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Lok-Präsident für Ausschluss von SVB-Fans

Konsequenzen nach Ausschreitungen im Karl-Liebknecht-Stadion Lok-Präsident für Ausschluss von SVB-Fans

Nach der Niederlage gegen den SV Babelsberg 03 ließen die teils stark alkoholisierten Lok-Fans ihre Wut am Personal und Fahrgästen eines Regionalzuges aus. Schon vor und während des Regionalliga-Saisonauftakts kam es zu Randalen zwischen Fans und der Polizei.

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Bereits vor und während des Spiels kam es zu Randalen: Lokfans stürmten den Platz.

Quelle: Jan Kuppert

Wiesenburg. Rund um das Regionalligaspiel zwischen dem SV Babelsberg und dem 1. FC Lok am Sonnabend war es zu unschönen Szenen und gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Bereits vor und während des Spiels ist es zu heftigen Ausschreitungen gekommen. In der 67. Spielminute eskalierte die Situation, einige Chaoten sprangen auf den Rasen, die Partie musste für acht Minuten unterbrochen werden.

Der SV Babelsberg 03 machte in einer Stellungnahme deutlich, dass das "Verhalten einer Gruppe rechtsnationalistischer Fans von Lok Leipzig in keiner Weise toleriert wird". Stellte aber zugleich klar, dass "nicht alle Gästefans an den verbalen Entgleisungen sowie an den gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt waren." Auch die eigenen Fans werden kritisch betrachtet. So wird es ein Gespräch zwischen Fanbeirat und Vertretern des Vereins geben."

Nulldrei legt jedoch Wert darauf, dass das "Verhalten eines Teils der Gästeanhänger nicht im Ansatz mit dem Verhalten der Babelsberger Fans gleichgesetzt werden darf. Aktion und Reaktion muss hier in den richtigen Kontext gesetzt werden". Der SVB beschwert sich zudem über die Ansage des Pressesprechers während der erzwungenen Unterbrechung des Spiels. Mit der Ansage an die Lok-Fans "Lasst euch nicht provozieren" beruhigte er die Gemüter nicht, sondern sorgte auf Seiten der Potsdamer Anhänger für Unmut.

Der Sicherheitsdienst des Vereins bezeichnete die randalierenden Lok-Fans als bisher schwierigste Aufgabe im Stadion. Dennoch ist die Sicherheit im Stadion, so der Verein, nach wie vor gegeben. Ein Besuch im Karli sei "für Familien unproblematisch".

Passende Worte fand Nulldrei-Trainer Cem Efe in der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Es ist einfach nur traurig, das hat mit Fußball nicht zu tun."

Randale auf der Rückreise

Auf der Rückreise der Anhänger des 1.FC Lokomotive Leipzig eskalierte die Lage dann erneut. Randalierende Fans hielten  Personal und Fahrgäste im Regionalexpress 7 sowie später Angestellte und Gäste des Cafés im Bahnhof am Park Wiesenburg in Atem.

Infolge eines technischen Defektes, ein Blitz hatte die Leitsignale beschädigt, musste der Zug gegen 18.30 Uhr auch noch am Bahnhof Wiesenburg (Mark) halten, der Zugverkehr nach Dessau war vorerst unterbrochen, alle rund 300 Reisenden waren zum Aufenthalt in der Bahnhofskneipe "Perle des Flämings" gezwungen.

Rund 50 Lok-Fans hatten sich nach dem Spiel auf einen Regionalexpress Richtung Dessau verteilt, die Fahrgäste mit lauten Gebrüll und Gesängen gestört und mehrfach die Weiterfahrt verzögert. Ein Fahrgast berichtet von heftigen Beleidigungen und Beschimpfungen, auch sollen sich einige Lok-Fans entblößt haben. Insgesamt herrschte eine "bedrohliche Atmosphäre", die auch vom Zugpersonal nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Polizeibeamte waren nicht im Zug.

Etwa 20 alkoholisierte der 50 Fußballfans weigerten sich schließlich das Lokal bei Ausschankschluss um 19 Uhr zu verlassen. Erst der Einsatz der Polizei konnte die Lage vor Ort entschärfen.

Während die Beamten die Lage vor Ort klärten, ließen Unbekannte die Luft aus allen vier Reifen eines abgestellten Funkstreifenwagens und beschädigten die Motorhaube, die jetzt eine Delle hat. Der Sachschaden wird auf 1700 Euro geschätzt, teilte die Polizeidirektion West auf MAZ-Nachfrage mit. Das Auto ist vor Ort wieder fahrtüchtig gemacht worden. Die Reisenden konnten gegen 21.30 Uhr die Fahrt gen Süden fortsetzen.

Auf das Verhalten einiger Fans angesprochen, wollte Lok-Präsident Heiko Spauke keine Entschuldigung für das Verhalten der eigenen Anhänger gelten lassen. „Dass es so eskalieren musste, ist eine Sauerei“, sagte er am Montag gegenüber LVZ-Online. Er betonte, die Angreifer seien ihm nicht bekannt. „Wir werden uns von solchen Chaoten unseren Verein nicht kaputt machen lassen.“ Gleichzeitig kritisierte er jedoch das Sicherheitskonzept im Stadion. „Jeder wusste vorher, dass es ein brisantes Spiel wird. Der Pufferblock war viel zu klein. Es hätten auch von der ersten Minute an mehr Polizisten im Stadion sein müssen", sagte er.

Der Verein wird nun alles prüfen, was die Sicherheit im Stadion noch weiter erhöht. Neben Stadionverboten für die Randalierer wird auch ein Ausschluss der Babelsberger Gästefans beim Rückspiel in Erwägung gezogen. Damit will der Verein von vornherein  vermeiden. Ihm, so Spauke, sei berichtet worden, dass Lok-Fans mit Urin-Bomben und Metallharken beworfen worden seien. „Wir werden uns in den nächsten Tagen intern über weitere Schritte beraten“, erklärte der Präsident.

Archibald Horlitz, Vorstandsvorsitzender des SV Babelsberg, sagte zu einem möglichen Ausschluss der Babelsberger Fans gegenüber der MAZ: „Mit diesem Ansinnen wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Da müssten ja alle Vereine zu Hause bleiben, die sich gegen rechtes Gedankengut positionieren.“

MAZ

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