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Zu wenige Kurse, Trainer und Bahnen

Viele Nichtschwimmer an Grundschulen Zu wenige Kurse, Trainer und Bahnen

Zur Badesaison hat die DLRG Alarm geschlagen: Jeder zweite Grundschüler in Deutschland könne nicht schwimmen. In Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald betrifft es laut Bildungsministerium 176 von 2503 Fünftklässlern. Auch, wenn das weniger als zehn Prozent sind, zeigen sich DLRG und DRK besorgt. Die Gründe sind vielfältig.

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Sprung vom Startblock: Nicht alle Kinder in der Region bekommen frühzeitig Schwimmunterricht.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Dahmeland-Fläming. Im Herbst 2015 konnten 176 von 2503 Fünftklässlern in der Region Dahmeland-Fläming nicht schwimmen, nach der sechsten Klasse seien es weniger. Das teilt das Brandenburger Bildungsministerium auf MAZ-Anfrage mit. Die Zahlen klingen besser als die Meldung, die der Bundesverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) vergangene Woche absetzte: Jeder zweite Grundschüler in Deutschland könne nicht richtig schwimmen, hieß es da. Laut DLRG seien ein Viertel aller Erwachsenen Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer.

Auch wenn nach den Zahlen des Bildungsministeriums weniger als zehn Prozent der Fünftklässler nicht schwimmen können, klingt das in einer von Wasser und Seen geprägten Region alarmierend. Während jeder Badesaison gibt es auch in den Seen der Region Dahmeland-Fläming Badetote zu beklagen. Das seien zwar selten Nichtschwimmer, wie Carola Wildau berichtet, die als Rettungsschwimmerin für die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Fläming-Spreewald im Einsatz war. Meistens betreffe es Schwimmer, die Baderegeln nicht einhalten und beispielsweise betrunken ins Wasser gehen oder sich selbst überschätzen.

Frage nach der Verantwortung

„Die Kinder, die nicht schwimmen können, bleiben dem Wasser meist fern“, sagt Carola Wildau. Gefährlich könne es werden, wenn Jugendliche aus Gruppenzwang mit anderen ans Wasser gehen und sich aus Scham nicht trauen, zu sagen, dass sie Nichtschwimmer sind. Hinzu kommt die sportliche Perspektive. „Schwimmen ist ein toller Ausdauersport, der vielen Kindern richtig gut tun würde“, sagt Wildau.

Die Verantwortung dafür, dass Kinder schwimmen lernen, liege ihrer Meinung nach klar bei den Eltern. „Man kann nicht alles auf die Schulen abwälzen.“ Dennoch gibt es in Brandenburg Empfehlungen für Schwimmunterricht: Zwischen Klasse 3 und 6 empfiehlt das Land 36 Stunden und zwischen Klasse 7 und 10 noch einmal 15 Stunden. Da es in ländlichen Regionen jedoch häufig an Bädern mangelt, verzichten manche Schulen darauf. Die Lösung für Kinder in diesen Regionen wären von Kommunen oder Bädern organisierte Schwimmkurse – die sind allerdings schnell ausgebucht.

Schwimmunterricht ab fünf Jahren empfohlen

Das berichtet etwa Lutz Müller, Leiter des Freibades in Jüterbog. Dort laufen pro Freibadsaison vier Seepferdchen-Kurse am Abend, dort lernen Kinder in drei Wochen mit je einer Stunde Unterricht am Tag das Schwimmen. Am Vormittag werden Kita-Kinder unterrichtet. „Wenn das Wetter schön ist, sind die Abendkurse voll“, berichtet Lutz Müller. „Es gibt auch viele Eltern, die sich gar nicht um Schwimmunterricht kümmern und die Verantwortung auf die Schule abwälzen.“ Bei schlechterem Wetter kommen wieder nur wenige Kinder.

Müller empfiehlt Schwimmunterricht ab fünf Jahren. Außerdem sollten sich die Eltern auch darum kümmern, ihren Kindern vorher die Angst vor dem Wasser zu nehmen und mit ihnen während des Kurses Hausaufgaben wie Trockenübungen zu machen. „Dann kann ein Kind nach drei Wochen Kurs auch schwimmen“, sagt er.

Schönefeld baute Schwimmhalle

Ähnliches berichtet Rocco Parlow, Vorsitzender des DLRG-Stadtverbands Ludwigsfelde-Zossen. Er gibt seit 30 Jahren Schwimmkurse, unter anderem in der Ludwigsfelder Therme. „Wir könnten noch viel mehr Kurse anbieten, der Bedarf ist da“, sagt er. „Aber uns fehlen die Bahnen und die Trainer.“

Eine konkrete Maßnahme für mehr Schwimmunterricht ergriff die Gemeinde Schönefeld. Eine Umfrage in Grundschulen hatte gezeigt, dass 30 Prozent der Kinder nicht schwimmen konnten. „Damals dachten wir: Oh Gott, das geht ja gar nicht“, erinnert sich Bürgermeister Udo Haase (parteilos). „Schwimmen ist ein Rüstzeug fürs Leben.“ Die Gemeinde ließ eine Schwimmhalle für 7,5 Millionen Euro errichten, die 2010 öffnete. Seither haben alle Schüler in der 3. Klasse Schwimmunterricht. Das habe sich bewährt. „Nach Angaben der Lehrer gibt es keine Nichtschwimmer mehr in unseren Grundschulen“, sagt Haase.

Von Anja Meyer

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