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Lokales Verräter in vertrautem Umfeld
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12:06 24.10.2017
Elke und Hermann Koebe schauen sich bei Pfarrer Wilfried Flach (r.) in Jänickendorf die Stasi-Akten an und erfahren, wie sie von ihrem Freund Günter G. bespitzelt worden sind. Quelle: Foto: Margrit Hahn
Jänickendorf

Es war Zufall, dass Wilfried Flach auf Hermann Koebe stieß. Der Pfarrer im Ruhestand hatte drei Ordner mit Stasiakten auf seinem Tisch und jede Menge Namen, die darin geschwärzt waren. Seit Jahren sind Wilfried Flach und Detlef Dreke dabei, Akten der DDR-Staatssicherheit aufzuarbeiten. Bei dem Wort Feuerwehrgerätefabrik wurde Flach hellhörig und stellte den Zusammenhang zu Koebe her.

Die Familie Koebe besaß vor 1945 die „Feuerwehrgerätefabrik Hermann Koebe“ in Luckenwalde, wurde aber nach dem Krieg durch die kommunistisch geführte Landesregierung Brandenburgs enteignet. Obwohl es in der DDR nicht gern gesehen wurde, pflegte Familie G. eine freundschaftliche Beziehung zu den Koebes, die auch nach deren Flucht in den Westen durch Briefverkehr fortgesetzt wurde.

Hermann Koebe, der heute in Brühl (Baden-Württemberg) wohnt, ließ sich nach einem ersten Anruf von Wilfried Flach die Unterlagen, in denen es um die Firma Koebe ging, per Mail schicken und versprach, nach Luckenwalde zu kommen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Als Hermann Koebe dann mit seiner Frau Elke in Jänickendorf bei Wilfried Flach all die Stasiakten sah, war er sprachlos. Er hatte gehofft, dass sich der Verdacht gegen seinen Jugend- und Schulfreund Günter G. nicht bestätigen würde. Stattdessen las er Seite für Seite, wie ihn dieser bespitzelt hatte.

„Alles was G. von der Familie Koebe privat und geschäftlich aus dem Westen bekannt wurde, trug er unverzüglich und ohne Skrupel seinen Auftraggebern zu und kassierte dafür saftige Honorare, wie den Quittungen zu entnehmen ist“, berichtet Wilfried Flach. Selbst als Koebe 1982 mit seinem damals 15-jährigen Sohn aus dem Westen nach Luckenwalde kam, nutzte G. die Gelegenheit, ihn auszuhorchen und das dann weiterzugeben. „Dass ist nicht zu fassen“, sagt Koebe. „Ich verstehe nicht, warum mein einstiger Jugendfreund nicht wenigstens nach der Wende mit der Sprache rausgerückt ist und seine Spitzeltätigkeit zugegeben hat“, fügt er hinzu.

Mit großem Interesse lasen Koebe und seine Frau Elke, was Wilfried Flach und Detlef Dreke alles über den 1938 geborenen Günter G. herausgefunden hatten. Vieles war ihnen ja bekannt, so beispielsweise, dass Günter G. der Sohn eines Stellmachers ist, der in der Feuerwehrgerätefabrik Hermann Koebe (heute Rosenbauer Feuerwehrtechnik) arbeitete, dass er den Beruf des Werkzeugmachers erlernte und nach vierjährigem Abendstudium das Abitur ablegte. Danach entschloss er sich zu einer Lehrerausbildung, die er 1966 abschloss.

Aus den Stasiunterlagen geht hervor, dass sich G. bereits im Jahr 1965 dem sowjetischen Geheimdienst KGB angeboten haben soll. Aufgrund seiner politisch-ideologischen Korrektheit im SED-Sinn wurde er von der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und dem Auslandsnachrichtendienst der Stasi mit Frau und Tochter zu einem Auslandseinsatz in der Hauptstadt Guineas, Conakry, angeworben. Dort sollte er in der DDR-Botschaft den Kindern der Botschaftsangehörigen Unterricht erteilen, aber auch unter dem Decknamen „Lektor“ Objekte wie Botschaften, Residenzen, Wohnhäuser von Bürgern aus nichtsozialistischen Staaten sowie politisch interessante Personen auskundschaften. In der Abschlusseinschätzung wird sein Einsatz gelobt, aber auch die starke „materielle Interessiertheit“ des Ehepaars hervorgehoben.

Wieder nach Luckenwalde zurückgekehrt, übernahm die Kreisdienststelle des MfS Luckenwalde das Ehepaar G. „Lektor“ wurde beim Rat des Kreises Referent für Volksbildung, bei der Stasi wurde er für die vorbeugende Sicherung im Bereich Volksbildung eingesetzt. Er hatte aufzupassen, dass die Lehrer im Kreisgebiet politisch-ideologisch auf Parteilinie blieben, Abweichler erkannt und auf die eine oder andere Art sanktioniert werden konnten.

Wie Flach und Dreke herausfanden, erhielt „Lektor“ 1984 den Auftrag, bei einer Schülerin, der Tochter eines „Übersiedlungsersuchenden“, einen Abdruck von dem Schlüssel zur elterlichen Wohnung konspirativ zu beschaffen, damit die Stasi dort unbemerkt eine Wohnungsdurchsuchung machen konnte. „Lektor“ nahm den Auftrag an.

Ferner versuchte er, die Kontakte der hiesigen Pädagogen mit Westdeutschen zu durchleuchten und auszuwerten. Einer Kollegin will er keine Freistellung für einen privaten Besuch in Moskau geben, weil das Ehepaar zu enge BRD-Kontakte habe. Andererseits ist er von der Stasi angehalten, Lehrer nach einer „Reise in dringenden Familienangelegenheiten in die BRD“ nach der Rückkehr kräftig „abzuschöpfen“.

Vielfältig sind die Spitzeleien von „Lektor“ im schulischen Bereich, aber auch im außerschulischen schnüffelt er herum. In Gasthäusern wie der „Gaststätte zur Mühle“, „Felsengrotte“ und „Fichte“ soll er versucht haben, sowohl das Vertrauen von Wirten als auch von Gästen zu gewinnen, um sie gezielt auszuspionieren. Auf diese Weise erfuhr er auch von einem innerdeutschen Treffen einer Lehrlingsgruppe der Tewa-Lehrwerk-statt, die den erfolgreichen Abschluss ihrer Lehre nach dreißig Jahren feiern will. Auf westdeutscher Seite fielen Worte wie „Nun seid ihr bereits seit 40 Jahren in diesem Zwangsstaat eingesperrt.“ Dank „

Dass ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM), der seine Mitbürger an die Stasi verpfeift, auch selbst verpfiffen werden kann, konnte sich „Lektor“ vielleicht nicht vorstellen. Und doch ist es geschehen. Als er eine Affäre mit einer Kollegin begann, forderte die Stasi einen totalen Abbruch der Beziehung. Begründung: Da er im Einsatz in einem nichtsozialistischen Staat gewesen war und von der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) dort wieder eingesetzt werden sollte, dürfte es keine Möglichkeit einer Erpressung durch einen gegnerischen Geheimdienst geben. „Lektor“ gehorchte ­– und avancierte im Februar 1988 zum „Hauptamtlichen inoffiziellen Mitarbeiter“.

Günter G. bestreitet nicht, dass er Kontakt zum MfS hatte. Allerdings war es, wie er sagt, keinesfalls so, dass er sich anbot. „Nach üblicher Überprüfung wurde ich durch das Ministerium für Volksbildung der DDR 1972 zur Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz in den entsprechenden Kadern aufgenommen. Dazu wurde ich von 1973 bis 1974 zum Sprachkurs an das Herder-Institut nach Leipzig delegiert. Davon erfuhr das MfS, deren Mitarbeiter mich im Frühjahr 1974 aufsuchten. Es war mein erste Kontakt mit Mitarbeitern aus Berlin“, so Günter G. Er ist verwundert, dass davon die Rede ist, dass er durch K

G. verweist darauf, dass die Aufnahme 1972 in den Auslandskader mit der Verpflichtung verbunden war, jeden Briefverkehr in den Westen abzubrechen. „Diese Vorgabe habe ich strikt eingehalten“, sagt er. Erst im März 1978 nahm er wieder den Kontakt auf. „Ich habe während dieser Zeit keine Informationen über die Familie Koebe weitergereicht und davor hatte ich keine Verbindung zum MfS“, sagt „Lektor“. Die Vertreter des MfS Berlin hätten ihn erst 1988 an die Kreisdirektion Luckenwalde übergeben. „Sollten irgendwo schriftliche Informationen über die Familie Koebe vorhanden sein, können diese nur aus anderen Quellen stammen“, sagt er.

Von Margrit Hahn

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