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Zossen Historischer Blick auf das Rittergut Schenkendorf
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19:32 27.01.2019
Die Buchautorin Christine Oliwkowski fand in Zossen interessierte Leser. Quelle: Jutta Brekeller
Zossen

Regionalgeschichte sei „ein viel belächeltes Nischenfach“, sagt Christine Oliwkowski, als sie am Freitagabend im Gemeindesaal der Zossener Evangelischen Kirche ihr im be.bra Verlag erschienenes Buch „Die Familie Mosse und das Rittergut Schenkendorf 1896-1996“ vorstellt. Die Zeithistorikerin und Judaistin, die in Potsdam studierte, war jedoch bereits als Studentin von diesem Nischenfach fasziniert. Ihr Interesse gilt der Brandenburger und speziell der deutsch-jüdischen Regionalgeschichte.

Heimatverein lud zur Lesung

Dieses Interesse teilt die Wissenschaftlerin mit vielen geschichtsinteressierten Menschen vor Ort. Eingeladen zur Lesung hatte der Heimatverein Zossen. Viele der Mitglieder haben die wechselvolle Geschichte des Rittergutes in Schenkendorf zum Teil mit verfolgt.

Recherche in Archiven

Auch die 1983 in Königs Wusterhausen geborene Christine Oliwkowski ist oft am Rittergut vorbeigefahren und hat gerätselt, was sich hinter den hohen Steinmauern wohl verbirgt. Zwei Jahre hat sie sich dann während des Studiums in die Sammlungen von Archiven vertieft und viele Lücken im Wissen um die Mosse-Familie und das Rittergut schließen können. So die um den Verbleib der steinernen Windspiele, die einst das Eingangsportal des Schlosses zierten. Diese wurden 1954 im Pergamonmuseum eingelagert.

Das Schloss Schenkendorf im intakten Zustand, gezeichnet von Bernd Fischer vom Heimatverein Königs Wusterhausen. Quelle: Jutta Brekeller

Das Rittergut sei meist durch Zwangsversteigerung an neue Besitzer gekommen, berichtet die Zeithistorikerin. Auch die deutsch-jüdische Verlegerfamilie Mosse habe das Gut so erworben. Ackerland, Wald und Wiesen gehörten dazu. Das Schloss selbst wurde 1896 im Auftrag von Rudolf Mosse (1843-1920) erbaut. Bis 1932 war es Sommersitz der Familie. Es war auch Begegnungsstätte für Intellektuelle aus verschiedenen Bereichen.

Nach Hitlers Machtergreifung ausgebürgert

Man traf sich zu Tischrunden, besprach Stiftungen und Spenden. Bemerkenswert ist eine Spende von Hans Lachmann-Mosse (1885-1944). Der jüdische Unternehmer stiftete 1929 der christlichen Kirchengemeinde Schenkendorfs zwei Glocken, von denen heute noch eine existiert. Auf ihr ist der Name des Spenders vermerkt. Nachdem die Familie Lachmann-Mosse gleich mit Hitlers Machtergreifung ausgebürgert wurde und über die Schweiz und Frankreich in die USA fliehen musste, wurde ihr Besitz enteignet und 1934 zwangsversteigert.

Rittergut war einst Kinderheim

Viele Dokumente zur Rittergutsgeschichte hat die Autorin bei ihren Recherchen aufgespürt. So die Übertragung des Schlosses 1951 in Volkseigentum. Es diente dann als Kinderheim, Jugendwerkhof und bis zum Ende der DDR unter anderem der Diensthundeführerschule der Grenztruppen.

Legendäre Blutspendepartys

Beurkundet ist auch der Verkauf des Gutes durch Georg L. Mosse 1995 an Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco, der dort bis 2006 unter anderem eine Gaststätte betrieb und legendäre Blutspendepartys feierte. Heute gehört das Schloss der Falstaf Vermögensverwaltungs AG. Was diese damit vorhat, gibt sie nicht preis. Zwei Brände haben es inzwischen in einen recht traurigen Zustand versetzt.

Danke an Ortschronistin

Christine Oliwkowski will indes weiter in der Regionalgeschichte forschen. Ein Gebiet mit viel Potenzial, wie sie weiß. Hilfe bei der Recherche bekam sie vor Ort: „Die Ortschronistin Bärbel Schulze hat mich in meiner Arbeit sehr unterstützt.“

Von Jutta Brekeller

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