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Tempo 100 auf dem Fahrradweg

Autos auf dem Hofjagdweg Tempo 100 auf dem Fahrradweg

Auf einer rund 20 Kilometer langen Teilstrecke des für Fahrradfahrer ausgebauten Hofjagdwegs dürfen die Autos mit Tempo 100 entlangbrettern. Zwischen Krummensee und Groß Köris müssen sich Radtouristen den drei Meter breiten asphaltierten Weg oft mit Lkw teilen.

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Lkw donnern hier entlang.

Quelle: Dietrich von Schell

Königs Wusterhausen. Für Klaus-Dieter Quasdorf ist das Ganze ein Unding. Es geht um den 68 Kilometer langen Hofjagdweg von Königs Wusterhausen nach Lübben, der als touristische Fahrradroute von besonderem Rang gilt.

„Der Hofjagdweg ist der erste Brandenburger Radweg für Touristen, der Mitte der 90er Jahre als solcher ausgewiesen wurde“, sagt Benno Koch. Er kennt sich aus, er bietet in ganz Brandenburg geführte Touren für Radfahrer an, so auch auf dem Hofjagdweg. „Lange Zeit war der kaum befahrbar, der Abschnitt von Krummensee bis Groß Köris war für Radler eine berüchtigte Holper- und Schlaglochpiste“, erinnert er sich.

Landkreis investierte 1,8 Millionen in den Ausbau

Ab 2012 wurde diese Teilstrecke vom Landkreis Dahme-Spreewald bis zum Sommer 2014 sukzessive ausgebaut. 1,8 Millionen Euro ließ der Landkreis sich das kosten. Weitere 440 000 Euro kamen als Fördermittel vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung dazu. Seither zieht sich auf den 20 Kilometern zwischen Krummensee und Groß Köris ein asphaltiertes, drei Meter breites Band durch die Landschaft, leichtgängig zu befahren, ideal für Radfahrer.

Wenn die Autos nicht wären. Die Fahrer nutzen die Piste oft als Schleichweg. „Nach der Eröffnung der Ausbaustrecke gab es Tempo-30-Schilder“, sagt Quasdorf. „Die sind abgenommen worden und durch Zeichen mit der Aufschrift ,Achtung Radfahrer’ ersetzt worden.“ Damit liegt die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei Tempo 100. Das ist alles ganz legal, habe aber zur Folge, dass Radfahrer die für sie ausgebaute Route meiden. Laut Quasdorf gab es eine Zählung. „Dass die Zahl der Radfahrer zurückgeht, hat das Straßenverkehrsamt zum Anlass genommen, die Tempo-30-Schilder entfernen zu lassen.“

Strecke gilt nicht als Unfallschwerpunkt

Von weniger Radlern will man bei der Straßenverkehrsbehörde nichts wissen. Fakt ist aber: „Das Geschwindigkeitslimit wurde aufgehoben“, sagt Heidrun Schaaf, Sprecherin der Landkreisverwaltung. „Dabei bleibt es auch, die Strecke ist kein Unfallschwerpunkt.“ Es dürfe bis zu Tempo 100 gefahren werden. Die Begründung diesmal: „Als Tempo 30 vorgeschrieben war, fuhren die Leute rücksichtsloser als jetzt.“

Benno Koch sieht indes ein generelles Problem, das ganz Brandenburg betrifft. Bis 2008 agierte er in Berlin 13 Jahre lang als Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), sechs Jahre lang war er Fahrradbeauftragter des Berliner Senats. „Man bräuchte die Routen nur als Fahrradstraßen kennzeichnen“, sagt er. Das wäre dort sinnvoll, wo in der Mehrzahl Radfahrer zu erwarten sind. Tempo 30 wäre Pflicht, Räder hätten Vorrang. „Es besteht keine Notwendigkeit für Autofahrer, den Hofjagdweg zu benutzen. Höchstens für ein paar Anlieger.“ Vor dem Ausbau sei dort kaum einer unterwegs gewesen. Er sagt: „Die Straßenverkehrsbehörden bauen Radwege aus, schmücken sich mit dem touristischen Anspruch, wollen aber in Wahrheit nur weitere Straßen für Autos schaffen.“

Von Dietrich von Schell

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