Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Zwischen Fiktion, Vision und Pension

Kay Wünsche aus Rangsdorf stellt neues Buch „Der Abtrünnige“ vor Zwischen Fiktion, Vision und Pension

Als Lehrer versucht er seine Schüler dazu zu bringen, ihren Verstand einzusetzen. Wenn Kay Wünsche Ferien hat, schreibt er Bücher, die ihre Leser zum Nachdenken bringen sollen. In seinem neuesten Buch hat es der Rangsdorfer sogar auf die Bundeskanzlerin abgesehen.

Voriger Artikel
Keine Angst vorm „bösen Wolf“
Nächster Artikel
Rathausplatz: Umgestaltung verschoben

In seinem neuen Buch „Der Abtrünnige“schreibt Kay Wünsche über ein Mordkomplott gegen die deutsche Bundeskanzlerin.

Quelle: Christian Zielke

Rangsdorf. Es klingt ein bisschen wie eine absurde Vision: die deutsche Bundeskanzlerin hat einen Plan für Frieden im Nahen Osten. Woran sich Politiker seit Jahrzehnten die Zähne ausgebissen haben, soll mit Hilfe von einigen Unterschriften gelingen.

Angesichts der weltpolitischen Entwicklung wirkt diese Vision derzeit unrealistischer denn je. So unrealistisch, wie mancher bis vor ein paar Jahren sich nicht hätte vorstellen können, dass Geheimdienste den Menschen in die letzte Ecke der Privatsphäre hinterherschnüffeln oder dass in Deutschland Menschen ihren Frust zu Zehntausenden auf die Straßen tragen.

In seinem gerade veröffentlichtem Roman „ Der Abtrünnige“ nimmt Kay Wünsche genau diese Entwicklungen vorweg. „Ich war selbst überrascht, wie beängstigend aktuell mein Buch geworden ist“, sagt der Rangsdorfer. Als er 2011 mit der Fortsetzung seines Debütromans „Sternenkind“ begann, war das, was Wünsche sich ausdachte noch der Plot für einen Politthriller, heute ist es Realität.

Freuen kann sich der 51-Jährige über seine Vision trotzdem nicht. Das Leben ist nun mal kein Thriller und doch bietet es viel Stoff zum Schreiben. Den Stoff für seine literarische Arbeit nimmt er aus den Fernsehnachrichten und Zeitungen. „Ich bin ein durch und durch politischer Mensch“, sagt Wünsche. Die Fesseln des Beamtenverhältnisses als Lehrer am Fontane-Gymnasiums hindern ihn daran, sich allzuweit aus dem Fenster zu lehnen. Statt sich Ärger mit dem Arbeitgeber einzufangen und die Pension zu riskieren, lässt er seine Romanfiguren sprechen. „Da kann mir keiner was“, sagt er.

Die wichtigste Person in „Der Abtrünnige“ ist Leon Haber, ein ehemaliger Soldat einer Spezialeinheit in Afghanistan, der desertiert und seitdem abtrünnig ist. „Einer, der sehr gut Leute umbringen kann“, sagt der Autor. Im Auftrag einer geheimen Organisation soll er einen Mordanschlag auf die deutsche Kanzlerin verüben, um das Gleichgewicht der Kräfte von 1945, dem sich die Organisation verschrieben hat, nicht zu gefährden. Mike Schimansky, der Polizist aus dem Debütroman, ist dem Komplott auf der Spur. Dem Gedanken einer Pentarchie, also einer Balance von fünf Großmächten, kann Kay Wünsche durchaus etwas abgewinnen. Finanzkrise in den USA, Eurokrise in Europa, dazu zahlreiche kleinere und größere Konflikte. Immer dann, wenn eine Macht droht, das Übergewicht zu gewinnen, korrigiert eine unsichtbare Hand.

Kay Wünsche ist kein glühender Anhänger von Verschwörungstheorien. Er möchte auch keine Meinung diktieren. Ihm kommt es darauf an, dass die Leser selbst nachdenken. So macht er es bei seinen Schülern auch. „Ich sage immer, dass das, was in den Büchern steht, eine Version von Geschichte ist. Es gibt aber auch andere Sichtweisen.“

Wünsche ist in der DDR groß geworden und hat sich seine Skepsis gegenüber Diktaturen und deren einfachen Lösungen bewahrt. „Ich bin ein überzeugter Demokrat“, sagt er. Das heutige System hat für ihn nur eine demokratische Fassade mit Politikern als Marionetten der Ökonomie. „Es würde schon reichen, wenn man das Grundgesetz durchsetzt“, sagt Wünsche. Noch besser wäre für ihn eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild.

In den kommenden Wochen wird er sein Buch dem Publikum vorstellen. Reaktionen auf der Frankfurter Buchmesse, wo er einige Passagen vorlas, hätten ihm gezeigt, „dass es nicht ganz Scheiße gewesen ist.“ Er möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen über das Buch und über Politik. Ein drittes Buch ist bereits in Planung

Info: Kay Wünsche stellt sein Buch „ Der Abtrünnige“ am 7. November, 20 Uhr, in der Kulturscheune Rangsdorf vor.

Von Christian Zielke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg