dachsanierung in den 1970er Jahren.

Gutachten stellen Alter der Dachbalken fest

Nach einem Rundgang durch die Kirche ging es hoch in den Dachstuhl. Das noch aus der Original-Bauzeit stammende Traghängewerk besteht eigentlich aus vier in Längsrichtung separaten Dachstühlen, die Trennstellen sind deutlich zu sehen. Erste dendrochronologische Untersuchungen haben als Fälldatum das Jahr 1334 ergeben. Die alten Holzverbindungen haben Probleme: Wegen Spannungen aus der letzten Sanierung beginnen sie zu reißen.

Blick in den mächtigen Dachstuhl der Nikolaikirche

Blick in den mächtigen Dachstuhl der Nikolaikirche.

Quelle: Gerald Bornschein

Die Fachleute von heute zogen ihren Hut vor den historischen Leistungen. Sie lobten die imposante Arbeit und das statische Verständnis, konnten aber auch die Schinderei nachvollziehen, die wohl tonnenschweren Deckenbalken in die Höhen zu ziehen. „Man unterschätzt das, wenn man Kirchen von außen sieht“, sagte Ralf Steffen aus Brandenburg/Havel.

Auch einen Blick ins Innere der Orgel und das Treten des Blasebalgs war für die Holzbauer möglich, Pfarrerin Ramona Rohnstock erklärte das Instrument mit 50 Registern und über 2.900 Pfeifen. Sie hatte den erkrankten Organisten vertreten, dessen Berufszweig sie voll Hochachtung als „König der Musiker“ bezeichnete.

Vorträge über Holzschutz, Zertifikate und Versorgung

Am Nachmittag standen Fachvorträge und Gespräche im Mittelpunkt. Vom Deutschen Holz- und Bautenschutzverband wurde Ekkehard Flohr für ein Referat zu aktuellen Anforderungen im Holzschutz gewonnen. Bernd Bielen von der „cert.company“ gab einen Überblick zur Zertifizierung nach FSC und PEFC (nachhaltige Waldwirtschaft), die für öffentliche Bauaufträge erforderlich ist und Anforderungen an Unternehmen stellt.

Rechtsanwalt Wolf Reuter gab anschließend Informationen zur stark diskutierten Abgabepflicht zur SOKA Bau, der Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes. Die Fördermitglieder aus der Holzbaubranche boten am Nachmittag ihre Leistungen in Form einer kleinen Messe an.

Landesverband will Vertretung der Firmen sein

Landesinnungsmeister Thomas Telleis, sein Stellvertreter Andreas Graf und Geschäftsführerin Kerstin Rehfeldt erklären die Ziele des Landesverbandes. Neben der Stärkung des Zusammenhalts der Mitgliedsunternehmen geht es um die sachgerechte Vertretung gegenüber dem Bundesverband Holzbau Deutschland. Der Großteil der Arbeit wird ehrenamtlich geleistet.

Weiterbildungen, betriebswirtschaftliche und rechtliche Beratung der Mitglieder steht ebenso auf der Agenda wie die Lehrlingsakquise, die Verbesserung der Ausbildungsqualität und die Darstellung des Berufsbildes in der Öffentlichkeit. Der Bericht des Landesinnungsmeisters und Beschlüsse zum kommenden Jahreshaushalt beendeten die Verbandstagung und Mitgliederversammlung.

Info:
www.liv-zimmerer-brandenburg.de

Von Gerald Bornschein

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