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"Hier wird das Wir-Gefühl gelebt"

Co-Trainer Manuel Hartmann fühlt sich wohl beim SV Babelsberg 03 "Hier wird das Wir-Gefühl gelebt"

Beinahe wäre Manuel "Matze" Hartmann statt in Babelsberg in Beirut gelandet. In der libanesischen Kapitale ("Paris des Nahen Ostens") war der 57-Jährige für einen Trainerjob im Gespräch.

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Manuel "Matze" Hartmann (links) und Chef-Trainer Cem Efe.

Quelle: Jan Kuppert

Potsdam. Auch Fußballfunktionäre in Aserbaidschan hatten ihn schon auf dem Zettel. Zwar wären beide Angebote jeweils für sich eine "Herausforderung" gewesen, doch nicht zuletzt wegen seiner Freundin Carola und seines West-Highland-Terriers "Buddy" entschied sich der Berliner für den kürzeren Arbeitsweg und checkte mit Beginn der neuen Saison beim Regionalligisten SV Babelsberg 03 ein.

Hartmann kennt Nulldrei-Trainer Cem Efe (35) noch aus dessen Jugend bei Tennis Borussia. "Der Kontakt zwischen uns ist nie abgerissen, und dann kam Cems Anfrage", erzählt Hartmann, der unter anderem Coach des 1. FC Neukölln und des BFC Viktoria 89 war und meist bei seiner Freundin in Tegel wohnt. Sportlich hat sich der Co-Trainer längst bei den Filmstädtern eingelebt: "Ich bin hier von allen super aufgenommen worden ‒ von Spielern, Angestellten, Fans. Der Verein lebt das Wir-Gefühl: Auch die Leute, die im Hintergrund wirbeln, sind wichtig."

Außer Efe hat Hartmann noch einen alten Bekannten im Karl-Liebknecht-Stadion wiedergetroffen: Christopher Blazynski (27) schnürte als Steppke in den Ferien die Töppen in Hartmanns damaliger Fußballschule in Berlin-Weißensee. Wie übrigens auch Ex-Nationalspieler Robert Huth, der seit 2009 für den englischen Erstligisten Stoke City spielt und laut Hartmann "ein totaler Chaot" war.

Inzwischen lenkt Blazynski als Kapitän die Geschicke der Kiezkicker, denen mit drei Siegen nacheinander ein Saisonstart wie aus dem Fußball-Lehrbuch gelang. Es folgten zwei Niederlagen, die Hartmann jedoch keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben: "Man muss dieser jungen Mannschaft Zeit geben, sich zu entwickeln. Das ist heutzutage in diesem schnelllebigen Geschäft aber schwierig", sagt der Co-Trainer und fügt nachdenklich hinzu: "Nach drei, vier verlorenen Spielen wird die Schlinge um den Hals doch schon enger."

An der Moral der Nulldreier zweifelt er keine Minute: "Sie arbeiten hart, sind begeisterungsfähig und charakterlich top." Viel hält Hartmann beispielsweise von Mittelfeldakteur Daniel Becker. "Er überzeugt mich sehr." Außenverteidiger Maximilian Zimmer sei ein "Rohdiamant". Allein einen "echten Rebellen" vermisst der Co-Trainer, stattdessen wirken die Kicker auf ihn manchmal "wie Monchhichis", wie diese niedlichen japanischen Plüschäffchen also.

Ein einstelliger Tabellenplatz am Saisonende wäre "super", sagt Hartmann und: "Wir wollen die Drittliga-Saison vergessen machen." An deren Ende stand bekanntlich der Abstieg in die Regionalliga. Erst einmal geht es am Freitag in der zweiten Runde des Landespokals zum Brandenburgligisten FV Preussen Eberswalde.

Nach einem bewegten Fußballerleben sind Hartmanns Knie hinüber. "Da ist nichts mehr ganz. Man sollte nicht zugucken, wie ich morgens aufstehe." Der drahtige Berliner begann seine Kickerkarriere bei Tasmania 1900, stürmte später jahrelang bei Viktoria Berlin, nach der Wende einige Zeit in der Traditionself des DDR-Rekordmeisters BFC Dynamo an der Seite von Bodo Rudwaleit und Frank Terletzki. "Die Sache mit dem Stasi-Klub kann ich nicht mehr hören", so Hartmann. "Das war eine super Zeit in der Traditionsmannschaft, ich war übrigens der einzige Wessi. Wir waren immer ehrgeizig, und die Kameradschaft hat gestimmt." Sich selbst hält Hartmann auf dem Platz "für einen kleinen Gestörten". Sein Sohn Manuel Marschel kickt auf der anderen Seite des Globus's - testweise beim australischen Sydney FC.

Mitte Juli wurde der Meniskus in Hartmanns rechtem Knie herausgenommen, nach der Winterpause ist der Knorpel im anderen Gelenk dran. "Ich kann im Training schon wieder schärfer schießen", grinst der Co-Trainer, der außerdem Golf, Squash und Tennis spielt. Kaum zu glauben, dass Hartmann seine Freizeit tatsächlich auch mal auf der Couch verbringt.

Von Ricarda Nowak

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