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"Ich bin der Verleumdungen müde"

Klaus Brüggemann, Ex-Geschäftsführer von Babelsberg 03, wehrt sich "Ich bin der Verleumdungen müde"

Klaus Brüggemann sitzt in einem Babelsberger Café und nippt an seiner Tasse Heeßen. Die Einkehr ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Der gebürtige Dortmunder, der seit drei Jahrzehnten zusammen mit Ehefrau Bettina in Berlin wohnt, war von August 2011 bis März 2013 Geschäftsführer des Fußballvereins SV Babelsberg 03.

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Potsdam. "Mein Engagement war am Ende ein Missverständnis." Die Zeit wirkt noch nach. "Die Ereignisse holen mich immer wieder ein", bedauert Klaus Brüggemann. "Es gab auch positive Erfahrungen, aber die negativen Erlebnisse bündelten sich zum Schluss. Ich war gesundheitlich angeschlagen, und meine Reputation ist stark beschädigt worden. Auch nach fast einem Jahr finde ich keine Ruhe. Ich bin der Verleumdungen müde." Brüggemann hätte diesen Lebensabschnitt am besten nicht erlebt.

Jüngster Anlass der Aufregung für die aus seiner Sicht ungerechtfertigten Vorwürfe war ein Interview mit dem SVB-Vereinschef Archibald Horlitz am 22. Januar in der MAZ. "In der Ära von Geschäftsführer Klaus Brüggemann ... erhöhte sich der Schuldenstand auf 3,3 Millionen Euro", hieß es da. "Weggelassen wurde", so Brüggemann, "dass bereits in der Saison 2010/11 der Schuldenstand etwa 1,5 Millionen betrug und bei meinem Amtsantritt eine Unterdeckung für die nächste Saison in Höhe von 1,4 Millionen Euro da war." Nachtragsforderungen von Firmen für Bauarbeiten im Karl-Liebknecht-Stadion in Höhe von 500.000 Euro seien dabei noch nicht berücksichtigt worden.

"Wie war denn die Situation, als ich nach Babelsberg kam?", fragt Brüggemann und antwortet: "Durch die Affären um Stadtwerksdirektor Peter Paffhausen und den ehemaligen Präsidenten von Babelsberg 03 Rainer Speer waren alle wesentlichen Sponsoren abgesprungen." In dieser misslichen Situation sprang die Deutsche Kreditbank mit einer Bürgschaft in Höhe von 1,4 Millionen Euro ein. Auch die Fans sammelten mit einer tollen Aktion Geld ein. Dadurch wurde die Insolvenz abgewehrt. Der Ex-Manager wehrt sich gegen frühere Vorwürfe, dass er potenzielle Sponsoren verschreckt habe. "Im Gegenteil", sagt er, "in meiner Amtszeit wurde weit über eine halbe Million Euro generiert."

Brüggemann hatte sich bald nach Amtsantritt wie in einem fremden Körper gefühlt. "Ein Verein muss wie ein Unternehmen geführt werden, doch Aufsichtsrat und Vorstand waren nur bedingt bereit, professionelle Strukturen aufzubauen oder überhaupt zuzulassen." Die Diskussionen nahmen absurde Züge an, Brüggemann geriet zwischen Mühlsteine. Es kam zu endlosen Streits und die Kakophonie drang auch nach außen. Es gab Reibereien um die Gestaltung der Spieltagsplakate oder ein Maskottchen. "Ich hatte die 'Babelszwerge' angeregt. Aber das wurde abgeschmettert. Dahinter würde zuviel Kommerz stecken, wir seien nicht Hertha BSC", schildert Brüggemann die Streitereien. Oder der Disput um die Biermarke im Vip-Raum. Berliner Pilsner wurde von den neuen Vorstandsmitgliedern abgelehnt. Es sollte eine alternative Marke sein wie "Astra", die auch beim FC St. Pauli ausgeschenkt wurde.

Trotz des vielen Hickhacks wurde beim ehemaligen Drittligisten auch einiges bewegt. Brüggemann verweist darauf, dass die Baukostenforderungen über eine halbe Million Euro wegen zahlreicher Mängel abgewehrt wurde. Es wurden ein Kraftraum gebaut, ein Mannschaftsbus besorgt, die medizinische Leistungsdiagnostik zusammen mit der Charité eingerichtet, ein Nachwuchskonzept erstellt und ein Scoutingsystem eingeführt.

"Fast zwei Jahre lang bin ich vom Vorstand allein gelassen worden. Viele Köche verdarben den Brei. Gegen Anfeindungen von einzelnen wurde ich in den Vereinsgremien nicht geschützt. Es ist unverschämt, mich immer wieder zum Sündenbock für alles zu machen." Brüggemann wurde immer dünnhäutiger: "Es gab massive Verleumdungen gegen mich mit Klagedrohungen meinerseits." Der 54-Jährige räumt ein, auch Fehler begangen zu haben. Er hatte spätestens mit der Entlassung von Trainer Dietmar Demuth die Öffentlichkeit und auch Vorstandsmitglieder gegen sich aufgebracht. Brüggemann steht auch heute noch dazu, sagt lediglich: "Die Entlassung von Demuth wurde schlecht kommuniziert." Auch der Kader der Mannschaft für die Saison 2012/13 war unzureichend. "Wir besaßen keine wettbewerbsfähige Offensive", blickt Brüggemann zurück. Anton Makarenko und Dominik Stroh-Engel hätten gehalten werden müssen. Aber der Vorstand war nicht bereit, ihr Gehalt marktgerecht aufzustocken." Am Ende stieg die Truppe sang- und klanglos ab.

Auch nach der zweiten Tasse Kaffee fühlt sich Brüggemann beim Gespräch nicht erleichtert. Nach seiner Aussage war er in den vergangenen Monaten Berater von Dynamo Minsk und hat eine Weiterbildung zum Mentalcoach absolviert. Angebote von Regionalligisten und aus dem Ausland, als Geschäftsführer einzusteigen, hat er abgelehnt. "Ich bin nicht bereit, erneut in ein Haifischbecken zu springen." Das Karl-Liebknecht-Stadion hat er seit der Entlassung nie wieder betreten.

Von Detlef Braune

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