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Als Hansi Beyer über das Parkett von Moskau hüpfte

Handball Als Hansi Beyer über das Parkett von Moskau hüpfte

Der Potsdamer feiert am Samstag seinen 60. Geburtstag. Sicher wird er wieder die eine oder andere Anekdote von Moskau 1980 erzählen müssen. Damals gewannen die DDR-Handballer gegen die Sowjetunion Olympia-Gold. Und Hansi Beyer hatte eine entscheidende Rolle in dem Finale.

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Hansi Beyer

Quelle: imago

Potsdam. Hans-Georg Beyer flippte förmlich aus. Im Handball-Finale der Olympischen Spiele 1980 in Moskau waren nur noch wenige Momente zu spielen. Beyer hatte die DDR soeben kurz vor Ablauf der fünfminütigen Verlängerung mit 23:21 in Führung gebracht. Er hüpfte über das Parkett und riss immer wieder einen Arm nach oben. „Ich bin auf Rechtsaußen angespielt worden und habe den Ball reingehauen. Wir hatten kurz vor Schluss zwei Tore Vorsprung. Ich dachte mir, das könnte klappen“, erklärt der Potsdamer seinen Emotionsausbruch. Die Gastgeber kamen noch auf ein Tor heran. Doch in letzter Sekunde hielt der Magdeburger Torhüter Wieland Schmidt gegen den freistehenden Alexander Karschakewitsch. Die DDR hatte den großen Bruder besiegt und war Olympiasieger.

Noch immer kommen Autogrammwünsche

„Dieser Erfolg bleibt ein ganzes Leben präsent“, sagt Hansi Beyer, der am Samstag seinen 60. Geburtstag feiert. „Die Sowjetunion war klarer Favorit. Es war eine außergewöhnliche Mannschaftsleistung von uns. Es ist toll wenn ich mir das auf Videos anschauen kann.“ Insbesondere während Olympischer Spiele kommen viele Erinnerungen hoch. Oder wenn im Hause Beyer Autogrammwünsche eintrudeln. „Mein Sohn hat mir mal Autogrammkarten angefertigt. Die Wünsche kommen meist von älteren Semestern und es werden immer weniger. In diesem Jahr waren es sechs.“

Drei Geschwister in Moskau

Auch heute bei der Geburtstagsparty wird Moskau sicher ein Thema sein. Denn die Spiele an der Moskwa waren so etwas wie ein Familienausflug. Hansis Schwester Gisela wurde in Moskau Vierte im Diskuswerfen. Und Bruder Udo, Olympiasieger im Kugelstoßen 1976, holte Bronze. Fünf von sechs Geschwistern hatten es auf die Sportschule geschafft. „Zu dritt in Moskau, das war ein tolles Erlebnis“, erzählt Hansi Beyer. Als die Handballer zum Finale in die Halle kamen, stand parallel die Entscheidung im Kugelstoßen an. „Eine Reinigungskraft hatte einen Fernseher laufen, da habe ich gesehen, dass der Wettbewerb begonnen hat. Als unser Spiel vorbei war, habe ich gleich wieder geguckt.“

Als Wieland Schmidt den Sieg festhielt

Fernsehreporter Dirk Thiele (73) erinnert sich noch gut an das Endspiel der Handballer: „Hansi sagte, jetzt sei er auch Olympiasieger.“ Für den Potsdamer Thiele war es der erste große Einsatz als Reporter für das DDR-Fernsehen. „Den Moment, als Wieland Schmidt den Sieg festhielt, vergisst man nie. Die Mannschaft war für damalige Verhältnisse unglaublich gut. Ich habe mich für Hansi gefreut, er ist eine grundehrliche Haut.“

Die Gold-Party fand im Olympischen Dorf statt. „Dort haben wir abends zusammen gesessen“, erinnert sich Beyer. „Wir hatten einen Raum zugewiesen bekommen. Jeder bekam eine Flasche Sekt. Es war eher ruhig.“ Bei seiner Heimkehr gab es allerdings noch einen Empfang in Frankfurt (Oder).

Zweimal DDR-Meister

Bis 2010 hat sich die damalige Siegermannschaft regelmäßig zu Promi-Spielen getroffen. „Drei, vier Mal im Jahr. Beispielsweise bei Halleneröffnungen haben wir gespielt. Aber irgendwann muss Schluss sein.“ Sie treffen sich weiter jährlich, aber eben nicht mehr auf der Platte. Bei Hansi Beyer gestatten die Knie keinen Handballsport mehr. Seine Karriere hatte er schon 1981 nach 46 Länderspielen und einer erneuten Bandscheibenoperation beenden müssen. Der gebürtige Eisenhüttenstädter gewann mit Vorwärts Frankfurt (Oder) zweimal die DDR-Meisterschaft sowie 1975 den Europapokal der Landesmeister.

Beim ASK Potsdam betreute Beyer später Sportler. „Ich war Verbindungsglied zwischen Sportschule und den Trainern.“ Heute arbeitet er als Erzieher in einem Kinderheim. Von 1998 bis 2006 trainierte Beyer die Handballer des Ludwigsfelder HC. Seitdem hat er kaum noch etwas mit Handball zu tun. „Für ein Traineramt fehlt mir die Zeit, ich habe fünf Enkel.“ Nur ab und zu geht er zu den Spielen des VfL Potsdam in die MBS-Arena. Zum Geburtstag wünscht er sich Zeit mit der Familie und Gesundheit – dass er nicht mehr so hüpfen kann wie 1980 ist aber kein Problem.

Von Ronny Müller

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