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Zwischen Tipis und blitzendem Chrom

Friedersdorf Zwischen Tipis und blitzendem Chrom

Das Country- und Truckerfest in Friedersdorf hat sich als Besuchermagnet bundesweit unter den Top Ten etabliert. Die Besucher kommen von weither her, sogar internationale Gäste reisen an. Es entstand aus der privaten Begeisterung von Rosina und Ulrich Ruß.

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Die Gruppe „Caramelka“ aus Prag begeisterte das Publikum mit ihrem Charme sowie ihren rasanten Choreographien.

Quelle: F. Mohr

Friedersdorf. Das Navi war an diesem Wochenende auf der Anfahrt nach Friedersdorf überflüssig. All die Autos aus WOB, LOS, EE, DD, L, NF sowie aus Polen, Holland, Österreich und der Schweiz hatten nur ein Ziel – den Reitplatz des Ortes. Dort luden Rosina und Ulrich Ruß nun schon zum 19. Mal zum Country- und Truckerfest ein, das inzwischen deutschlandweit unter den Top Ten der Feste dieser Art rangiert.

Ursprünglich „nur“ aus der Begeisterung des Friedersdorfer Ehepaares für die Countrymusik entstanden, begann 1999 alles, wie Rosina Ruß sagt, „beinahe handgeschnitzt“. Damals fanden sich zwölf Trucks auf dem Festgelände ein, während die 100 Standplätze jetzt innerhalb von drei Tagen vergeben waren. Möglich ist dies alles nur – daran lassen die Ruß’s keinen Zweifel –, weil ihnen ein enthusiastisches Team von 40 Freunden zur Seite steht, die Jahr für Jahr bereit sind, für dieses Fest eine ganze Woche Urlaub zu opfern. Sie beginnen schon am Montag mit dem Aufbau der Zelte, hängen Plakate auf oder gestalten den am Eingang befindlichen Saloon mit der Mainstreet. Zu diesen Country-Verrückten mit Herzblut gehört auch der Wolziger Guido Hänschke, der als Technikchef von Beginn an für das Fest alljährlich vier bis fünf Kilometer Kabel verlegt. Auch jetzt trifft er auf der großen Bühne letzte Vorbereitungen, ehe die nächste Modenschau mit attraktiven Models samt Petticoat und Co. startet.

Outfit im Südstaatenlook

Währenddessen hält Sabine Christoph von der Traumfänger Diskothek die insgesamt etwa 2000 Gäste bei Laune, von denen nicht wenige inzwischen als Laien die Bühne für einen Line Dance erobern. „Die Atmosphäre ist immer toll“, lobt sie. Über den Platz schallt John Denver mit „Rocky Mountain High“. Da muss Besucherin Ingrid Wienicke mit ihrem hellblauen Kleid im Südstaatenlook einfach mit auf die Bühne. „Ich bin seit zwölf Jahren beim Line Dance dabei. Für Bewegung und die grauen Zellen ist dies ideal“, schwärmt die 65-Jährige, während sie sich gekonnt dreht. Die Kleider besorgt sie sich dank Internet direkt aus den USA. Einen Spaß, den sie sich schon mal 200 oder 300 Euro kosten lässt. Jetzt allerdings müssen die Laien zugunsten der tschechischen Tänzerinnen und Tänzer der Prager Gruppe „Caramelka“ die Bühne räumen. Im Jahr 2000 aus einer Country-Tanzgruppe begabter Grundschüler entstanden, bezaubert die Profi-Truppe mit mehr als 30 Tanzchoreographien. „Die Shows und die Bands stimmen hier immer“, sagt Trucker Sascha Huhn anerkennend.

Aus dem über 60 Meter hohen Aussichtskorb des Krans konnten die vielen Trucks erst so richtig bewundert werden

Aus dem über 60 Meter hohen Aussichtskorb des Krans konnten die vielen Trucks erst so richtig bewundert werden.

Quelle: F. Mohr

Der Luckauer Volker Pahlow bekommt davon in „seinem“ Indianerdorf, das zahlreiche Angebote für Kinder bereithält, allerdings wenig mit. Geduldig erklärt er den Mädchen und Jungen die Tipis und lädt zum Ponyreiten, Fassschaukeln und Bisonmelken ein. Der siebenjährige Pedro versucht sich bei der Goldwäsche, während sein Vater Kevin Masgen lieber von Kranfahrer Lothar Borchardt über 60 Meter in die Lüfte gehoben wird. Der Fürstenwalder will all die chromblitzenden Trucks bewundern. Und ihre Fahrer sind nach Angaben des seit 30 Jahren quer durch Europa rollenden Dirk Lehmann ohnehin eine Truppe für sich. „Wer das als Arbeit betrachtet, darf es nicht machen“, sagt er lachend und schwingt sich gekonnt in sein Zuhause – das Fahrerhaus.

Von Franziska Mohr

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