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Zwei Zimmer, Küche, kahle Wand

MAZ-Serie: In der neuen Heimat Zwei Zimmer, Küche, kahle Wand

Der positive Bescheid im Abschiebeverfahren war eine gute Nachricht für die Yassins. Allerdings ist damit auch klar, dass sie wohl noch länger in der Unterkunft am Ludwigsfelder Birkengrund bleiben müssen. Es wird also Zeit, sich etwas häuslich einzurichten. Gemütlichkeit muss her.

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Mohammed Yassin und seine Frau Rabiha in ihrer Küche.

Quelle: Oliver Fischer

Ludwigsfelde. Ach, die Tapete. Rabiha steht im Flur ihrer Unterkunft und schaut auf einen Fetzen, der sich von der Wand abrollt. Mit der Hand drückt sie ihn zurück, aber ohne Kleister hilft das natürlich nichts. Und selbst wenn: Die Wand würde dadurch auch nicht besser aussehen, die Bahnen daneben fehlen schon komplett.

Die 45-Quadratmeter-Wohnung, in der Rabiha mit ihrem Mann Mohammed und ihren drei Kindern lebt, war bis vor zwei Jahren eine normale Wohnung. Der letzte Mieter hatten den Flur farbig tapeziert: unten karminrot, oben sonnengelb. Aber seit das Haus als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, kamen und gingen einige Bewohner, und es scheint so, als hätte sich jeder ein Stück Flurtapete mitgenommen. „Vielleicht sollte man da wirklich mal etwas machen“, sagt Rabiha.

Bisher gab es wichtigere Dinge: Ankommen, Schulen für die Kinder finden, das Abschiebeverfahren. „Wir haben hier alles, was wir brauchen“, sagte Rabiha immer. Aber jetzt, nach vier Monaten, wird langsam klar, dass das nicht die ganze Wahrheit ist.

Die Familie hat eine separate Wohnung bekommen

Eine Hälfte der Wahrheit ist tatsächlich die: Die Familie hat im Birkengrund eine separate Wohnung bekommen, während andere Flüchtlinge Drei-Bett-Zimmer mit Fremden teilen oder in Hallen leben müssen, wo Betten nur mit Planen voneinander getrennt sind.

Die andere Hälfte aber liegt als Fotodatei auf Rabihas Handy. Es ist ein Bild von ihrem Haus in Syrien. Man sieht darauf einen prächtigen Bau, zwei Stockwerke, mit blühenden Büschen im Vorgarten. Die Fassade hat Mohammed selbst verklinkert, erzählt Rabiha. Und auch die Küche hat er gebaut: neun Meter Arbeitsfläche aus Marmor, eine Kochinsel und ein großer Tisch für die Verwandten und die Freunde, die oft vorbei kamen und sich von Rabiha bekochen ließen.

Bis zum Abschluss des Abschiebeverfahrens dauert es noch Monate

Ihre Küche im Birkengrund misst vielleicht sieben Quadratmeter. Die Wände sind angegraut. Der Vorratsschrank sieht aus wie ein Büromöbel, es gibt noch ein Hängeteil, das Mohammed am Straßenrand gefunden hat, einen Tisch und Plastikstühle, auf denen man es nicht allzu lange aushält. „Das passt schon“, sagt Rabiha.

Aber inzwischen wüsste sie doch gerne, wie lange noch. Flüchtlinge, die ihre Papiere bekommen haben, ziehen nach und nach in eigene Wohnungen. Für die Yassins aber dürfte das schwierig werden, so lange ihr Abschiebeverfahren nicht endgültig abgeschlossen ist. Und bis dahin werde es, so schätzt ihr Anwalt, noch mindestens ein Jahr dauern. So lange will Rabiha sich die Tapetenfetzen im Flur und die schmutzigen Wände in der Küche nicht anschauen. „Ein Eimer Farbe wird wohl helfen“, sagt Mohammed. Aber nur für den Anfang.

 

Von Oliver Fischer

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