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Spielbetrieb bei der Potsdamer SU in Gefahr

Hockey Spielbetrieb bei der Potsdamer SU in Gefahr

18 Jahre ist der Hauptplatz der Potsdamer Sport-Union inzwischen alt, in der Regel halten die Kunstrasenplätze 15 Jahre. Zahlreiche Nähte platzen auf, die Linien stehen deutlich über dem Rasen ab und bilden Stolperfallen. Auch die Sprinkleranlage funktioniert nicht ausreichend. Die Mitglieder gehen inzwischen auf die Barrikaden, der Verein sieht die Stadt in der Pflicht.

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Auf dem Nebenplatz wellt sich der Kunstrasen.

Quelle: Stephan Henke

Potsdam. Die Sorge schwingt mit, wenn sich Philipp Koesling das Szenario ausmalt. „Wenn der Torhüter rausstürmt und dann hier hängen bleibt, das will ich mir gar nicht vorstellen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Potsdamer Sport-Union beim Blick auf die offene Naht. Sie liegt am Schusskreis, eine von zahlreichen offenen Stellen auf dem Hockey-Kunstrasenplatz der PSU an der Templiner Straße.

Schiedsrichter könnten Spiel absagen

18 Jahre ist der Rasen inzwischen alt, in der Regel hält ein Platz 15 Jahre. Erst kürzlich wurde die Höhe des Flors vermessen – knapp über einem Millimeter beträgt die Länge der künstlichen Halme noch. Die Spieler ziehen statt der üblichen Noppenschuhe nur noch Laufschuhe zum Spielen an, um nicht auf dem Platz hängen zu bleiben. „Die Schiedsrichter könnten eigentlich sagen, dass sie auf diesem Platz kein Spiel anpfeifen“, sagt Koesling, der auch die Oberliga-Damenmannschaft trainiert.

Denn die Nähte sind nicht das einzige Problem. Die Linien mussten vom Träger des Platzes, dem Kommunalen Immobilien Service (KIS), immer wieder erneuert werden. Die vielen Farbschichten stehen nun deutlich über dem Kunstrasen hervor, im Training kam es bereits zu Verletzungen.

Der Vereinsvize Philipp Koesling zeigt die aufgeplatzten Nähte des Kunstrasens

Der Vereinsvize Philipp Koesling zeigt die aufgeplatzten Nähte des Kunstrasens.

Quelle: Stephan Henke

Dazu funktioniert die Sprinkleranlage nur unzureichend. „Der Druck auf den Leitungen ist zu gering, in der Mitte des Feldes bleibt der Platz trocken“, erzählt Koesling. So stellen die Trainer vor den Spielen noch mobile Rasensprenger auf. „Wenn es heiß ist, müsste man den Platz auch in der Halbzeitpause wässern. Doch dafür bräuchte man 20 Minuten, bis man alles auf- und wieder abgebaut hat. Die Pause dauert aber nur fünf Minuten“, sagt Koesling zur Bewässerung, die unter anderem die Verletzungsgefahr minimiert und das Material schont.

Neuer Platz kostet 332 000 Euro

Das alles führt zu Unmut im Verein. „Die Mitglieder beschweren sich verständlicherweise über den Zustand des Platzes“, sagt Präsident Götz Friederich, seit 2009 im Amt. Ein neuer Platz würde 332 000 Euro kosten. „In der beschlossenen, mittelfristigen Investitionsplanung der Landeshauptstadt beziehungsweise des KIS ist keine Erneuerung vorgesehen“, teilt die Stadt mit. „Jedoch hat der Verein mit Unterstützung des KIS einen der beiden Kunstrasenplätze mit einer neueren Decklage versehen. Damit ist dessen Bespielbarkeit für die nächsten fünf bis zehn Jahre gesichert“, heißt es weiter.

Der größte Hockeyverein Brandenburgs

Die Potsdamer Sport-Union zählt derzeit rund 560 Mitglieder in den Abteilungen Hockey, Fußball, Volleyball Tischtennis und Karate.

Mit rund 450 Mitgliedern ist die Hockeyabteilung die größte im Verein und die PSU damit auch der mitgliederstärkste Hockeyverein in Brandenburg.

Derzeit hat der Verein 14 Jugend- und Erwachsenenmannschaften im Spielbetrieb. Die erste Damen-Mannschaft spielt in der Oberliga (Feld) und Regionalliga (Halle). Das Männerteam ist in der 1. Verbandsliga (Feld) und Oberliga (Halle) aktiv.

Außerdem ist beim Verein auch der Landesstützpunkt Hockey angesiedelt.

Einmal in der Woche findet auf dem Gelände an der Templiner Straße das Auswahltraining statt.

Aus dem Verein haben mehrere Spieler den Sprung in deutsche Junioren-Nationalmannschaften geschafft.

Tatsächlich wurde im vergangenen Jahr über den alten, zuvor nur von den Fußballern genutzten Nebenplatz ein gebrauchter Kunstrasen verlegt. „Der Platz, der da verlegt worden ist, ist ein Notbehelf“, sagt Friederich. „Auch hier haben wir uns gekümmert und nicht die Stadt, die uns dankenswerterweise aber finanziell unterstützt hat. Das ist aber alles nur Flickschusterei.“ Außerdem hat der Platz nicht die erforderliche Breite und keine Bewässerungsanlage. „Für den Spielbetrieb würde der so nicht zugelassen werden“, sagt Vize Koesling. „Dem Bereich Sport ist das nicht bekannt. Sportverbände sind dafür bekannt, da Ermessensspielraum zu haben“, heißt es von der Stadt.

Im schlimmsten Fall droht der Umzug nach Berlin

Im schlimmsten Fall könnte es nach dem letzten Saison- und Heimspiel der Herren am Sonntag (16 Uhr) zu einer dramatischen Situation kommen. „Der Spielbetrieb ist in Gefahr. Da es in Potsdam keinen hockeyfähigen Platz gibt, müssten wir nach Berlin ausweichen“, sagt Friederich, der für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung sitzt.

Ein Konzept für eine Neugestaltung des über 50 000 Quadratmeter großen Geländes liegt bereits in der Schublade. Vor drei Jahren beauftragte der KIS ein Architekturbüro damit. Zwei neue Hockey-Kunstrasenplätze, einer für den Fußball, dazu eine Drei-Feld-Halle, Tartanbahn und Tennisplätze sind darin vorgesehen. Kostenpunkt: 6,3 Millionen Euro. „Der Oberbürgermeister fand es ein tolles Konzept, seither ist allerdings nicht mehr viel passiert“, erzählt Friederich. Die Bauvoranfrage des Vereins steht laut Stadt kurz vor dem Abschluss. „Die Stadt wird nach Ablauf des Verfahrens mit dem Verein in Kontakt treten“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Von Stephan Henke

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