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Ein neuer Tennis-Tempel in der Waldstadt

Sport in Potsdam Ein neuer Tennis-Tempel in der Waldstadt

Der Potsdamer Tennisclubs Rot-Weiss hat eine neue Anlage. Ein „Tennis-Tempel“, wie ein Vereinsmitglied meint. Und Recht hat er. Die neue Anlage ist ein echtes Schmuckstück – mit einem Vereinslokal auch für Nicht-Tennisspieler.

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Die neue Anlage des Tennisclubs Rot-Weiss in der Waldstadt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Waldstadt. Potsdam ist um ein sportliches Vorzeigeobjekt reicher. Der Zufahrtsweg zur Anlage des Potsdamer Tennisclubs Rot-Weiss (PTC) bleibt vorläufig noch provisorisch. Aber dahinter beginnt das Schmuckstück auf dem ehemaligen Gelände des Plattenwerkes, einen Steinwurf vom Bahnhof Rehbrücke entfernt. Die zehn Plätze aus rotem Ziegelmehl sehen wie gemalt aus. Der Rasen sprießt und auch das Grün an Hecken und Bäumen.

Markant schließen sich die Tennishalle, das Funktionsgebäude und das Vereinslokal „Alberti“ mit einer großzügigen Terrasse an. Eröffnet wird das Domizil für 450 Mitglieder am 22. April um 14 Uhr.

Sogar die älteren Semester des Vereins kommen aus dem Staunen nicht raus. „Super, die Anlage hat uns alle überzeugt“, sagt der ehemalige Fußballer Manfred Petrzika (69). Er greift seit 20 Jahren zum Racket und schlägt fast täglich auf. „Da kriege ich ja Angst, keinen Platz mehr zu bekommen.“ Horst Stahlberg ruft sogar das neue Mekka aus. „Die Plätze sind hervorragend angelegt, die Halle ist ein Tennis-Tempel“, meint die Potsdamer Tennis-Ikone. „Jetzt bin ich nicht mehr wehmütig.” Die drei Plätze der Halle sind mit einem gelenkschonenden blauen Teppichboden versehen. Die beiden verglasten Giebel lassen viel Tageslicht rein.

Petrzika und Stahlberg gehörten lange Zeit zu den 80 Prozent der Mitglieder, die als erbitterte Gegner des Umzugs von der alten Anlage hinter der Sporthalle in der Heinrich-Mann-Allee auftraten. Baubeginn an der neuen Adresse war im Februar 2016. In sieben Monaten wurde alles aus dem Boden gestampft.

Damit war ein Schlagabtausch zwischen der Stadt und dem Tennisverein zu Ende gegangen, der fast zweieinhalb Jahrzehnte währte. Stahlberg gehörte 1956 zu den Erbauern des alten Kleinods, das als schönste Anlage in Brandenburg galt. Er konnte sich eigentlich nie vorstellen, von hier zu weichen. Jahrelang wurden heiße Debatten geführt, böse Briefe an den Oberbürgermeister geschrieben. Mehrere Vorsitzende des PTC schmissen hin.

Die Querelen begannen bald nach der Wende. Die Stadt hatte ein begehrliches Auge auf die Anlage geworfen zwecks lukrativer Errichtung von Stadtvillen. Nichtsdestotrotz bestand der Verein auf Erhalt und handelte einen Erbpachtvertrag über 99 Jahre aus. Pustekuchen. Der Oberbürgermeister kippte 2007 das unterschriftsreife Schriftstück.

Inzwischen war mit Heinz-Hermann Schulte-Loh ein neues Gesicht bei Rot-Weiss aufgetaucht. Der Diplom-Bauingenieur hatte als Geschäftsführer eines internationalen Baukonzerns in Brüssel viel Erfahrung im Ausland gesammelt. Er blieb in Caputh hängen und übernahm 2009 den Vereinsvorsitz. Es war ein Glücksgriff. Schulte-Loh widerstand allen Anfeindungen. „Ich wurde laut angemacht, mindestens die Hälfte der Mitglieder war gegen mich”, sagt der 64-Jährige, der aus Wesel am Niederrhein stammt. „Es gab eine Cliquenwirtschaft, der Club stagnierte, aber das Potenzial und die notwendige Sanierung reizten mich.” Die Fraktion Die Linke verschaffte ihm sogar Rederecht in der Stadtverordnetenversammlung. Schulte-Loh war nicht länger auf Konfrontation aus. Es reifte die Erkenntnis, dass die Stadt irgendwann am längeren Hebel sitzt. Ein Kompromiss musste her.

2011 boten die Stadtväter eine Fläche in der Wetzlarer Straße an – abgelehnt. Ebenso biss der Verein bei einem von der Kommune ausgelegten Köder, der Überweisung von einer Million Euro, nicht an. Schulte-Loh verschaffte sich allmählich überall Respekt und nötigte auch einstigen Widersachern Zustimmung ab. Der Durchbruch kam 2014. Stadt, Verein und das Bauunternehmen Bögl/Hellwig vereinbarten einen Deal und stellten einen Flächennutzungsplan auf. 26 000 Quadratmeter Fläche erhielten die Racketspezialisten, 3000 mehr als auf der alten Anlage. Laut Landessportgesetz muss der Nutzer bei Umwidmung von Sportflächen in Bauland angemessen entschädigt werden. 2,3 Millionen Euro sollte die Stadt berappen, man einigte sich auf zwei Millionen für zehn Plätze und das Funktionsgebäude. Die 750 000 Euro für die Halle werden vom PTC aufgebracht.

Macher Schulte-Loh atmet auf. Die Nörgler sind verstummt. Er appelliert: „Lasst uns Neid, Häme und Missgunst vergessen. Das neue Zuhause soll eine Wohlfühlanlage sein. Stress soll nur noch auf dem Platz am Netz entstehen.“ Der einstige Skeptiker Stahlberg lächelt: „Schulte-Loh hat sich große Verdienste erworben.” Der topfitte Senior wird das Kommende freudig begleiten. Er verkündet: „Ich gehöre nicht zum alten Eisen, sondern zu den eisernen Alten.”

Von Detlef Braune

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