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Zwischen alten Liedern

Ludwigsfelde Zwischen alten Liedern

Der Frontmann der Band „Pankow“ hat am Montagabend in Ludwigsfelde sein neues Buch vorgestellt. Darin geht es um die Geschichte seiner jüdischen Familie und sein durchaus schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern.

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André Herzberg bei seinem Auftritt im Ludwigsfelder Klubhaus.

Quelle: Gudrun Ott

Ludwigsfelde. Bis auf den letzten Platz besetzt war die Lounge im Klubhaus in Ludwigsfelde am Montagabend. Die Brunnen-Buchhandlung hatte den Musiker und Sänger André Herzberg, bekannt aus der Band „Pankow“ zu einer Lesung mit Musik eingeladen. Buchhändlerin Sabine Marx verriet vorab, der 62-jährige Berliner Künstler sei auch nach so vielen Jahren Bühnenerfahrung noch vor jedem Auftritt aufgeregt. „André Herzberg ist nicht nur ein Buchautor, sondern auch ein leidenschaftlicher Sänger“, sagte Sabine Marx.

Griff zur Gitarre

Als Sänger eröffnete der sympathische Künstler die Veranstaltung, denn: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Musik schneller in die Herzen der Menschen vordringt, als die Prosa.“ Und so griff er zur Gitarre und begann zu singen. Ob „Komm und hör das Märchen der Freiheit“ oder „Steht es in der Bibel oder steht es doch im Manifest“, die Botschaften sind sarkastisch verpackt und wurden mit kraftvoller suggestiver Stimme vorgetragen.

Eltern in der SED

Herzberg gehörte mit der 1981 gegründeten Band „Pankow“ zu den bekanntesten Rockmusikern der DDR. Er ist Frontmann und Texter. Seine Eltern kehrten nach dem Krieg aus englischer Emigration zurück. In Ostberlin traten sie in die SED ein und aus der jüdischen Gemeinde aus. Das passe nicht zum Parteibuch, meinte der Vater, der Karriere als Journalist machte. Das Verhältnis zu seinen Eltern bleibt für den 1955 geborenen Sohn schwierig. Es ist die Geschichte einer jüdischen Familie, die Herzberg in seinem dritten Buch „Alle Nähe fern“ erzählt, aus dem er vorlas.

Drei Generationen vorgestellt

Drei Generationen, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart werden vorgestellt. Zu Beginn beschreibt ein Kind ein Familientreffen. Es erkennt einzelne Personen an ihrer Aura. Die Mutter entfernt sich, weil sie das, was gleich passiert, nicht mit ansehen mag. Der Mohel kommt, sucht einen Platz, wo er seine Instrumente ablegen kann. Dem Säugling werden die Windeln geöffnet. Er wird beschnitten. „Unser Blut geht schon lange in deutsche Erde“, witzelt der Großvater und kippt einen Schnaps.

Nüchterne Sprache

André Herzberg beim Lesen zuzuhören ist genauso wunderbar wie ihn singen zu hören. Es sind kurze Sätze, es ist die Nüchternheit der Sprache, die, präzise und kompakt vorgetragen, die Authentizität des Romans unterstreicht. Das letzte Familientreffen, bei dem Stolpersteine vor dem früheren Haus der Familie in Hannover gelegt werden, organisiert der Großvater vom Pflegeheim aus. Der alte Kommunist, für den Religion das Opium des Volkes war, fordert von seinem Sohn das Kaddisch-Gebet zu sprechen. „Warum können wir uns nicht umarmen, warum sind wir uns nicht näher“, fragt der Autor. Er hat die Geschichte aufgeschrieben, „damit ich weiß wer wir sind, wer wir waren.“

Publikum zufrieden

Zum Ende der Veranstaltung griff Herzberg noch einmal zur Gitarre. Das Lied „Langeweile“ mit den Zeilen: „Dasselbe Land zu lange gesehen, dieselbe Sprache zu lange gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt. Ich bin rumgerannt, zu viel rumgerannt. Und ist doch nichts passiert“, gefiel besonders Heidrun Giese. Der Text entstand 1987 aus Frust. Astrid Niemeier hatte ihrem Mann Jörg die Karte fürs Konzert geschenkt. Es sei ein interessanter Abend gewesen, sagten die beiden Zossener.

Von Gudrun Ott

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