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Der Erfolgscoach und sein Boot vom Typ Trainer

Kanu, KC Potsdam Der Erfolgscoach und sein Boot vom Typ Trainer

Ralph Welkes Trainer-Karriere ist so lang wie sein Boot alt. Der Erfolgscoach vom KC Potsdam begleitet mit dem aus DDR-Zeiten stammenden Motorboot vom Typ Trainer die Kanuten auf dem Wasser.

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Ralph Welke schippert mit seinem Motorboot Trainer III über den Templiner See.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Einmal den Schalter umgelegt, schon springt der Motor an und Ralph Welke schippert mit seinem roten Renner über den Templiner See. Das Motorboot ist zwar kein Ferrari, aber es tut zuverlässig seinen Dienst, ist inzwischen so alt wie Welkes Trainer-Karriere lang. Der Olympiasieger-Macher von Sebastian Brendel, Jan Vandrey oder Franziska Weber, die am Wochenende bei der ersten nationalen WM-Qualifikation auf dem Beetzsee in Brandenburg/Havel starten, erzählt über seinen fahrbaren Untersatz auf dem Wasser des Templiner Sees: „Diese Boote wurden extra für die Trainer in den Sportklubs und Trainingszentren der DDR hergestellt, die damit Kanuten, Ruderer oder Segler begleiten konnten. Die Boote sind zwar spartanisch eingerichtet, aber absolut zweckmäßig, weil schnell genug und wendig. Vor allem haben sie auch genügend Platz, um mal schnell einen gekenterten Sportler aufzunehmen.“

Mit Stoppuhr und Megafon immer dabei

An diesem Morgen begleitet Welke, der zugleich Bundestrainer für die Canadier ist, unter anderem die Canadierfahrer Stefan Kiraj und Jan Vandrey sowie die Kanutin Conny Waßmuth. Über das Megafon ruft der Coach Korrekturen zu. „In dieser Trainingsphase im Grundlagenbereich kommt es darauf an, mit möglichst wenig Paddelschlägen den bestmöglichen Vortrieb zu erreichen“, erklärt Welke, der mit Hilfe seiner Stoppuhr die Schlagfrequenz kontrolliert, vor allem auf technisch sauberes Fahren achtet. Sind es jetzt etwa 39 Schläge pro Minute, so erreichen die Sportler im Wettkampf 60 Schläge pro Minute.

Seit er 1980 die Trainertätigkeit begann, ist Welke mit dem Boot vertraut. Dieses ist nicht nur für den Trainer, sondern heißt auch so: Typ Trainer. 1983 wurde die 3. Generation dieser unerlässlichen Trainingshilfe im VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau Bad Schandau, Betriebsteil Bootswerft Postelwitz, hergestellt. In der Betriebsanleitung werden die gute Wasserlage und die Schnelligkeit gepriesen. Außerdem: „Das tulpenförmige Vordersteven und das weitausladende Vorderdeck verhindern das Überkommen von Spritzwasser.“ Als Schutz vor Spritzwasser und vor allem Wind ist eine Wartburg-Frontscheibe eingebaut. „Die ist praktisch unkaputtbar“, stellt Welke amüsiert fest. Und die Scheibenwischer? „Das ist auch original Wartburg“, bekräftigt der erfahrene Trainer, der oft zweimal täglich zu den Übungsstunden in das Boot steigt. Die Handgriffe sind reine Routine.

Postelwitzer Flitzer

Einzig die Beleuchtung und die Bestuhlung seien mal erneuert worden sowie der Motor. Ein 20 PS starker Yamaha-Motor bringt das Boot in Fahrt. Für den Notfall liegt auch ein Stechpaddel bereit. „Bisher habe ich es aber immer noch rechtzeitig geschafft, den 25-Liter-Tank aufzufüllen“, meint der Trainer, dessen Boot die Kennzeichnung BRB-V 772 trägt und zum Bestand des Olympiastützpunktes zählt. Eine Firma übernehme die Wartung mit Ölwechsel. Ansonsten sei das aus glasfaserverstärktem Polyester gebaute, 4,55 Meter lange Boot äußerst robust und pflegeleicht.

„Auch kleine Eisschollen räumt es mühelos beiseite“, berichtet Welke, der bei Wind und Wetter mit dem knallroten Untersatz auf dem Wasser unterwegs ist. Bei all zu heftigem Regen gebe es schließlich ein Verdeck zum Drüberziehen. „Wenn man die richtige Kleidung trägt, hält man es bei jedem Wetter aus. Auch Minusgrade können mir nichts anhaben. So lange das Wasser eisfrei ist, sind wir draußen“, sagt der 57-Jährige, der zuletzt mehrfach als Trainer des Jahres in Brandenburg geehrt wurde.

Schon greift er wieder zum Megafon. Die Anweisungen tönen weithin hörbar über den See. Die Sportler sind diese Begleitung gewohnt, möchten die roten Renner nicht missen. Der dreimalige Olympiasieger Brendel sagt: „Das rote Boot kenne ich seit meinen ersten Paddelschlägen in Schwedt.“ Auch dort läuft und läuft und läuft der Postelwitzer Flitzer Typ Trainer.

Alle Asse dabei

Bei der ersten nationalen EM- und WM-Qualifikation auf dem Beetzsee stehen am Samstag zum Beispiel im Canadier-Einer 250 und 2000 Meter auf dem Programm.

Olympiasieger Sebastian Brendel sagt: „Nach Rio habe ich vier Monate pausiert, so lange wie noch nie. Aber für den Kopf war das gut. Ich bin schnell wieder ins Training reingekommen. Auf dem Beetzsee muss ich einen Leistungsnachweis bringen.“

Von Peter Stein

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