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Zwei Flämingdörfer im Film

Schlenzer und Weißen Zwei Flämingdörfer im Film

Die Orte Schlenzer und Weißen sind als Drehorte für drei Schlüsselszenen des Films „Die letzte Sau“ ab heute im Kino zu sehen. In dem Film macht sich schwäbischer Bauer auf den Weg nach Brandenburg und löst auf dem Weg eine Revolution gegen die Massentierhaltung aus.

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Die Reste einer Scheune in Schlenzer dienten der Filmcrew um Regisseur Aron Lehmann als Motiv für die Schlussszene von „Die letzte Sau“.

Quelle: Peter Degener

Weißen/Schlenzer. Zwei Dörfer in Niederer Fläming haben ab heute einen Gastauftritt in dem Kinofilm „Die letzte Sau“. In Schlenzer und Weißen sind drei Schlüsselszenen des Films gedreht worden, der als Tragikomödie und Liebesgeschichte das Schicksal des kleinen schwäbischen Schweinebauern Huber (Golo Euler) erzählt, der von der Massentierhaltung genug hat. Als sein von der Pleite bedrohter Hof durch ein Unglück zerstört wird, bleibt dem jungen Mann nur eine einzige Sau übrig. Mit ihr im Beiwagen macht er sich mit dem Motorrad auf den Weg nach Brandenburg, wo seine geliebte Birgit – Tochter eines Großbauern – eine Schweinezucht betreibt.

„So geht’s nicht weiter“, denkt Huber und kämpft auf dem Weg wie ein Don Quijote gegen die Windmühlen, befreit Schweine aus Tiertransporten und Ställen. Das inspiriert Nachahmer, die Höfe überfallen und dort Tiere retten wollen und schließlich sogar Ställe niederbrennen. Im Laufe der Geschichte werden auch das Bienensterben und der freie Zugang zu Seen thematisiert. „So isch dem Huber a Revolution passiert“ werden die Ereignisse im Film lakonisch zusammengefasst. Der süddeutsche Dialekt ist dabei nur ein kleines Hindernis für den Zuschauer, denn die teils drastischen Bilder erklären sich von selbst. „Die letzte Sau“ ist eine Tragikomödie bei der auch gelacht werden darf – auf die Gefahr hin, dass es eben auch mal im Halse stecken bleibt.

Nur eine Sau ist Huber geblieben

Nur eine Sau ist Huber geblieben. Mit ihr macht er sich auf den Weg nach Brandenburg und löst eine Revolution aus.

Quelle: Drei Freunde Verleih/Andreas Steffan

Für die Einwohner des kleinen Ortes Weißen war der Dreh im Sommer und Herbst des letzen Jahres dagegen ein seltenes Ereignis ganz ohne Beigeschmack. „Mindestens 40 der 70 Einwohner unseres Dorfs haben als Komparsen“ mitgewirkt, sagt Diana Reichelt aus Weißen. Die alte Dorfkneipe wurde für einen Abend wiederbelebt und die Band „Ton Steine Scherben“, berühmt für ihren früheren Frontmann Rio Reiser, spielte ein paar Lieder, die zum Soundtracks zum Film gehören. „Die Szene sollte eine Rückblende in die Achtziger Jahre sein und ich bin mit Rio damals aufgewachsen“, erzählt Reichelt, die ganz ehrfürchtig bei diesem Dreh mitwirkte. Mit schulterfreiem Shirt und Leggins genoss sie mit ihren Nachbarn ein ganz besonderes Retro-Konzert für die Kamera bis spät in die Nacht.

Mit einem Unglück beginnt der Film

Mit einem Unglück beginnt der Film. Der Hof von Schweinewirt Huber ist zerstört.

Quelle: Drei Freunde Verleih/Andreas Steffan

Für eine zweite Szene, die nach der von Huber ausgelösten Revolution spielt, wurden auch die tierischen Dorfbewohner Weißens zu Filmstars. Kühe, Gänse und Pferde sind befreit und grasen zwischen parkenden Autos und in den Vorgärten. Die Schlussszene des Films entstand zwischen den Überresten einer alten Scheune in Schlenzer, die der Filmproduktion als Brandruine diente. Hier endet die Liebesgeschichte von Huber und Birgit zwischen hohen, mahnenden Pfosten zum Sound von Ton Steine Scherben und der Liedzeile „Weißt du jetzt, dass du frei bist?“. Die Fragen, welche der Film über die Massentierhaltung aufwirft, stellt sich auch die Zuchtmast-Gesellschaft aus Schlenzer, welche die Filmemacher bei sich auf dem Gelände für diese Szene duldete. Mit rund 1450 Sauen sei man laut Geschäftsführung ein „kleiner Betrieb“, dem die Marktlage „effektives wirtschaften“ aufzwinge. „Wir können unsere Ergebnisse aber nur erreichen, wenn die Tiere sich wohlfühlen und gesund sind“, sagt Zuma-Geschäftsführerin Margot Walther. Sie ist gespannt, wie Massentierhaltung, die Rolle der Bauern und die Bedingungen des Markts im Film umgesetzt sind.

Filmdrehs in der Region

Der Landkreis Teltow-Fläming gehört laut der Berlin Brandenburg Film Commission (BFFC) zu den beliebtesten Regionen für Filmdrehs in Brandenburg.

Die BFFC hilft Filmemachern bei der Suche nach geeigneten Locations und veröffentlicht jährlich eine „Filmlandkarte“ mit Drehorten in Brandenburg. Im Jahr 2015 wurden 17 verschiedene Produktionen laut der Karte zumindest in Teilen in Teltow-Fläming realisiert.

Die Kinofilme „Das Tagebuch der Anne Frank“ und „Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs“, die US-Serie „Homeland“ und der Krimi „Polizeiruf 110 – Der Preis der Freiheit“ entstanden hier.

Nur die Uckermark kommt mit 18 Produktionen in mehr Szenen von Kino- und TV-Filmen vor. In Potsdam und dem Studio Babelsberg waren es im letzten Jahr über 28 Produktionen. Im Landkreis Dahme-Spreewald weiß die BFFC dagegen nur von drei Drehs im Jahr 2015.

In den Vorjahren waren es ähnlich. Seit 2011 hat es mindestens 60 Drehs in Teltow-Fläming, aber nur 17 Stück in Dahme-Spreewald gegeben.

„Im heutigen System kann nur der überleben, der sich unterwirft“, sagt Regisseur Aron Lehmann über die Verhältnisse, die er kritisiert. Er meint damit nicht nur die Produzenten, sondern auch die Käufer von Billigfleisch: „Wir jammern, dass der Lieblingsmetzger schließt und kaufen die Salami an drei von vier Tagen im Discounter“, sagt Lehmann. Doch auch beim Kino herrscht ein strenger Markt. „Die letzte Sau“ wird wegen des schwäbischen Dialekts vorerst vor allem in süddeutschen Städten gezeigt. Immerhin haben einige Berliner Kinos den Film auf dem Spielplan.

Von Peter Degener

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