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Zwölf Arbeitsplätze für junge Ausländer

Ludwigsfelde Zwölf Arbeitsplätze für junge Ausländer

Mit praktischer Arbeit in der Produktionsschule des Evangelischen Jugendwerks soll jungen Ausländern im Kreis Teltow-Fläming geholfen werden. Beim Bügeln, in der Küche oder in der Holzwerkstatt sollen junge Geflüchtete, die gerade 18 wurden und aus der Schulpflicht fallen, erst gar nicht in ein Loch aus Trauer und Nichtstun fallen.

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Jugendwerk-Chefin Ria von Schrötter und Jugendamtsleiter Swen Ennullat mit Saddam H. (2.v.r.) und Tajmohammad T. aus Afghanistan.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. „Wir warten nicht auf Entscheidungen aus Potsdam oder Berlin, wir machen einfach, was in der täglichen Praxis nötig ist.“ Mit diesen Worten erklären zwei Deutsche in der Ludwigsfelder Produktionsschule vom Evangelischen Jugendwerk, warum es jetzt zwölf Arbeitsplätze für unbegleitet eingereiste junge Ausländer gibt. Die Idee hatten Teltow-Fläming-Jugendamtsleiter Swen Ennullat und Geschäftsführerin Ria von Schrötter. Betreut werden die jungen Flüchtlinge gemeinsam mit deutschen Jugendlichen in den Werkstätten der Produktionsschule.

Hintergrund

Das Jugendhilfegesetz kennt keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum 27. Lebensjahr.

Der Kreis Teltow-Fläming (TF) nahm seit November 2015 150 junge Ausländer in Obhut und übernahm die Personenberechtigung/ Vormundschaft für sie. Für 104 ist das Jugendamt TF noch verantwortlich.


14 von ihnen leben in Übergangswohnheimen/Gemeinschaftsunterkünften bei Bezugspersonen, mit denen sie einreisten, 90 leben kreisweit in stationären Häusern der Jugendhilfe.

Junge Männer, die gerade 18 wurden und damit aus der Schulpflicht fallen, bereiten Frühstück und Mittagsangebote vor, sie arbeiten in der Tischlerei oder bügeln und nähen. Nach Ennullats Wissen ist der Landkreis Teltow-Fläming der erste landesweit, der junge Geflüchtete über die Jugendhilfe nach der Schule lückenlos beschäftigt. So müssten sie nicht tatenlos auf Papiere oder Maßnahmen warten. Nicht mehr Kind und noch nicht Erwachsener – das sei schon ohne Flucht keine leichte Lebensphase, erklären die Pädagogen. „Mit Flucht und Traumatisierung reicht das allemal, um Attentäter oder depressiv zu werden, wie wir ja jüngst erst wieder erleben mussten“, sagt der Jugendamtsleiter. Von Schrötter ergänzt: „Ganz wichtig ist, dass die Jugendlichen, die in ihrer Heimat noch keinen Arbeitsalltag kannten, nicht ohne Tagesstruktur sind.“ Sonst würden viele tatsächlich bis nachmittags im Bett bleiben.

Aufs Berufsleben vorbereiten

Die neuen Arbeitsplätze sollen nicht nur auf ein Berufsleben vorbereiten, sie sollen auch das Deutschlernen erleichtern und die Integration fördern. Gearbeitet wird werktags von 8 bis 15 Uhr, danach schreiben Ausländer ebenso wie die Deutschen in ihr Berichtheft, was ihren Arbeitstag ausmachte. „So finden sie heraus, was ihnen liegt und wo sie für sich eine Perspektive sehen“, sagt die Jugendwerk-Chefin. So einfach, wie es klingt, ist es aber praktisch nicht. So hatten die Pädagogen bei der Ferienplanung nicht bedacht, dass Baden und Floßbauen für deutsche Jugendliche Abenteuer bedeuten; für Geflüchtete aber, die auf dem Mittelmeer kenterten und um ihr Leben schwammen, werden Trauma-Bilder wach. Ennullat sagt, man habe mit dem Flüchtlingsstrom seit dem Herbst, als Standards, Angebote und Personal für die Hilfe fehlten, viel gelernt. Eines aber steht für den Jugendamtsleiter fest: „Es gibt einen ganz direkten Zusammenhang zwischen Flüchtlingsströmen und latenter Terrorgefahr. Das kriegen wir nur in den Griff, wenn wir uns kümmern, nicht andere.“

Saddam H. fühlt sich zwischen Holz und Werkzeug wohl. Er ist seit Dezember im Kreis und hilft bereits beim Übersetzen. Er will die Jugendtischlerei als Sprungbrett zum Studium nutzen. „Ich will Architekt werden“, erklärt er.

Von Jutta Abromeit

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