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Zossen Starmusiker als Statist vor der Filmkamera
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18:39 08.10.2018
Andrej Hermlin, Chef des weltbekannten Swing Dance Orchestras, und sein Sohn David Hermlin wirken als Statisten mit. Quelle: Frank Pechhold
Horstwalde

Geheimer geht’s nicht. Streng abgeschirmt ist das Set. Soldaten mit Hunden patrouillieren in Sichtweite. Militärfahrzeuge kreuzen ihren Weg. Plötzlich hält eine dunkle Limousine mit den Hauptdarstellern am Postenhäuschen von Los Alamos. Viel mehr passiert in dieser mit regionalen Statisten gespickten und in Horstwalde gedrehten Szene des Streifens „Adventure of a Mathematican“ nicht. Verfilmt wird die gleichnamige Autobiografie des polnisch-US-amerikanischen Mathematikers Stanislaw Marcin Ulam.

Prominente Nebendarsteller an diesem Drehtag sind der Berliner Andrej Hermlin, Bandleader des international gefragten Swing Dance Orchestra, und dessen Sohn David Hermlin. Als Musiker liebe er das Lebensgefühl der 20er und 30er Jahre und Autos aus jener Zeit, sagt Andrej Hermlin. Zwei amerikanische Wagen aus der Swing-Ära besitze er seit vielen Jahren. „Das spricht sich rum.“ Deshalb werde er ab und zu von Filmemachern angerufen. Dann stelle er gelegentlich ein Auto zur Verfügung. So wie in Horstwalde, wo Vater und Sohn elegant gekleidet aus einer schwarzen Reiselimousine steigen. „Das war damals in Amerika ein Wagen der Oberklasse“, nennt Andrej Hermlin ein paar Daten seines „Buick Century“: „Acht-Zylinder-Motor mit fünf Liter Hubraum, 41 PS, Baujahr 1938.“

Wettlauf gegen die Zeit und Nazis

Im selben Jahr ging der Pole Stanisław Marcin Ulam (auch Stanley Ulam) in die USA. Fünf Jahre später wurde er US-Staatsbürger und Mitarbeiter des streng geheimen Manhattan-Projektes in Los Alamos. Mitten in der Wüste wuchs eine Stadt aus dem Nichts. Erst an dem Tag, als das japanische Hiroshima in Schutt und Asche fiel, wurde bekannt, was dort im Wettlauf gegen die Zeit und die Forscher in Nazi-Deutschland entstanden war: die Baustätte der Atom- beziehungsweise Wasserstoffbombe. Wissenschaftler und Militärs entwickelten in Los Alamos die erste Kernwaffe der Weltgeschichte, die am 16. Juli 1945 explodierte. Dort wurden die Bomben hergestellt, die später Hiroshima und Nagasaki zerstörten. Kaum ein Platz in der Welt war schärfer bewacht. Bis 1954 blieb Los Alamos eine geschlossene Stadt, in die man nur mit einer Sondergenehmigung kam.

Los Alamos wurde in den 50er Jahren zum weltweit größten militärischen Entwicklungszentrum ausgebaut und hat damit die ehemalige Heeresversuchsanstalt in unserem Nachbarort Kummersdorf auf den zweiten Platz verdrängt. Da sind sich die Historiker einig“, sagt Klaus Urban vom Förderverein der Verkehrs-Versuchsanlage Horstwalde. Urban vermittelte den Kontakt zwischen Vereinsmitgliedern, die amerikanische Militärautos besitzen, und Filmleuten.

Regionale Statisten mit Armee-Fahrzeugen

Mit einem Tankwagen der US-Army vom Typ REOM49A2c fuhr Doreen Schulze vor. Lkw der REO-Reihe werden in Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Von einem privaten Sammler erwarb die Sperenbergerin das Fahrzeug vor einigen Jahren. „Seitdem werde ich immer mal wieder für Dreharbeiten gebucht“, sagt die Zahnarzthelferin. Auf der Leinwand war ihr liebstes Auto bereits mit Hollywood-Star Tom Hanks zu sehen. Regisseur Steven Spielberg und seine Agenten suchten nach Fahrzeugen für den später Oscar-gekrönten Film „Bridge of Spies“. Dabei stießen sie im Internet auf die REOs von Doreen Schulze und ihren Freunden. „Die stehen alle bei mir zu Hause vor der Werkstatt“, sagt Schulze. Stolz auf seinen Mannschaftswagen REO M35A2 ist Andreas Klemm. „Ursprünglich war das mal eine Feuerwehr“, sagt der Eichwalder. An einigen Stellen, wo die Farbe abgeplatzt ist, kommt das Feuerwehrrot zum Vorschein. Irgendwer habe den Wagen später umgerüstet, so Klemm.

Gerade mal seit zwei Monaten ist Mirko Urbanek stolzer Besitzer eines in den 50er Jahren gebauten Jeeps M38A1. „Nach so einem Wagen habe ich lange gesucht“, erzählt der Baruther Rathaus-Mitarbeiter. Kurz vor der holländischen Grenze fand er endlich einen Verkäufer. Aktuell restauriere er das Fahrzeug noch, so Urbanek. „Erst einmal habe ich den Jeep so weit flott gemacht, dass ich ihn in dieser Woche für den Straßenverkehr zulassen kann.“

Hochkarätiges Film-Team

Urbanek und die anderen Statisten freuen sich schon auf die Premiere von „Adventures of a Mathematican“. Die Zuschauer werden auf eine unterhaltsame Reise durch die Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts mitgenommen. Gleichzeitig wird das warmherzige Porträt eines Immigranten erzählt, der mit dem Verlust seiner Familie in Europa umgehen muss, während er hilft, das digitale Zeitalter zu begründen. Drehorte sind Berlin, Spreewald, Lodz (Polen), New Mexico, Horstwalde. Regie führt Thorsten Klein („Lost Place“). In den Hauptrollen sind Philippe Tlokinski als Stanislaw Ulam, die Französin Esther Garrel und Joel Basman zu sehen. Eine erfolgreiche internationale Crew unterstützt das Projekt. Dazu gehört unter anderem die kanadische Komponistin und Oscar-Preisträgerin Lesley Barber. Gedreht wird bis Ende Oktober. In die deutschen Kinos kommt der Streifen voraussichtlich Ende 2019.

Von Frank Pechhold

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