Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° bedeckt

Navigation:
... und plötzlich war da ein Känguru

Frankenförde ... und plötzlich war da ein Känguru

Die Geschichte hört sich so unglaublich an, dass sie nur wahr sein kann. Am Dienstag schaut in einem kleinen Dorf in Teltow-Fläming eine Frau in ihren Garten. Dort hüpfte das Tier munter über die Wiese. Das ist nur der Anfang einer Geschichte, die noch stundenlang Ordnungsamt, die Polizei und einen Bullen auf Trab halten sollte.

Voriger Artikel
Wohnen im alten Umspannwerk
Nächster Artikel
Zossen-Brandstifter ist ein aktiver Neonazi

Das ausgebüxte Känguru wurde betäubt und vorübergehend bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Quelle: Foto: Gemeinde NUthe-Urstromtal

Frankenförde. Ein umherhüpfendes Känguru mitten im märkischen Frankenförde hat am Montag Polizeibeamte, Anwohner, Verwaltungsmitarbeiter und Tierärzte stundenlang in Atem gehalten.

Gesichtet wurde das herrenlose Beuteltier erstmals morgens gegen 6 Uhr. Yvonne Herrmann aus Frankenförde glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sie mitten auf ihrem Grundstück im Bukewitzer Weg das Wildtier entdeckte. Hündin Jenny hatte verrückt gespielt und ihr Frauchen nach draußen gelockt. „Ich fühlte mich leicht veralbert, als meine Frau mir von dem Känguru im Garten erzählte“, berichtete Ehemann Ulf Herrmann der MAZ. Auch die Polizei muss den Anruf kurz nach 6 Uhr wohl zunächst für einen Scherz gehalten haben, schickte aber einen Streifenwagen.

„Wir haben auf der Koppel drei Rinder und der Bulle war schon ziemlich unruhig, deswegen bin ich lieber in der Nähe geblieben“, berichtet Ulf Herrmann und erinnert sich: „Ich stand dem Känguru aus zehn Metern Entfernung gegenüber und habe ihm direkt in die Augen geblickt. Es war sehr zutraulich.“

Das Känguru beobachtet seine Sucher

Das Känguru beobachtet seine Sucher.

Quelle: Polizei

Als die Polizei eintraf, hatte sich der Ausreißer aber längst über die Straße in ein Maisfeld verkrümelt. „Gegen 10 Uhr haben wir es wieder gesehen und erneut die Polizei gerufen“, berichtet Herrmann. Neben drei Polizeibeamten und ihm waren diesmal auch Maurice Radtke vom Ordnungsamt der Gemeinde Nuthe-Urstromtal und die Luckenwalder Tierärztinnen Caroline Watermann und Solveig Zabel vor Ort, um das offenbar ausgebüxte Tier einzufangen. „Wir haben schon viele ungewöhnliche Sachen erlebt, aber ein Känguru definitiv noch nie“, berichtete Caroline Watermann.

Findel-Tier betäubt

Mit Blasrohren haben sie und ihre Kollegin das ungewöhnliche Findel-Tier dann betäubt. „Wir brauchten fünf Anläufe und eine ziemlich hohe Dosis, bis es eingeschlafen ist“, berichtete die Tierärztin. Dabei standen sie dem Beuteltier mal fünf Meter, mal über eine ganze Feld-Distanz gegenüber. Die anstrengende Aktion dauerte drei Stunden. Während Ulf Herrmann das Känguru als ziemlich klein und jung einschätzte, kamen die Tierärzte zur Erkenntnis, dass es sich um ein ausgewachsenes „Wallaby“ – ein Busch-Känguru – handelt.

Auch für Verwaltungsmitarbeiter Maurice Radtke war das außergewöhnliche Unterfangen ein Novum. „Ich wollte dem Tier einfach helfen und es möglichst stressfrei aus Frankenförde bringen“, sagt er, „so ein Tier nötigt einem sehr viel Respekt ab, die Körperkraft ist nicht zu unterschätzen.“ Mit vereinter Kraft wurde das schlafende Känguru in eine Transportbox gehievt.

Ausreißer bei einer Pflegefamilie untergebracht

Der Ausreißer ist derzeit in einer Pflegefamilie im Landkreis Teltow-Fläming untergebracht. Laut Radtke gibt es bisher keine Anhaltspunkte zur Herkunft des Tieres. „Suchmeldungen liegen noch nicht vor“, sagte er.

Die Haltung von Kängurus ist nach Auskunft von Teltow-Flämins Amtstierärztin Silke Neuling in Deutschland erlaubt. „Sie bedarf weder einer Anmeldung noch Registrierung und ist mit keinen besonderen Auflagen verbunden. Es gelten die Bestimmungen des Tierschutzes, der eine artgerechte Haltung vorschreibt – unabhängig davon, ob es sich um Hunde, Katzen, Wellensittiche oder eben Kängurus handelt“, teilte sie mit. Jegliche Tierhaltung setze entsprechenden Sachverstand voraus, vor allem, wenn es um „Exoten“ in Privathaushalten gehe. Diese Tiere hätten oftmals hohe Ansprüche, die ein Halter gut kennen sollte.

Die Untere Jagdbehörde verweist darauf, dass Kängurus nicht dem Jagdrecht unterliegen und ein Aussetzen in die freie Natur unzulässig ist. Das wiederum regele ebenfalls das Tierschutzrecht, das ein Aussetzen von Tieren grundsätzlich verbiete.

Trauriges Ende eines Ausreißers in Werder

Im vergangenen Jahr flüchtete in Werder (Havel) im Landkreis Potsdam-Mittelmark ein Känguru. Die Suche nach dem Tier hielt Polizei und Bevölkerung wochenlang in Atem. Immer wieder konnte es entwischen. Im Januar dann die traurige Nachricht: Das Tier ist tot. Die Todesumstände blieben jedoch rätselhaft.

Von Elinor Wenke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg