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Die Frau mit den helfenden Händen

Oranienburger Handball-Club Die Frau mit den helfenden Händen

Seit fünf Jahren ist Aileen Kruschinsky Physiotherapeutin bei den Drittliga-Handballern des Oranienburger HC. Sie hilft wenn es in der Wade oder im Oberschenkel klemmt. Dafür hat sie viele Weiterbildungen besucht. Auch künftig will sie in ihrem Tätigkeitsbereich neue Wege beschreiten.

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Aileen Kruschinsky knetet die Hände der OHC-Handballer.

Quelle: Roeske Roeske

Oranienburg. Wenn schon, denn schon! Als sie 2008 ihren Sportphysiotherapeuten-Schein machte, wollte sie ihn nicht nur in der Tasche haben, sondern damit auch etwas anfangen. So begab sich Aileen Kruschinsky auf die Suche nach einer „Nebenbei-Betätigung“ – und lief OHC-Legende Riccardo Tourmo über den Weg. Er vermittelte. Das war 2009. Und schon war sie drin beim Oranienburger Handball-Club. Erst bei der ersten Frauen-Mannschaft, dann mal aushilfsweise beim Drittligateam. Bis der frühere OHC-Coach Jens Deffke sie gänzlich zum Aushängeschild des Vereins holte. Mittlerweile ist die Physiotherapeutin in ihrer fünften Saison.

„Es ist nicht so, dass ich nur wegen der Betreuung dabei bin. Ich verfolge die Spiele und leide mit den Jungs, wenn es enge Spielausgänge gibt, wir gewinnen oder verlieren“, sagt die 31-Jährige. Zweimal in der Woche begleitet sie die Trainingseinheiten der Mannschaft in der MBS-Arena, dienstags und donnerstags. „Da greife ich vorm Training mitunter präventiv ein, lockere die Muskeln.“ Auch nach der Einheit ist sie eine gefragte Frau, die die Zipperlein behandeln soll. Sie kennt ihre Pappenheimer bestens. „Robert Stelzig ist Kandidat Nummer 1“, sagt sie über den Kreisläufer, der (gefühlt) am häufigsten behandelt wird. Der Mann mit der Nummer 5 hält Aileen Kruschinsky für die gute Seele der Mannschaft: „Sie kümmert sich um viele Kleinigkeiten um die Mannschaft herum“, sagt er. Für die Spieler nehme sie sich die Zeit, die sie brauchen. „Manchmal behandelt sie uns noch um 22.30 Uhr.“ Und das Wichtigste: „Sie bekommt uns immer wieder fit. Ich hoffe, sie bleibt noch lange. Wenigstens so lange, wie ich hier spiele.“

Kapitän Robin Manderscheid musste im vergangenen Jahr wegen Problemen in der Schulter ihre Dienste öfter in Anspruch nehmen. Oder Torjäger Dominic Kehl mit seinen Oberschenkel- und Achillessehnensorgen. „Es gibt aber auch Spieler, die kommen selten an: Linus Dömeland oder Janis Bohle zum Beispiel.“ Im Training alle Spieler zu behandeln, gehe sowieso nicht. Dafür sei die Zeit zu kurz. Und trotzdem ist sie nach dem Training oft erst gegen 22.30 Uhr zu Hause. In Berlin.

Die Hauptstadt und die Region war und ist auch ihr beruflicher Mittelpunkt. „Ich habe immer in einer Praxis gearbeitet; fast durchweg in Berlin, einmal in Hohen Neuendorf.“ Einen Ausreißer hatte sie in ihrer Physiotherapeuten-Laufbahn: „Ich wollte immer mal auf ein Schiff.“ Und dann kam so eine Chance für einen Sechs-Monats-Trip. Die nutzte sie – und hatte Glück, was die Tour anging: Hamburg, Norwegen, Island, England, Mittelmeer. Doch hier hatte sie nach vier Monaten den Kanal voll. Zwei Personen ununterbrochen auf sechs Quadratmetern untergebracht. „Das war zu eng. Ich wollte runter vom Schiff, kündigte aber einen Tag zu spät. So fuhr ich noch bis in die Karibik und flog von dort wieder nach Hause.“

Jetzt arbeitet sie wieder in einer Praxis. Sie trägt sich allerdings schon länger mit dem Gedanken, eine eigene Praxis zu eröffnen. Da ist sie am Ball. Mit einem Fuß steht Aileen Kruschinsky aber schon in der Selbstständigkeit. Sie ist die Erste in der Region Berlin-Brandenburg, die ein aus Amerika kommendes Ganz-Körper-Trainingsprogramm mit Ernährungscoaching anbietet. „Slim & Strong“ heißt es und dauert vier Wochen. „Wenn man so will, bin ich dann Personaltrainer.“ Vier Wochen lang bringt sie ihre Kunden „auf den rechten Weg“ (dreimal eine Stunde in der Woche), dann sollen sie allein „laufen“. Mit Vorher-nachher-Fotos sollen die Erfolge festgehalten werden. Anfang Juni war sie eigens dafür in New York zu einer Schulung.

Nach der Sommerpause hat sie der Handballalltag wieder eingeholt. Zweimal düst sie in der Woche nach Oranienburg, am Wochenende zum Spiel. Wenn alle 14 Tage Auswärtsspiele anstehen, ist in der Regel der ganze Sonnabend weg. Mit ihrem Freund ist das abgesprochen. Er akzeptiert das, braucht für sein Studium auch Auszeiten. Die Spieler freut’s. Nicht nur, weil sie eine geschätzte Physiotherapeutin an Bord haben, sondern weil sie zu jeder Auswärtsfahrt einen selbst gebackenen Kuchen mitbringt.

Von Stefan Blumberg

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