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Kaltenborn: Ein Ort sehnt sich nach Ruhe

Zu Besuch im Ort von Silvio S. Kaltenborn: Ein Ort sehnt sich nach Ruhe

Ende Oktober ist Silvio S. in seinem Heimort Kaltenborn (Teltow-Fläming) festgenommen worden. Er soll Elias (6) und Mohamed (4) missbraucht und getötet haben. Jetzt hat die Mutter von S. mit einem Interview für Aufsehen gesorgt. In Kaltenborn sehnen sich die Anwohner nach Ruhe und haben zur Familie S. eine ganz klare Meinung.

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„Informationspolitik ist eine Katastrophe“

Verschlafen und leer wirkt das Dorf Kaltenborn in diesen Wintertagen. Nichts deutet darauf hin, dass dort ein Mörder wohnte.

Quelle: Elinor Wenke

Kaltenborn. Verschlafen wirkt das 84-Seelen-Dorf Kaltenborn aus der Gemeinde Niedergörsdorf in diesen Wintertagen. Nichts deutet darauf hin, dass vor sechs Wochen dort der mutmaßliche zweifache Mörder Silvio S. (32) festgenommen wurde. Er soll die beiden Jungen Mohamed (4) und Elias (6) getötet haben. Auch dass seine Mutter Astrid S. (53) sich jetzt öffentlich dazu geäußert hat, wie sie ihren Sohn auf den Fahndungsfotos erkannt und schließlich bei der Polizei angezeigt hat, ist kein Gesprächsstoff im Ort.

Auf Initiative von Ortsvorsteher Christian Laiblin haben sich die Einwohner eine Art Schweigegelübde auferlegt – zumindest den Medien gegenüber. Der Ort will zur Ruhe kommen und nicht schon wieder im Rampenlicht stehen. „Sie werden kaum eine Auskunft bekommen“, kündigt eine Einwohnerin an. Die Türen und Fenster sind verschlossen, kaum jemand verirrt sich nach draußen. Fremden weicht man lieber aus.

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Mohamed (4) war ein unschuldiges Flüchtlingskind. Am 1. Oktober wurde er vor der zentralen Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin entführt. Nun ist er in dem beschaulichen 80-Seelen-Ort Kaltenborn (Teltow-Fläming) gefunden worden – tot in dem Auto seines mutmaßlichen Mörders Silvio S.

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Im Ort halten viele noch zur Familie von Silvio S.

Gerda Liese, eine Nachbarin der Familie, lässt auf Astrid S. nichts kommen. „Sie ist anerkannt im Dorf und muss sich vor uns nicht verstecken“, sagte die 84-Jährige, „was da passiert ist, kann man immer noch nicht fassen, aber man darf ja nicht die Mutter dafür verantwortlich machen.“

Gerda Liese wohnt seit 60 Jahren in Kaltenborn. Solch einen Vorfall habe sie freilich noch nie erlebt, aber Spießruten müsse die Familie nicht laufen. Gerda Liese bezweifelt, dass Astrid S. durch ihr öffentliches Bekenntnis mehr Ruhe findet. „Zu wünschen wäre es der Familie, gerade vor Weihnachten“, sagt sie. Astrid S. komme öfter zu ihr rüber und kümmere sich um sie. „Dafür tröste ich sie“, sagt Gerda Liese.

Pfarrerin: Familie darf nicht in Mithaftung genommen werden

Pfarrerin Ines Fürstenau-Ellerbrock möchte nur ungern an dem Thema rühren. „Momentan ist Ruhe im Dorf“, sagt sie. Es sei ein Gebot der Mitmenschlichkeit, „sich der geschundenen Seelen anzunehmen“. Man dürfe die Familie nicht in Mithaftung nehmen und sie sei froh, dass die Einwohner sehr wohl differenzieren zwischen der Tat des Sohnes und der Familie. „Es wäre schäbig, jetzt auf Distanz zu gehen“, ist die Pfarrerin überzeugt. Der Dorfgemeinschaft und ihrer Gemeinde gibt sie zum bevorstehenden Weihnachtsfest die Botschaft auf den Weg: „Haltet das Licht hoch!“

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30. Oktober 2015: Am Freitag hat die Polizei damit begonnen in Luckenwalde den Kleingarten von Silvio S. zu durchsuchen. Dort hat er nach eigenen Angaben die Leiche des kleinen Elias vergraben. Die Ermittler haben eine Leiche gefunden, die nun obduziert wird. Am Sonnabend gingen die Untersuchungen auf dem Grundstück weiter.

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Der Medienrummel in Kaltenborn ist deutlich weniger geworden

Ein Nachbar, der seinen Namen lieber nicht nennen will, fühlt sich unsicher, wie er der Familie nach dem Vorfall begegnen soll. „Es herrscht ein bisschen Unsicherheit im Ort, vor allem bei Eltern mit kleinen Kindern, die bisher die friedliche Dorfidylle geschätzt haben“, sagt der 34-Jährige. Es sei normal gewesen, dass Kinder frei und arglos im Dorf und auf den Feldern herumliefen, „jetzt ist man vorsichtiger geworden“, sagt er.

Nachbar Jens Lehman bestätigt: „Es ist ein seltsames Gefühl.“ Der Medienrummel aber habe sich beruhigt und jetzt im Winter treffe man auch nicht ständig Dorfbewohner, mit denen das Thema diskutiert wird. „Jeder muss sich seine eigene Meinung dazu bilden.“

Von Elinor Wenke

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