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Nulldrei mit Vorreiterrolle in Deutschland

Flüchtlingsteam vom SV Babelsberg 03 Nulldrei mit Vorreiterrolle in Deutschland

Der SV Babelsberg 03 hat als erster aktiver Profifußballverein in Deutschland ein vereinseigenes Team, welches aus Flüchtilingen besteht, gegründet.  Auf lange Sicht wollen sie in einer Liga mitspielen - aber wie geht man das an, wenn ständig die Abschiebung droht? Cem Efe, Trainer der ersten Mannschaft, begrüßt das Projekt ausdrücklich.

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Torwart Deuton (l) und Trainer Hassan aus Mazedonien

Quelle: Oliver Mehlis

Potsdam. Noch hat Hassan seine Spieler zusammen. "Hey Männer, kommt mal bitte alle her", schreit der Trainer aus Mazedonien. Im Flutlicht joggen die Kerle über den Kunstrasen. Hassan will die Truppe im Spielbetrieb sehen - im kommenden Frühling könnte das neue Fußballteam vom Potsdamer Fußballverein SV Babelsberg 03 in einer der unteren Ligen angemeldet werden. Wenn alles gutgeht - denn bei Hassan und seiner Mannschaft läuft einiges anders als normalerweise.

Seine Spieler kommen aus Afghanistan, Somalia oder Kamerun. Sie haben ihre Heimat verlassen, um vor Not und Elend nach Deutschland zu fliehen. Seit wenigen Monaten trainieren sie bei Babelsberg - in einer reinen Flüchtlingsmannschaft. Fußball, sagt Coach Hassan und schlägt sich mit der Faust auf den Brustkorb, «ist hier drinnen im Blut». Beim Training seines Teams "Welcome United Nulldrei" stehen an diesem Abend 25 Männer auf dem Platz.

Flüchtlingsmannschaft "Welcome-United Nulldrei" bei Dehnungsübungen auf dem Trainingsgelände des Karl-Liebknecht-Stadions.

Quelle: Oliver Mehlis

Viele von ihnen haben früher in ihren Herkunftsländern privat gekickt. "Wenn sie zum Fußball gegangen sind, war das immer eine Möglichkeit, die Probleme zu vergessen", sagt Spieler Johnson, der vor drei Jahren aus Nigeria geflohen ist. In Deutschland hätten viele von ihnen keine Chance, zum Beispiel ihre Talente im Job zu zeigen, erzählt der studierte Politologe. Der Tag im Flüchtlingsheim ist lang, ohne Arbeit und ohne Aufgabe.

Als eine Ehrenamtliche von der Flüchtlingshilfe Johnsons Geschichte hörte, kam sie auf die Idee mit dem Fußballteam. Manja Thieme befürchtete, dass andere ihr Vorhaben als «Gutmenschentum» abtun und sie nicht unterstützen könnten. Im Regionalligisten SV Babelsberg 03 fand sie jedoch einen Partner, der das Flüchtlingsteam zur dritten Mannschaft im Verein machte. Fans der Nordkurve finanzierten sogar die Trikots mit, Mitgliedsbeiträge müssen die Flüchtlinge nicht zahlen.

Nach Einschätzung der Babelsberger ist das "Welcome"-Team die erste Flüchtlingsmannschaft, die einem Fußballverein aus den oberen vier Ligen angegliedert ist - das sei der Unterschied zu Projekten wie dem Berliner Verein "Champions ohne Grenzen" oder dem "FC Lampedusa" in Hamburg. Bis zu 60 Flüchtlinge sind manchmal beim Training. Einige kommen regelmäßig, andere nur ein Mal. Vielleicht weil sie keine Lust mehr hätten, vermutet Thieme. "Oder weil sie einfach gar nicht mehr in Deutschland sind. Man weiß es nicht."

In welcher Liga das neue Team antreten könnte, ist noch unklar. Sowohl für die Kreis- als auch für die Stadtliga Potsdam bräuchten die Männer Spielerpässe, heißt es vom Brandenburger Fußball-Landesverband. Das ist nicht immer einfach, das Prozedere dauert. Die Spieler müssen unter anderem eine Passkopie und eine Meldebescheinigung einreichen, aber nicht alle Flüchtlinge haben Ausweisdokumente. Der Brandenburger Verband will sich dann den Einzelfall anschauen. Auch der DFB hat die Landesverbände nach eigenen Angaben angehalten, Lösungen zu finden.

Zudem müssen auch die ausländischen Nationalverbände zum Beispiel bestätigen, dass die Spieler in ihrer Heimat nicht gesperrt wurden. Melden sich die Organisationen innerhalb von 30 Tagen auf die Anfrage nicht zurück, werden die neuen Spieler vorläufig freigegeben. Zuletzt waren auch die Spielberechtigungen für Flüchtlingskinder ein Thema. Nach DFB-Angaben kamen im Jahr 2013 rund 500 bis 1000 Flüchtlingskinder nach Deutschland, die auch Fußball spielen wollten.

An Regularien denken die Männer von "Welcome United Nulldrei" momentan noch wenig. Wichtig sind ihnen die Testspiele und feste Trainingszeiten. Einmal pro Woche? Zu wenig, meinen einige beim Rückweg in die Kabine. Sollte eines Tages der Spielbetrieb der Mannschaft besiegelt sein, sind nicht alle von ihnen sicher dabei. Selbst für Trainer Hassan, der mit Frau und Kindern aus seiner Heimat geflohen ist, gibt es keine Garantie.

Von Julia Kilian

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