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Ständig das Handy am Ohr

Sandor Szanyi vermittelt Handballer aus Osteuropa Ständig das Handy am Ohr

Er vertritt eine seltene Spezies: den Spielervermittler. Sandor Szanyi arbeitet sich seit vier Jahren in die Materie ein und hat Fuß gefasst. Er lotst besondere ungarische Handballer nach Deutschland, aber auch in die Schweiz oder nach Luxemburg.
 

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Sandor Szanyi ist Spielervermittler.

Quelle: Stefan Blumberg

Hennigsdorf. MAZ : Sie waren einst selbst Handballer und sind schon lange als Trainer im Geschäft. Ist das die Grundlage, um Spieler zu vermitteln?
  Sandor Szanyi : Zumindest in meiner Zeit als Trainer wurde ich oft gefragt, ob ich Kontakte zu Spielern hätte, auch im Ausland. Sicherlich deshalb, weil ich auch ungarische Wurzeln habe. Mit meinem Freund Gábor Kolbe reifte irgendwann die Idee, dass wir uns der Sache widmen. Übrigens würde ich den Begriff Spielervermittler gern um Berater und Freund erweitern.
 
 Sie haben ein Unternehmen?
  Szanyi : Wir haben eine Firma gegründet, die Victory Manager Office – Agentur Deutschland. Wir betreiben eine lizensierte Spielervermittlung.
 
 Was heißt das?
  Szanyi : Wir sind beim Internationalen Handballverband in Basel gemeldet, mussten eine Gebühr bezahlen. Damit sind wir berechtigt, Spielerinnen und Spieler bis zur 3. Liga an Vereine zu vermitteln. Sollten wir Profihandballer bei Bundesligisten unterkriegen, dürfen wir selbst nicht tätig werden. Deshalb arbeiten wir mit einem Anwalt aus Halle/Saale und mit einem aus Bad Salzuflen zusammen. Die würden in solchen Fällen das Geschäftliche übernehmen.
 
 Sie sind jetzt seit vier Jahren am Ball. Wie läuft es denn?
  Szanyi : Ich würde sagen, gut. Das Hauptaugenmerk legen wir auf ungarische Spieler. Aber in unserer Datenbank sind auch Kroaten und Rumänen. Etwa 500 bis 600 Namen sind bei uns registriert. Die kommen in der Regel aus der ersten, zweiten oder dritten Liga ihres Landes.
 
 Wie haben Sie diese Datenbank gefüttert, wie kommen Sie an die Namen und Informationen?
  Szanyi : Zum einen sprechen wir die Spieler selbst an, ob sie die Absicht haben, mal ins Ausland wechseln zu wollen. Dann haben wir natürlich auch Leute direkt vor Ort, die im Bilde sind. Aber Spieler wenden sich auch an uns, wenn sie im Ausland spielen wollen.
 

Zur Person

  • Geboren 1971 in Leipzig
  •  Handball spielte er in der 2. ungarischen Liga (Szigetszentmiklósi KC), bis zum doppelten Kreuzbandriss 1997 (Mitte, Linksaußen).
  •  Trainer beim ungarischen Verein Dunekeszi KK (3. Liga Frauen)
  •  1999 bis 2004 war er Vorsitzender und Mitbegründer des ungarischen Fußballvereins Debrecen SE (Bezirksliga). Hervor ging der Verein aus Fans des Erste-Liga-Vereins Debreceni VSC.
  •  2004 zurück in Deutschland
  •  2008 Fachtrainerschein in Ungarn abgelegt
  •  2006 bis 2008 Trainer bei TMBW Berlin (unter anderem Berliner Meister A-Jugend w)
  •  2008 bis 2010 für zwei Jahre Frauentrainer bei Motor Hennigsdorf (Aufstieg in Brandenburgliga und Platz 7 in der Brandenburgliga)
  •  2010 bis 2011 Jungenwart und A-Jugendtrainer (m) beim Oranienburger HC
  •  2012 Trainer des Berliner Verbandsligisten SG Hermsdorf/Waidmannslust (Männer)
  •  2013 Trainer der A-Jugend m des VfL Tegel (derzeit Spitzenreiter der Verbandsliga Berlin)
  • Sandor Szanyi lebt mit Freundin und ihren zwei Kindern in Hennigsdorf

 Wie hoch ist die Vermittlungsquote?
  Szanyi : Ich schätze, dass etwa aus 80 bis 90 Prozent der Anfragen kein Wechsel zustande kommt. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Spieler bestimmte Vorstellungen haben, wenn sie ihre Heimat verlassen. Die decken sich natürlich nicht immer mit den Gegebenheiten beim möglichen neuen Verein. Wir möchten den Spielern möglichst ein Gesamtpaket bieten. Dazu gehört ein Verein, die Unterkunft, Arbeit, Finanzierung in der neuen Umgebung. Da müssen die Vereine mitziehen.
 
 Tun sie das?
  Szanyi : Im Normalfall schon. Die Spieler müssen hier natürlich angemessene Bedingungen haben. Es kann nicht sein, dass sie in einer Lehmhütte untergebracht werden. Es gab schon Fälle, in denen Versprechen nicht eingehalten wurden.
 
 Wie viele Spieler haben Sie bereits vermittelt?
  Szanyi : Am Anfang lief es schleppend. Wir mussten erst einmal werben, insbesondere im Internet. Bis jetzt haben wir etwa 20 Spielerinnen und Spieler in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg untergebracht. Die ersten beiden Frauen heuerten bei der TG Konz in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saarland an. Sie kamen aus der zweiten ungarischen Liga. Die nächsten gingen auch in die Oberliga, zu den Handballfreunden Merzig/Brotdorf, zwei Frauen zur SG Osterode/Harz in die 3. Liga Ost . Im Sommer haben wir auch einen Fußballer – Miklós Tökés – zu TuS Sachsenhausen vermitteln können.
 
 Wie läuft so ein Wechsel ab? Kauft ein Verein da nicht die Katze im Sack?
  Szanyi : Wenn die Rahmenbedingungen für den Spieler und den Verein stimmen, kommt es zum Probetraining. Ein noch relativ aktuelles Beispiel ist der Transfer von Marco Curcic zum MTV Altlandsberg in der 3. Liga Nord. Die Anfrage kam im Mai, im Juni erschien er zum Probetraining, Ende Juli traf er endgültig in Altlandsberg ein. Er ist übrigens der erste Kroate, den wir vermittelt haben. Es gab auch schon einen Fall im sächsischen Hermsdorf, wo ein Spieler nach dem bestandenem Probetraining das Angebot nicht annahm oder ein Spieler bei einem Oberligisten nach dem ersten Probetraining wieder abreisen durfte, weil die Qualität nicht ausreichte. Bei anderen scheitert ein Wechsel an der fehlenden Sprachkenntnis.
 
 Wie verständigen Sie sich mit den ungarischen Spielern?
  Szanyi : Ich bin zweisprachig aufgewachsen, ich spreche Deutsch und Ungarisch, außerdem Englisch. Ich bin in Leipzig geboren, lebte aber 13 Jahre in Ungarn bei meinem Vater. Dort spielte ich auch bis 1997 in der 2. Liga Handball, beim Szigetszentmiklósi KC.
 
 In welchen Regionen bringen Sie die Spielerinnen und Spieler unter – mehr im Osten oder mehr im Westen?
  Szanyi : Ich denke, das Verhältnis ist 80:20 für den Westen.
 
 Welche Gründe geben die Spieler für den Wechsel nach Deutschland an?
  Szanyi : Die einen wollen sich sportlich weiterentwickeln, die anderen sehen einen finanziellen Anreiz. Denen muss aber klar sein, dass sie hier arbeiten müssen. Manche denken, in Deutschland ist alles Gold, was glänzt. Dem ist ja nicht so. Mit denen muss man Klartext reden. Wir wollten drei Spieler zum TuS Derschlag vermitteln. Zwei blieben, sie arbeiten auf dem Bau, der andere ging zurück nach Hause.
 
 Was springt für Sie bei den Vermittlungen heraus?
  Szanyi : Es bleibt ein bisschen übrig, aber leben kann man davon eigentlich nicht. Ich arbeite sonst als Detektiv im Sicherheitsbereich.
 
 Woran verdienen Sie?
  Szanyi : Zum einen muss der Verein eine Gebühr bezahlen. Andererseits ist es üblich, dass die Spieler – wenn sie für die Dauer der Verträge weiter betreut werden wollen – eine kleine monatliche Abgabe zahlen. Aber das ist alles individuell vereinbar. Wir sind keine Unmenschen. Für uns ist dieses Geld ein kleines Zubrot. Ich sehe es als Dienstleistung für wenig Geld an. Wenn man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten will, müsste man die Sache größer aufziehen. Worüber wir nachdenken, ist, ob wir künftig nicht auch Facharbeiter vermitteln werden.

Interview: Stefan Blumberg und Jil Höpfner

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