Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Zweitliga-Volleyballer helfen Flüchtlingen

Integration Zweitliga-Volleyballer helfen Flüchtlingen

In der Granseer Dreifelderhalle – dort, wo sonst die Volleyballer des SV Lindow-Gransee in der 2. Bundesliga aufschlagen – treffen sich seit gut einem Jahr auch Flüchtlinge aus der Stadt, um am Netz für ein paar Stunden den Alltag zu vergessen. Von den Zweitliga-Spielern Martin Pomerenke und Wito Krüger bekamen sie nun eine besondere Trainingseinheit.

Gransee 53.0047002 13.1559502
Google Map of 53.0047002,13.1559502
Gransee Mehr Infos
Nächster Artikel
Darius Krai verlässt Oranienburg

Zweitliga-Libero Martin Pomerenke (links) übte mit den Granseer Flüchtlingen Aufschläge, Annahmen und Angriffe am Netz.

Quelle: Christoph Brandhorst

Gransee. Mesut spielt den Ball ans Netz, vom Zuspieler bekommt er ihn zurück. Ein Sprung, ein Schlag – der Ball fliegt übers Netz und landet genau auf der Matte in der anderen Spielfeldhälfte. „Bravo“, ruft Martin Pomerenke und klatscht ab. Seit etwa einem Jahr gehört Mesut zu einer Gruppe von Flüchtlingen, die sich in Gransee regelmäßig zum Volleyballspielen trifft. Pomerenke, Libero der Zweitliga-Volleyballer des SV Lindow-Gransee, und sein Teamkollege Wito Krüger absolvieren mit den Neu-Granseern an diesem Donnerstag eine besondere Trainingseinheit.

Auch Holger Ribbentrop ist an diesem Nachmittag in der Dreifelderhalle. Vom Rand beobachtet er das Geschehen. „Sie sind sehr lernfähig, da fallen kaum Bälle runter“, sagt er. Mesut war einer der ersten, die sich den Übungseinheiten der Kreisklasse-Volleyballer des VSV Gransee anschlossen. Doch es kamen immer mehr, plötzlich sei die Halle voll gewesen. „Wir wussten, so funktioniert es nicht, wir mussten uns etwas anderes überlegen“, erinnert sich Ribbentrop. Gemeinsam mit Angela Sturzebecher, die selbst beim VSV spielt, hatte er die Idee zur Flüchtlings-Trainingsgruppe. Auch der ehemalige Granseer Mittelblocker Marc Lau unterstützte lange die Integrationsarbeit.

„Einige bringen Talent mit“, sagt Sturzebecher. Die Volleyball-Interessierten kommen aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan. Es sind vor allem junge Männer, aber auch ein paar Mädchen und Frauen. „Sie haben schon viel dazugelernt.“ Für die Flüchtlinge sei der Sport auch ein Weg, mal Dampf abzulassen, weiß Holger Ribbentrop. „Sie können vom Alltag mal abschalten.“ Die ehrenamtliche Arbeit macht er gerne. „Ich bekomme dafür kein Geld, aber durch ihre Freude an der Sache geben sie einem doch auch etwas zurück.“ Von Fördergeldern des Landkreises konnte der Verein für die neuen Mitspieler sogar einen Satz neuer Volleybälle anschaffen.

Auf der Platte lassen Martin Pomerenke und Wito Krüger nun Aufschläge üben. Mesuts scharfer Ball trumpft auf der Matte auf, die wieder als Zielmarkierung dient. „Sehr gut“, ruft Außenangreifer Krüger auf die gegenüberliegende Seite. Ribbentrop kommentiert lachend: „Mesut ist gut, nur etwas zu klein. Wir haben ihn jetzt auf die Zuspielerposition gestellt.“

Lange musste der Granseer den Libero der Zweitliga-Mannschaft nicht überreden, als er ihm vorschlug, den Flüchtlingen beim Training mal eine professionelle Anleitung zu geben. „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir helfen“, sagt Pomerenke. Dem waren die neuen Gesichter schon bei den Bundesliga-Heimspielen in der Dreifelderhalle aufgefallen. „Das hat mich interessiert.“ Die Arbeit mit den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, findet er wichtig. „Jeder tut gut daran, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen – mehr als nur Nachrichten lesen und die ständig neuen Flüchtlingszahlen.“ Er selbst schlägt sich an diesem Abend mit einem Mix aus Deutsch und Englisch durch. „Aber die Sprache ist egal, auch die Hautfarbe ist egal. Sport verbindet einfach.“

Von Christoph Brandhorst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel
MAZ Sportbuzzer
Lindow-Gransee feiert Meisterschaft

Der größte Vereinserfolg der Volleyballer des SV Lindow-Gransee perfekt. Mitte April 2015 konnten sie die Meisterschaft in der 2. Volleyball-Bundesliga fiern.