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Zossen Wie SA und SS Nazi-Gegner in Zossen schikanierten
Lokales Teltow-Fläming Zossen Wie SA und SS Nazi-Gegner in Zossen schikanierten
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10:29 21.06.2013
Auf dem Hof der ehemaligen Schule am Kirchplatz wurden am 29. Juni 1933 die verhafteten Nazigegner verhört und misshandelt. Quelle: Archiv Carsten Preuss
Zossen

Mit zahlreichen Veranstaltungen und demokratischem Engagement wird in Zossen an das Jahr 1933 und seine Folgen erinnert. Die eigentliche nationalsozialistische „Machtergreifung“ erfolgte nicht am 30. Januar 1933, sondern in den Wochen und Monaten danach. Bis zum Sommer 1933 waren alle konkurrierenden Parteien verboten beziehungsweise hatten sich selbst aufgelöst. Auch Länderregierungen, Gewerkschaften oder die Kirchen boten keinen Halt. Schon nach kurzer Zeit war das öffentliche Leben weitgehend „gleichgeschaltet“.

Auch auf der kommunalen Ebene kam es innerhalb weniger Wochen und Monate zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Um dieses Ziel zu erreichen wurden in vielen Städten und Kommunen – so auch in Zossen – Nazigegner verhaftet, gefoltert und eingesperrt. Innerhalb weniger Monate waren Zehntausende von Gegnern inhaftiert, viele andere eingeschüchtert und in den Untergrund getrieben. Was viele zusätzlich lähmte, war die Gleichgültigkeit, die sie in der deutschen Bevölkerung wahrnahmen.

Die Bürgerinitiative Zossen zeigt Gesicht erinnert mit einer Ausstellung an die Machtübernahme der Nationalsozialisten vor achtzig Jahren in Zossen. Ziel ist es, aus den konkreten historischen Vorgängen Erkenntnisse für unsere Gegenwart zu gewinnen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Verhaftung von Nazigegnern am 29. Juni 1933 in Zossen.

Die Eröffnungsveranstaltung findet am 22. Juni um 14 Uhr auf dem Alten Schulhof (hinter der Bibliothek) in Zossen, Kirchplatz 3, statt. Bei der Eröffnung am 22. Juni werden außerdem Zeitzeugen berichten. Die Ausstellung wird voraussichtlich bis zum 1. August in der Fischerstraße 26 in Zossen für Besucher zugänglich sein. Auf dem Gelände der ehemaligen Stadtschule in Zossen am Kirchplatz wurden 66 Nazigegner, darunter die Mitglieder der KPD und SPD von SA- und SS-Angehörigen und Mitarbeitern der preußischen Gestapo am 29. Juni 1933 verhaftet, verhört und misshandelt.

Alfred Heintz, Zossener Kommunist Quelle: Archiv Carsten Preuss

Die Vernehmungen in Zossen dauerten den ganzen Tag bis in die späte Nacht. Von den Verhafteten wurden 32 Kommunisten und Sozialdemokraten zu Rädelsführern stilisiert und unter SS-Bewachung noch in derselben Nacht in das Konzentrationslager Oranienburg verschleppt. Einige von ihnen kamen in das ebenfalls berüchtigte Konzentrationslager Sonnenburg. Seine Verhaftung am 29. Juni 1933 und die anschließenden Ereignisse schildert der führende Funktionär der Zossener KPD, Alfred Heintz, 1956 in einem handschriftlichen Lebenslauf.

Demzufolge wurde Alfred Heintz am 29. Juni 1933 um 7 Uhr von einem Landjäger und vier SA-Leuten (ein Truppführer, drei SA-Leute) verhaftet. Verhört wurde er auf dem Schulhof der Zossener Stadtschule von SS-Leuten. Das Verhör dauerte von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr. Um 20 Uhr ließ die SS die Verhafteten auf dem Schulhof in zwei Reihen antreten und abzählen. Ein SS-Angehöriger entledigte sich seines Koppels und zog sich auch die Jacke seiner Uniform aus. Von einem anderen SS-Mitglied ließ er sich eine Stahlrute reichen.

Anschließend rief er den Namen Alfred Heintz aus, der vortreten und zur Schulhofmauer gehen musste. Dort musste er sich zur Mauer bücken, die Fingerspitzen auf die Schuhspitzen strecken und den Kopf gerade ausgestreckt eine Handbreit von der Mauer entfernt halten.

Als der SS-Angehörige die Stahlrute schwang, geschah etwas, was keiner der Verhafteten erwartet hatte. Der Gendarmeriemeister Schütze rief seine Landjäger zusammen und gab Befehl, die Waffen feuerfertig zumachen. Anschließend richtete er an die SS folgende Worte: „Jede Sache hat einen Anfang und ein Ende – dieser Spaß, den sie sich seit heute morgen 8 Uhr erlauben, hat hiermit ein Ende, ich fordere sie auf, dass Schulgelände zu verlassen.“ Die SS war zwar entsetzt, verließ aber offensichtlich den Schulhof. Um circa 23 Uhr wurden 32 Genossen mittels Polizeiwagen nach Oranienburg in das Konzentrationslager Alte Brauerei überführt.

Durch die Misshandlungen 1933 verlor Alfred Heintz fast sämtliche Zähne. Er war vom 29. Juni 1933 bis 2. Oktober 1933 im KZ Oranienburg und vom 2. Oktober 1933 bis 24. Dezember 1933 im KZ Sonnenburg. Es gab keinen Prozess und keine Verurteilung. In Oranienburg musste er Moorgräben ausschachten und in Sonnenburg hat er in einer Schmiede gearbeitet.

Gemäß einem Erlass der Geheimen Staatspolizei vom 21. Dezember 1933 wurde er schließlich entlassen. Danach stand er unter Polizeiaufsicht. Er musste sich die erste Zeit täglich dreimal dann täglich zweimal auf dem Polizeirevier in Zossen melden. Später bekam er eine Arbeitsverpflichtung.

Unter den am 29. Juni 1933 verhafteten Nazigegnern war auch Wilhelm Witt, ein führender Sozialdemokrat der Stadt Zossen. Seit 1908 lebte Witt in Zossen. Als junger Schriftsetzer in der Berliner Buch- und Kunstdruckerei in der Stubenrauchstraße, wurde er einer der politischen Führer der SPD in der Stadt. Später arbeitete er als Angestellter der Ortskrankenkasse in Zossen. Er war von 1919 bis 1931 mit kurzer Unterbrechung Stadtverordneter und von 1929 bis 1931 unbesoldeter Beigeordneter (Stellvertretender Bürgermeister).

Im August 1931 legte er sein Amt als Beigeordneter nieder. Seit Mitte der 1920er Jahre war Wilhelm Witt auch Mitglied des Kreistages des Teltow. Wegen seiner besonderen „Staatsgefährlichkeit“ wurde er nach seiner Verhaftung am 29. Juni 1933 länger als die anderen SPD-Mitglieder in Schutzhaft gehalten und später in das Konzentrationslager Sonnenburg überführt.

Seine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus führte auch zum Verlust seiner Arbeitsstelle und als er nach seiner Entlassung Ende September 1933 nach Zossen zurückkehren wollte, verweigerte ihm die Stadtverwaltung das Wohnrecht. So musste Wilhelm Witt zuletzt in Berlin-Lichtenrade in einer Laubenkolonie leben. Im Herbst 1936 verstarb Wilhelm Witt an den Folgen der Haft.

Über die Behandlung der Nazigegner am 29. Juni 1933 beschwerte sich der Diakon der evangelischen Gemeinde Zossen, Emil Phillip. Er war von 1925 bis 1933 Leiter der „Herberge zur Heimat“ in der Kerne (heute Straße der Jugend 116), die unter Verwaltung der Inneren Mission stand. Die Beschwerde des Diakons Philipp schloss auch das Verhalten des evangelischen Pfarrers von Zossen, Otto Eckert, ein. Eckert war Mitglied der NSDAP und führendes Mitglied der Deutschen Christen. Er unterstützte die Gewaltmaßnahmen gegen die Nazigegner und wurde zu dieser Aktion wiederholt hinzugezogen.

Ein Enkel von Emil Phillip berichtete über die Erzählungen seiner Mutter, Gisela Phillip, die am 29. Juni 1933 auf dem Kirchplatz Religionsunterricht beim damaligen Pfarrer Otto Eckert hatte. Da Eckert immer wieder zu den Verhören hinzugezogen wurde, verlegte er den Religionsunterricht in seinen Garten, der neben dem Schulhof lag. Da die Schüler Schreie hörten, schauten sie über die Mauer und sahen die Verhaftungsaktion und die Folterungen. Gisela Phillip kam an diesem Tage verstört nach Hause. Offensichtlich waren es die Schilderungen der Tochter, die Emil Phillip veranlasst haben, Kritik an der Behandlung der Verhafteten zu üben.

Am 19. Juli 1933 wurde Emil Phillip – wohl auf Veranlassung des Pfarrers Eckert – verhaftet und von der Gestapo ebenfalls in das KZ Oranienburg gebracht.

Pfarrer Otto Eckert veranlasste zwar, dass der Diakon Phillip am 25. Juli.1933 wieder entlassen wurde. Allerdings durfte er nicht mehr nach Zossen. Er wurde nach Crossen an der Oder, heute Krosno Odrzanskie, versetzt. Lediglich zur Bewältigung des Umzugs durfte er sich, falls es „unumgänglich nötig ist“, maximal drei Tage in Zossen aufhalten. In Crossen arbeitete er in der Bekennenden Kirche mit.

Die beteiligten SS-Angehörigen gehörten zur SS-Stabswache Z unter Joseph Dietrich. Sie war auf dem Truppenübungsplatz Zossen kaserniert. Das „Z“ stand für Zossen. Auf dem Reichsparteitag der NSDAP im September 1933 erhielt sie den Namen „SS-Leibstandarte Adolf Hitler“. Am Abend des 29. Juni 1933 fand auf dem Zossener Galgenberg beziehungsweise auf dem Sportplatz „Berghöhe“ ein von den Nationalsozialisten organisiertes Sonnenwendfeuer statt. Dabei hielt der Rektor der Stadtschule Fätkenheuer eine „zündende Ansprache“.Es wurde „ein gewaltiger Holzstoß“ aufgeschichtet. Auch die „am Vormittag bei einer Razzia beschlagnahmten Flugschriften staatsfeindlicher Elemente wurden entflammt“, schreibt das Teltower Kreisblatt.

Der Terror gegen politisch Andersdenkende war ein wesentlicher Teil der Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur. Dabei wurden die Gegner verprügelt, gefoltert, in Konzentrationslagern interniert und ermordet. Ziel dieser Aktionen war es, jegliche Opposition gegen das Regime zu beseitigen.

Von Carsten Preuss

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