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Blütenkunst und selbst bemalte Teller fürs Porzellankabinett

Veranstaltungen des Oranienburger Schlosses im Festjahr 2016 Blütenkunst und selbst bemalte Teller fürs Porzellankabinett

Oranienburg feiert in diesem Jahr seinen 800. Geburtstag. Das Schloss bringt sich mit vielen Ideen ein, unter anderem wird eine Museumswerkstatt eröffnet und die Oranienburger sind in der Aktion „Bemale Deinen Teller“ aufgefordert, die Porzellankammer für eine Ausstellung zu bestücken.

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Berit Gloede in der Silberkammer des Schlosses. Dort wird auch der Goldbecher ab September gezeigt.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Berit Gloede ist Oranienburgs „Schlossherrin“ in „Diensten“ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Und sie hat sich zusammen mit ihren Kollegen im Jahr der 800-Jahr-Feier von Oranienburg natürlich auch etwas Besonderes einfallen lassen.

MAZ: Durch die wechselvolle Geschichte des Oranienburger Schlosses ist bekanntermaßen wenig an Originalbestand aus den Zeiten des Großen Kurfürsten erhalten. Welche Exponate gibt es von damals noch zu bewundern?

Berit Gloede: Zum Beispiel das Gemälde „Dame mit der Orange“ des niederländischen Künstlers Pieter Hermanß Verelst, datiert aus dem Jahr 1653. Das gehörte zum Originalbestand zu Zeiten Friedrich I. Es zeigt vermutliche eine Prinzessin aus dem Hause von Oranien-Nassau. Das ist aber nicht verbürgt.

Was ist heute bekannt über die Einrichtung des Schlosses in der Zeit, in der es Louise Henriette bewohnte?

Gloede: Es gibt die Inventarlisten aus dem Jahr 1699 und später von 1743. Wir wissen zum Beispiel, dass sie in einem heute nicht mehr existenten Pavillon ihr Porzellankabinett eingerichtet und aufgebaut hat. Es war das erste überhaupt in Deutschland. Eine wirkliche Kostbarkeit, denn in Europa konnte damals ja noch gar kein Porzellan hergestellt werden! Es existieren zudem zahlreiche Korrespondenzen mit Otto von Schwerin, der in Abwesenheit der Kurfürstin, die Arbeiten am Schloss begleitet hat.

Wie viele Besucher kommen jedes Jahr, um sich das Schloss anzusehen?

Goede: 2015 waren es reichlich 20 000.

Und was hat sich nun die Stiftung zum Stadtgeburtstag einfallen lassen?

Gloede: Die Planungen laufen schon lange. Anfangs gab es die Idee, eine Ausstellung einer niederländischen Künstlerin im Schloss zu realisieren. Aber ich wollte gern Dinge anschieben, die längerfristig wirken, die die Oranienburger einbeziehen und sie vor allem auch wieder mehr ins Schloss locken. Auftakt zum Jubiläumsjahr ist für uns das Orangefest am 24. April 2016. Dafür hat auch die Stiftung in diesem Jahr mehr Geld in die Hand genommen. Zum Orangefest wird eine Museumswerkstatt eröffnet. Die Stadt hat uns dafür den sehr schönen, ovalen Gartensaal des Amtshauptmannshauses in der Breiten Straße 1 zur Verfügung gestellt. Künstler wie die Keramikerin Verena Siol aus Oranienburg, der Metallkünstler Olaf Hannemann aus Eden, Birgit Zehlicke, die im Oranienwerk an historischen Webstühlen arbeitet, oder die Malerin Cornelia Schlemmer bieten jeweils einmal im Monat in einer Sonntagswerkstatt Kurse an. Zunächst werden den Besuchern im Schloss alte Handwerkstraditionen wie das Gobelinweben oder die Tradition der Herstellung von Porzellan vorgestellt und nahe gebracht, dann kann sich in der Werkstatt jeder selbst betätigen und etwas mit nach Hause nehmen. Außerdem ist Geer Pouls, ein niederländischer Künstler, der in Berlin lebt, beim Orangefest zu Gast. Er wird aus Blumen wie Tulpen und Amaryllis Blüten-Kunstwerke in drei Räumen des Schlosses gestalten, im Orangesaal, in der Roten Schlafkammer und im Porzellankabinett.

Das gehört mit seinem sehr gut erhaltenen Deckengemälden ja zu den Attraktionen im Schloss. Leider sind nicht viele Porzellane erhalten?

Gloede: Die Stiftung will gerade ab 2016 den Fokus wieder stärker auf die Porzellankammer richten. Es ist ein sehr langfristiges Ziel, die Raumarchitektur zu rekonstruieren. Einst standen hier auf Gesimsen, auf kleinen Konsölchen der Säulen und auf Pilastern rund 5000 Stücke feinsten chinesischen Porzellans. Geblieben sind zwei Etageren voller Porzellanen. In einem ersten Schritt wollen wir bei der Aktion „Bemale Deinen Teller“ die Oranienburger auffordern, in der Museumswerkstatt einen Teller in Blauweiß zu bemalen. Die schönsten werden im Porzellankabinett im Jubiläumsjahr 2016 ausgestellt. Die Aktion startet mit der Werkstatteröffnung. Außerdem haben wir zusammen mit der Dresdner Firma Arte4D eine virtuelle Rekonstruktion des Saales in Auftrag gegeben. Alles, was an Daten und Bildern vorhanden ist, von den sieben vergoldeten Etageren, den Porzellanen und der wunderbar erhaltenen Decken fließen ein. Die Präsentation des virtuell wiederentstehenden Kabinetts wird am 3. Juli vorgestellt.

Erwarten Sie anlässlich der 800-Jahr-Feier auch neue, bisher nicht gezeigte Exponate im Schloss?

Gloede: Ja, ein ganz besonderer kleiner Becher aus reinem Gold. Angefertigt hatte Georg Friedrich Hempel, Sohn von Apotheker Hempel, der im Schloss eine Textilmanufaktur eingerichtet hatte, zwei Stück. Georg Friedrich Hempel baute anschließend eine chemische Produktenfabrik auf, in der neben pharmazeutischen Artikeln vor allem Schwefelsäure hergestellt wurde. Bei seinen Experimenten gelang es ihm mittels Schwefelsäure aus Münzen mit einer Kupfer-Silber-Gold-Legierung das Gold herauszulösen. Es waren so genannte Scheidemünzen, aus dem Verkehr gezogene Geldstücke. Aus 5000 solcher preußischen Reichstaler separierte er das Gold und goss es zu zwei kunstvoll verarbeiteten Bechern, die er Friedrich Wilhelm III. widmete. Und die er nachweislich in Oranienburg hergestellt hat. Einer davon tauchte jüngst auf dem Kunstmarkt auf und die Stiftung erwarb den Becher. Er trägt die Inschrift „Dem gütigen Landesvater der dankbare Chemiker“ und er ist ab 4. September im Oranienburger Schloss zu sehen.

Sind im Jubiläumsjahr besondere Öffnungszeiten im Schloss geplant?

Gloede: Nein, sie bleiben unverändert.

Gibt es weiter die beliebten Kinderführungen?

Gloede: Im ersten Quartal haben wir drei der traditionellen Zeitreisen für Kinder „Vom Kurprinzen zum König“ im Angebot, bei denen sie zum Beispiel erfahren, wie es einst am Hof zuging, wie die Kinder dort aufwuchsen, was sie lernen mussten an Verhaltensregeln und Sprachen. Die Erziehung war damals ziemlich streng. Sie finden am Sonntag, 24. Januar, ab 15 Uhr, am 21. Februar und am 20. März jeweils zu dieser Zeit statt. Neu ist ein Familienprogrammflyer, der immer für ein halbes Jahr gültig ist. Es gibt ihn im Schloss in Papierform und als Faltblatt und zum Herunterladen unter www.spsg.de .

 

Von Heike Bergt

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