Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Potsdamer auf Höhenflug bei WM in London

Friedelinde Petershofen vom SC Potsdam Potsdamer auf Höhenflug bei WM in London

Damit hatte keiner gerechnet. Eigentlich wollte Friedelinde Petershofen die Deutsche Meisterschaft nur als Testlauf für die U23-EM nutzen. Doch dann schaffte sie die WM-Norm, steigerte ihre Bestleistung um 22 Zentimeter. Nun ist die Potsdamerin bei der WM in London dabei.

Voriger Artikel
WM-Starter fühlen sich im Stich gelassen
Nächster Artikel
Einfach genießen

Friedelinde Petershofen darf nach der U23-EM nun bei der WM ein zweites Mal binnen drei Wochen für Deutschland starten.

Quelle: Fotos: imago, Pohl

Potsdam. Als 2012 die Olympischen Sommerspiele in London stattfanden, hat das Friedelinde Petershofen interessiert vor dem Fernseher verfolgt. Besonders die Leichtathletik-Wettkämpfe. „Klar habe ich damals auch davon geschwärmt, dass es ein Traum wäre, mal an solch einem Großereignis teilzunehmen.“ Nun, fünf Jahre später, tritt sie am Freitag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Londoner Olympiastadion an. „Ganz ehrlich, die WM hatte ich zu Saisonbeginn überhaupt nicht auf dem Schirm. Mein Ziel waren die U23-Europameisterschaften in Bydgoszcz“, erzählt die Stabhochspringerin vom SC Potsdam.

Doch bei den Deutschen Meisterschaften vor vier Wochen platzte bei ihr der Knoten, sprang sie sich in einen regelrechten Rausch. Mit 4,35 Meter, 4,45 Meter und schließlich 4,55 Meter erzielte die 21-Jährige drei persönliche Bestleistungen in Folge, steigerte ihren Hausrekord binnen Minuten um 22 Zentimeter. „Es lief einfach super. Ich hatte auch keine Angst vor den nächsten Höhen, sondern immer ein gutes Gefühl.“ Mit den 4,55 Metern erfüllte sie die WM-Norm des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV). „Umso dankbarer bin ich, dass ich vom DLV nominiert worden bin.“

Als Turnerin gute Grundlagen gelegt

Internationales Flair konnte sie bereits Mitte Juli bei der U23-EM schnuppern. Dort belegte die 1,81 Meter große Sportlerin mit Modelstatur, die an der Uni Potsdam Biologie und Sport auf Lehramt studiert, mit 4,30 Metern Platz sieben. „Es waren aufgrund von Windböen schwierige Bedingungen. Aber ich war nicht unzufrieden mit dem Wettkampf und konnte wichtige Erfahrungen sammeln, die mir in London hoffentlich helfen. Auf jeden Fall ist die Vorfreude groß.“ Mutter Brigitte und Vater Eduard Petershofen werden die Tochter wieder begleiten und unterstützen.

„Meine Eltern waren bisher bei allen großen Wettkämpfen dabei. Ohne ihre Unterstützung wäre ich nicht so weit gekommen“, meint Friedelinde Petershofen, die in ihrer Kindheit Turnerin war. Dort wurde sie irgendwann zu groß, streifte bei den Übungen am Stufenbarren mit den Füßen immer den Boden. Doch ihre turnerische Grundausbildung kommt ihr nun beim Stabhochsprung zugute – gerade beim akrobatischen Sprung über die Latte. „Dadurch hole ich auch nach einem nicht so guten Absprung noch was raus, breche die Sprünge nicht so schnell ab“, plaudert die zweifache deutsche U23-Meisterin aus dem Flugalltag.

2015 aus Oldenburg nach Potsdam gewechselt

2015 kam sie aus Oldenburg nach Potsdam in die Trainingsgruppe von Stefan Ritter. Der Coach sagt: „Aufgrund einer Schulterverletzung hatten wir im Winter auf Wettkämpfe verzichtet. Nur beim Springen im Stern-Center wollte sie unbedingt dabei sein. Das ging aus verkürzten Anlauf schief. Danach hat sie sich ein gutes Niveau erarbeitet. Mit stabilen Höhen um 4,30 Meter war eine gute Basis vorhanden. Auch in den Anläufen war die Sicherheit da. Deshalb war ich mir schon sicher, dass da noch ein paar Zentimeter draufkommen. So was wie in Erfurt kann man natürlich nicht planen. Das war schon ein beachtliches Niveau.“ Über seinen Schützling sagt der Trainer: „Fredi ist sehr sozial, sie kümmert sich auch immer um die anderen Sportler in unserer Trainingsgruppe. Sie ist ein sehr fröhlicher Mensch und fast immer gut gelaunt.“

Der vermisste Koffer ist wieder da

Ihre Laune wurde am Dienstag gleich noch besser, als sie in Berlin-Tegel vor dem Abflug nach London endlich ihren Koffer in Empfang nehmen konnte, der beim Rückflug aus Bydgoszcz verloren gegangen war. Darin befanden sich zum Beispiel die Nationalmannschaftstrikotagen. Ihre Spikes hatte sie vorsorglich im Handgepäck dabei.

Wenn Friedelinde Petershofen am Freitag (20.45 Uhr) die WM-Qualifikation bestreitet, weiß sie, dass sie auf jeden Fall in die Nähe ihrer Bestleistung springen muss, um den Endkampf der besten Zwölf am Sonntag (20 Uhr) zu erreichen. „Ich setze mich aber nicht unter Druck. Die WM ist eine Zugabe für mich. Ich werde mein Bestes geben und will das auch genießen.“ Zur Einstimmung auf den Wettkampf wird sie wieder Musik von Ed Sheeran hören. „Das bringt mich in die richtige Stimmung.“

Von Peter Stein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus SC Potsdam
2ba033da-af33-11e7-b225-97bf4e5da6db
SC Potsdam: Der Kader Saison 2017/18

Mit zwölf Spielerinnen startet Cheftrainer Davide Carli mit dem SC Potsdam in die Volleyball-Bundesliga-Saison 2017/18.