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Babelsberg 03 am Ende
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MAZ nennt die größten Probleme des Potsdamer Fußballklubs Babelsberg 03 am Ende

Kein Geld, keine Spieler, Klagen: Der Potsdamer Fußballverein SV Babelsberg 03 befindet sich nach dem Abstieg aus der 3. Liga in einer kritischen Lage. Eine Insolvenz schließt der Vorstand jedoch aus. Am Mittwoch meldete der Verein eine weitere Neuverpflichtung: Heiko Schwarz kommt von Wacker Burghausen. SVB-Urgestein Matthias Rudolph, bisher Trainer der U17, übernimmt die U19.

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SV Babelsberg 03 will erste Mannschaft ausgliedern

Eine misslungene Saison, auch für SVB-Spieler Oliver Kragl.

Quelle: Jan Kuppert

Potsdam. Der Fußballverein SV Babelsberg 03 befindet sich nach dem Abstieg aus der 3. Liga wirtschaftlich wie sportlich in einer kritischen Lage. Eine Insolvenz schließt der Vorstand jedoch aus. Heute Abend will das Gremium auf der ordentlichen Mitgliederversammlung (19  Uhr, Campus am Griebnitzsee) den Mitgliedern den Weg aus der Krise zeigen. MAZ nennt die größten Probleme:

Die Finanzen

Der Kiezverein steckt tief in den Roten Zahlen. Daraus macht auch der im April gewählte Vorstandsvorsitzende Archibald Horlitz keinen Hehl. „Der Verein wurde in den vergangenen zwei Jahren an den Rand des finanziellen Abgrunds gebracht.“ Als Präsident Rainer Speer und Geschäftsführer Ralf Hechel im Mai 2011 die Teilnahme an der 3. Liga infrage stellten und – mehr oder minder freiwillig – das Handtuch warfen, hatte der SV Babelsberg lediglich Verbindlichkeiten in Höhe von 800  000 Euro aus dem Stadionkredit vom Jahr 2003. Auf der Habenseite standen bei der Übergabe an Thomas Bastian und seinen Vorstand 245  000 Euro. Hinzu kamen 700  000 Euro Einmalzahlung von der Stadt.
Seither wurden jedoch bei der Deutschen Kreditbank (DKB) fleißig Schulden für den Spielbetrieb (unter anderem Kicker- und Angestelltengehälter) in der 3. Liga gemacht – nach MAZ-Informationen rund drei Millionen Euro. 1,3 Millionen Euro wurden kurz vor Weihnachten 2012 in Genussscheine mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2017 umgewandelt.

Der Etat für die kommende Spielzeit soll bei 1,6 Millionen Euro liegen. Nach Abzug von Zinszahlungen, den Kosten für den Stadionunterhalt und für das Nachwuchskonzept bleibt für die erste Mannschaft ein Etat von rund 500  000 Euro. „Wir werden die preiswerteste Mannschaft seit 15 Jahren haben“, verspricht der sportliche Leiter Almedin Civa.

Die erste Mannschaft

Doch ist diese Mannschaft auch regionalligatauglich? Eine Woche vor dem – klammheimlich um zwei Tage nach hinten verschobenen – Trainingsbeginn stehen Chefcoach Cem Efe offiziell neun Fußballer zur Verfügung: Die Torhüter Dominic Feber (Hertha Zehlendorf) und Marvin Gladrow (Energie Cottbus  II), die Abwehrspieler Severin Mihm und Laurin von Piechowski (eigener Nachwuchs) sowie die Mittelfeldspieler Daniel Becker (FSV Luckenwalde) und Süleyman Koc. Am Dienstag meldete der Verein die Zugänge Jerome Maas (26, Mittelfeld) und Ibrahima Sory Cisse (26, Angriff) vom Oberligisten SV Altlüdersdorf. Beim brandenburgischen Pokalfinalisten wollte man den Wechsel allerdings nicht bestätigen. Es hieß, Cisse habe dort noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014. Auch Heiko Schwarz (siehe Foto) wechselt von Wacker Burghausen nach Babelsberg, wie der Verein am Mittwoch bekanntgab. Der 23-Jährige erhielt seine Ausbildung bei Energie Cottbus und ist als offensiver Flügelspieler variabel einsetzbar. Kommen soll zudem Linksverteidiger Benjamin Schwarz (26) vom Drittligisten SpVgg Unterhaching. Verhandelt wird noch mit den Nulldreiern Zlatko Hebib, Matthias Kühne und Julian Prochnow. Denkbar wäre auch eine Rückkehr von Anton Müller vom Drittligisten Hallescher FC.

Auf Verstärkung aus der zweiten Mannschaft darf Cem Efe nicht hoffen, die Reserveelf ist auseinandergefallen und soll durch Spieler der dritten Vertretung, die aufgelöst wird, aufgefüllt werden. Ob dies für die Brandenburgliga reicht, ist mehr als fraglich. „Wir stehen vor einem mittleren Scherbenhaufen“, sagt Rainer Nitzsche, Co-Trainer der „Dritten“ und seit einigen Wochen Aufsichtsratsmitglied.

Sponsoren

Die Sponsoren akquise ist schwierig. Viele Gönner haben sich nach den Turbulenzen der Vergangenheit und den politischen Debatten in der Stadt Potsdam und den vereinsinternen Querelen zurückgezogen, beispielsweise Reifen-Koehrich, Sonnenhotels, Autohaus Babelsberg. Der SV Babelsberg will nach MAZ-Informationen die DKB als Sponsor gewinnen, auch um die Schulden abzubauen. „Der Umgang mit den Sponsoren ist dilettantisch“, so ein Betroffener. Nun soll in Anlehnung an das Jubiläum des Vereins ein „Club 110“ ins Leben gerufen werden.

Das Publikum

Die Zuschauerzahlen haben in der vergangenen Spielzeit leicht zugenommen. Der Schnitt betrug 3090 Kiebitze pro Partie, wurde allerdings durch den Rekordbesuch gegen Hansa Rostock (9032) geschönt. Vom kuscheligen Familienverein ist der SV Babelsberg jedoch noch weit entfernt. Vielen Zuschauern und auch Sponsoren ist die zunehmende Politisierung auf den Stehplätzen ein Dorn im Auge. Auch die Muskelspiele zwischen Nordkurve und Ost-Block stoßen bei vielen Nulldreiern auf Unverständnis. Bevor auf das Publikum in „alternativen“ Berliner Stadtteilen wie Kreuzberg oder Friedrichshain geschielt wird, sollte sich der Verein über die Havelbrücken hinweg gen Potsdam und Richtung Umland orientieren.

Sportsman Group

Der SV Babelsberg hat den Vertrag mit der Sportsman Group wegen „Sittenwidrigkeit“ und „unzulässiger Laufzeit“ von zehn Jahren gekündigt, sieht sich allerdings Altforderungen in Höhe von 150  000 bis 180  000 Euro ausgesetzt. Vermittlungsversuche sind bis dato gescheitert. „Wir glauben, unsere Kündigung hat hinreichende Aussicht auf Erfolg“, so Vorstand Götz Schulze, Rechtsprofessor an der Uni Potsdam.

Catering

Ärger steht mit dem Caterer und dem Getränkelieferanten ins Haus. Nulldrei hat beide Verträge gekündigt. Dem Caterer werden ausstehende Zahlungen vorgeworfen. Vom Bierbrauer fühlt sich der Verein beim Fasspreis über den Tisch gezogen – dabei beliefert die Radeberger Gruppe den Kiezverein seit 1992. „Wir haben einen Vertrag und werden um die Einhaltung kämpfen. Außerdem haben wir den VIP-Raum und den Presseraum ausgestattet“, sagte Gebietsleiter Michael Idler. Nach MAZ-Informationen soll Stefan von Bargen, Inhaber der „Astra-Stube“ in Berlin-Neukölln das Stadion-Catering übernehmen. Den VIP-Raum könnte die Babelsberger Fleischerei Meissner beliefern.

Von Jens Trommer und Ricarda Nowak

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