Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Tourensegler Blau-Weiß holen Wanderpokale

Zeuthener Woche Tourensegler Blau-Weiß holen Wanderpokale

Da bei der traditionellen Zeuthener Woche der Wind fehlte, mussten von vier geplanten Wettfahrten drei gestrichen werden. So blieb Zeit fürs Seemannsgarn, zum Fachsimpeln und für Rückblicke auf die Segelsport-Historie. Auch Fontane schipperte einst über den Zeuthener See.

Voriger Artikel
Eichwalder Cheerleader kämpfen um Europatitel
Nächster Artikel
Für Einsteiger und erprobte Neptun-Jünger

Der rot-weiße Wimpel zeigte an: Startzeit auf unbestimmte Zeit verschoben. Da der Wind fehlte, konnte bei der Zeuthener Woche lediglich eine Wettfahrt ausgetragen werden.

Quelle: Rainer Rosenthal

Zeuthen. Nach einem kräftigen Stoß ins Nebelhorn setzte Wettfahrtleiter Detlef Gührs den rot-weißen Wimpel, und die Segler, die auf dem Gelände des Zeuthener Yachtclubs darauf harrten, zur Zeuthener Woche auftakeln zu können, hatten die betrübliche Gewissheit: Start auf unbestimmte Zeit verschoben. Wieder einmal spielte der Wind auf dem launigen Zeuthener See nicht mit. Von den ursprünglich geplanten vier Wettfahrten mussten dann auch drei gestrichen werden.

Viel Zeit für die verhinderten Kapitäne, Steuerleute und Vorschoter, an Land Seemannsgarn zu spinnen und schon mal die Witze ’rauszukramen, die eigentlich erst die abendliche Hafenparty bereichern sollten. Das Imbissangebot fand besonders regen Zuspruch, und zwischen Käsebrötchen und Käsekuchen wurde auch ein bisschen im Mitteilungsblatt der Reviervorstände Dahme und Müggelsee geblättert. Das Heftchen erinnert daran, dass dank Theodor Fontane noch etwas vom Berliner Regattageschehen vor 150 Jahren überliefert sei. Der wandernde märkische Dichterfürst hatte ein Faible für Historie, Natur und nicht zuletzt für die Gefilde am Ufer der Wendischen Spree, die längst schon als Dahme in den Karten verzeichnet ist. Hankels Ablage, die schon ganz am Anfang der Zeuthener Ortsgeschichte auftauchte, setzte Fontane ein literarisches Denkmal. Schlüsselszenen seines Romans Irrungen und Wirrungen spielen in der Restauration Hankels Ablage, damals auch bekannt als Seglerschloss.

1874 unternahm der Dichter an Bord der Sphinx einen dreitätigen Törn, der von der Cöpenicker Schlossinsel nach Teupitz führte. Bei dieser Gelegenheit notierte er, was sein Gastgeber Karl Eggers, den Fontane aus der Berliner Literaturvereinigung kannte, über den Berliner Segler-Verein und das Reviergeschehen so berichten konnte. Der Verein hatte 1868 einen tragischen Unglücksfall zu beklagen. Sein Vorsitzender fand auf dem Müggelsee den Seemannstod. Für das Preissegeln, zu dem sich Yachten mit so vielversprechenden Namen wie Albatros, Sturmvogel, Libelle oder Undine einfanden, wurden fortan der Lange See und der Seddinsee bevorzugt. Besonders schien es Fontane die Perfektion des Schiedsgerichts angetan zu haben, das akkurat umrechnete, welchen Bonus die Boote entsprechend ihrer Größe zu bekommen hätten. Dabei wurde selbst vor Viertelsekunden nicht zurückgeschreckt.

Nicht weit hinter Schmöckwitz soll Fontane das Gefühl beschlichen haben, sich ins große Abenteuer zu stürzen. Mochte die Wendische Spree vor 141 Jahren auch mit wesentlich mehr Tücken gedroht haben als die heuer gut regulierte Dahme, so war an Bord der Sphinx doch für eine gepflegte Herren-Partie vorgesorgt. Unter den Bodenbrettern des 9,3 m langen Schwertbootes befand sich ein Vorratsraum, in dem u.a. 120 Flaschen Tafelbier, zwölf Flaschen Champagner, drei Filetstücke Rindfleisch und ein Baumkuchen auf Eis lagen.

Bei so viel Abenteuer und lukullischer Herausforderung bekam auch manch Freizeitkapitän am Zeuthener See große Augen. Überlegungen, wie viel Schampus wohl unter die Bodenbretter eines Seggelings passen würde, hatten sich für diesmal allerdings schnell erledigt. Nach knapp drei Stunden war das Regattageschehen abgehakt, die einzige Wettfahrt, die der Wind noch zuließ, beendet, und bei der Langstrecken-Entscheidung auch das letzte Boot im Ziel. Die Gäste von den Berliner Tourenseglern Blau-Weiß freuten sich über drei Klassensiege sowie über die Wanderpokale für die Mannschaftswertung und die Reviermeisterschaft. Die Gastgeber vom Zeuthener Yachtclub trösteten sich damit, dass die Wanderpreise, bevor man sich endgültig von ihnen trennen würde, dreimal hintereinander oder fünfmal mit Unterbrechung gewonnen werden müssten. Und im nächsten Jahr könnte es schon wieder ganz anders aussehen, hoffentlich mit mehr Wind und weniger Muße, in Erinnerungen an den Vorratsbunker der Sphinx zu schwelgen.

Von Rainer Rosenthal

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald
MAZ Sportbuzzer
Lindow-Gransee feiert Meisterschaft

Der größte Vereinserfolg der Volleyballer des SV Lindow-Gransee perfekt. Mitte April 2015 konnten sie die Meisterschaft in der 2. Volleyball-Bundesliga fiern.