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Lokales Zehn Jahre „Biokräuterei“ Oberhavel
Lokales Zehn Jahre „Biokräuterei“ Oberhavel
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18:15 07.07.2016
Inhaber Matthias Anders (r.) mit der ausgebildeten Gemüsegärtnerin Heike Bernhardt (am Steuer) und weiteren engagierten Mitarbeitern auf den Feldern. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Matthias Anders und seine Gärtnerin Heike Bernhardt beißen in ein Stück frische Gurke. Was sonst. „Es könnte mal regnen“, schaut Anders hoffnungsvoll auf eine dunkle Wolke. Es sei auch dieses Jahr viel zu trocken. Die Kulturen gedeihen trotzdem „Aber bewässern kann einen Regenguss eben nicht ersetzen“, weiß er.

Vor zehn Jahren begann der Lehnitzer damit, sich auf zwei Hektar Land gleich hinter der Kuhbrücke in Tiergarten einen Traum zu erfüllen: den Anbau von Kräutern. Ohne künstlichen Dünger, im Wechsel der Kulturen, ohne den Boden auf lange Sicht auszulaugen. Frisch oder als Pesto sind die Kräuter vor allem auf Berliner Märkten begehrt. Vor allem der Wildkräutermix von Malve, Melde & Co. Inzwischen stehen sie auf sechs Hektar, in einigen Gewächshäusern werden in Kooperation mit dem Annagarten Gurken und Tomaten angebaut, es gedeihen essbare Blüten, schwarze Johannisbeeren und zunehmend Gemüse wie Kohlrabi, und Zucchini. Seit 2008 auch Kartoffeln wie Bamberger Hörnchen. „Wir haben mit 40 Kulturen angefangen, zwischenzeitlich 80 produziert. Heute sind wir bei 50 bis 60. Probieren immer noch aus, was gedeiht auf den nassen und trockenen Böden, die wir haben“, so Anders.

Derzeit wird schon kräftig geerntet. Die Biokräuterei beliefert neben Märkten in Berlin 120 Personen oder Familien mit „Ernteanteilen“. Einmal die Woche bekommen sie eine Kiste über die Abholstation im Oranienwerk. Weitere gibt es in Birkenwerder, Heiligensee, Mitte, Wedding, Schöneberg und Neukölln. In die Kiste kommt, was reif ist. „Wirklich reif“ betont Gemüsegärtnerin Heike Bernhardt. Mancher wisse gar nicht, wie eine reife Tomate schmeckt. Diese Woche gab es für die Kunden Gurken, schwarze Johannisbeeren und verschiedene Sorten Salat. „Die Portionen sind im Sommer sehr reichlich.“ Einmal im Monat gibt es einen Ernteeinsatz, „da wird gemeinsam gearbeitet und gegessen“.

Durch diese „Vertragslandwirtschaft“ habe die Biokräuterei sichere Abnehmer, die auch mitbestimmen, was im nächsten Jahr angebaut wird. Früher sei nach Regentagen auf dem Markt „zu viel kompostiert worden. Das ist uns zu schade“, so Anders. „So wird gezielt angebaut, wir brauchen keine Überschussproduktion, laugen den Boden nicht aus.“ Andererseits gebe es nun auch die Pflicht, immer etwas liefern zu können.

Am Tag der offenen Tür am 17. Juli gibt es Pesto und Smoothies, Führungen durch den Betrieb. Heike Bernhardt hofft, das viele mit ihrem Besuch „die lokalen Bauern unterstützen. Immer weniger Land ist in den Händen derer, die echte Lebensmittel herstellen“. Böden gehörten einfach nicht an die Börse.

In den kommenden Jahren will Matthias Anders seine Kräuterei „vielleicht noch ein bisschen vergrößern“. Will Kräutertrocknung dazu nehmen. „Nicht größer, sondern qualitativ besser werden.“ Das Unternehmen trage sich, lasse kleine Investitionen zu.

Und was empfiehlt die Gärtnerin eigentlich gegen den Giersch: „Jung aufessen. Immer wieder“, so ihr praktischer Rat.

Von Heike Bergt

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