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„Die Heimspiele müssen ein Event werden“

VfL-Präsident Norbert Ahrend im Interview „Die Heimspiele müssen ein Event werden“

Norbert Norbert Ahrend übernahm vor genau einem Jahr, am 7. Juli 2014, das Amt als Präsident des VfL Potsdam von seinem Vorgänger Holger Rupprecht. Der 48-Jährige erzählt im Interview, wie er den Handball-Drittligisten fit für die 2. Bundesliga machen will, auf welcher Position bei der Mannschaft noch Handlungsbedarf besteht und wie die Halle voll werden soll.

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Neue Körperlichkeit beim VfL Potsdam

VfL-Präsident Norbert Ahrend (l.) mit Ehefrau Katja und seinem Vorgänger Holger Rupprecht.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Norbert Norbert Ahrend übernahm vor genau einem Jahr, am 7. Juli 2014, das Amt als Präsident des VfL Potsdam von seinem Vorgänger Holger Rupprecht. Der 48-Jährige erzählt im Interview, wie er den Handball-Drittligisten fit für die 2. Bundesliga machen will, auf welcher Position bei der Mannschaft noch Handlungsbedarf besteht und wie die Halle voll werden soll.

MAZ: Herr Ahrend, welcher war der bislang beste Moment in ihrer einjährigen Amtszeit?

Norbert Ahrend: Auch wenn er noch nicht lange zurück liegt und deshalb der Eindruck vielleicht etwas verfälscht ist, war es sicherlich das 25. Vereinsjubiläum am 1. Mai. Sowohl das Familienfest am Nachmittag als auch der großartige Sieg mit einem Tor Differenz gegen die SG Flensburg-Handewitt II in voller Halle am Abend waren super. Besser hätte es nicht laufen können.

Und was war negativ in dieser Spielzeit?

Ahrend: Das Einzige waren vielleicht die vielen knappen Niederlagen, mehr aber auch nicht.

Nach einem Umbruch 2013/14 und Platz sieben, sprang in diesem Jahr mit einer gefestigteren Mannschaft ebenfalls Rang sieben heraus. Ist das zu wenig?

Ahrend: Es hätte ein Stück besser laufen können. Aber wenn man sich ansieht, mit welchen langwierigen Verletzungen beispielsweise Yannick Schindel, Bengt Bornhorn oder Philipp Reuter zu tun hatten, müssen wir mit dieser Platzierung leben. Mehr als Platz fünf wäre aus meiner Sicht ohnehin unrealistisch gewesen. Wie Sie aber wissen, besteht der VfL nicht nur aus der 1. Männermannschaft. Wir haben im Nachwuchsbereich eine hervorragende Saison hinter uns. Exemplarisch ist hier unsere A-Jugend zu nennen, die sich erstmals direkt für die Jugend-Bundesliga qualifizieren konnte. Auf dem Weg zu diesem tollen Erfolg haben die Jungs um Trainer Axel Bornemann den damaligen Deutschen Meister Füchse Berlin und den Vizemeister SC Magdeburg innerhalb von drei Tagen bezwungen.

Sie sagen selbst, dass es sportlich besser werden muss. Was ist das Ziel?

Ahrend: Wir wollen in der kommenden Saison unter den ersten fünf landen, geben aber noch nicht das Ziel aus, den Aufstieg zu schaffen. Das ist sowohl aus sportlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht in der kommenden Saison noch nicht möglich. Es gibt auch in diesem Jahr einen starken Umbruch. Auf der Position im rechten Rückraum wollen wir uns noch verstärken.

Wann ist der angesprochene Aufstieg fällig?

Ahrend: Wir wollen 2016 definitiv angreifen. Wir planen bis dahin sowohl sportlich als auch wirtschaftlich die Kraft zu haben, ganz oben dabei zu sein. Wir mussten dieses Jahr die Kostenstruktur in den Griff bekommen und auch auf der Einnahmeseite kreativer werden.

Wo sehen Sie denn noch Potenzial, das bislang nicht ausgeschöpft wurde?

Ahrend: Es ist tatsächlich so, dass der VfL bisher Handball nur als Handballspiel sieht, aber zumindest die Heimspiele müssen zu einem Event werden. Wir müssen, abhängig vom Spieltag, das Drumherum noch attraktiver machen.

Sie sind mit dem Zuschauerschnitt von 772 in der vergangenen Saison offensichtlich nicht zufrieden.

Ahrend: Die Halle muss voller werden. Platz gibt es genug, auch wenn wir im Ligadurchschnitt schon gut da stehen. Aber man muss auch was aus der MBS-Arena machen. Wir werden nicht dadurch mehr Zuschauer bekommen, wenn wir zwei Tore mehr werfen oder die neuesten Tricks zeigen. Wir müssen das Umfeld noch aufbessern und mehr als reinen Handball bieten. Wir haben Ideen und werden auch einiges davon ausprobieren.

Der Event-Charakter klingt sehr pragmatisch. Gibt es nicht den Faktor sportlicher Erfolg, der die Zuschauer in die Halle bringt?

Ahrend: Das funktioniert erst, wenn wir in der 2. Bundesliga sind. Ich gehe nicht davon aus, dass in der 3. Liga, wenn wir um Platz fünf spielen, zwangsläufig mehr Zuschauer kommen. Vielleicht am Saisonende, wenn es knapp ist und um die ersten drei Plätze geht, das ist unstrittig. Aber das wird nicht der große Schub sein. Wenn wir über die gesamte Saison etwas erreichen wollen, müssen wir jeden Spieltag etwas bieten. Am zweiten Spieltag kann ich nicht mit der Tabellenkonstellation Dritter gegen Siebter werben. Da muss ich etwas anderes bieten, zum Beispiel heute kann man das Kinder-Handballabzeichen erwerben oder wir haben eine Hüpfburg vor der Halle, oder andere ergänzende Angebote für Jung und Alt.

Wirtschaftsinformatiker aus Wernigerode

Norbert Ahrend wurde 1967 in Wernigerode geboren.

Er ist promovierter Wirtschaftsinformatiker und Geschäftsführer der AIOS GmbH, einer Berliner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft.

Vor sechs Jahren zog er von Berlin nach Potsdam, vor einem Jahr weiter nach Rehbrücke.

Der 48-Jährige ist verheiratet mit Katja Ahrend, gemeinsam haben sie eine Tochter.

In seiner Freizeit spielt er Tischtennis und läuft regelmäßig.

Im sechsköpfigen Vorstand des VfL Potsdam sitzen neben dem ersten Vorsitzenden Norbert Ahrend außerdem noch Björn Rupprecht (stellvertretender Vorsitzender), Alexander Haase (sportlicher Leiter), Diethard Postel (Sponsoringbeauftragter), Steffen Runge (Schatzmeister) und Tim Krause (Jugendwart).

Der 21 Jahre alte Krause löste im Juni Marc Thiele als Jugendwart ab, der das Amt zwei Jahre bekleidete.

Sie halten sich aus den sportlichen Belangen auffällig raus und überlassen das Trainer Jens Deffke und dem Sportlichen Leiter Alexander Haase. Wo sehen Sie Ihr Aufgabengebiet?

Ahrend: Im Vorstand hat jeder seine Aufgabe und das Sportliche ist folglich – abgesehen vom großen Ganzen – nicht mein Thema. Wir haben einen tollen Trainer und einen super Sportlichen Leiter, da wäre es verrückt, wenn ich als Nicht-Handballspieler jetzt plötzlich versuche, sportlich den Takt vorzugeben. Ich bin Stimme und Gesicht des Vereins und will den Kontakt zu Förderern und Sponsoren halten. Der Mann an der Spitze muss dafür sorgen, dass Geld in die Kasse kommt.

Wie wollen Sie das schaffen?

Ahrend: Wir wollen die Schar der Unterstützer und Sponsoren erweitern. Da zählt für mich mehr Breite als Höhe. Ich freue mich natürlich über jeden Sponsor, der uns 50 000 Euro bringt. Aber wenn wir wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich sein wollen, müssen wir das in die Breite bringen. Denn was passiert, wenn uns ein Sponsor mit 50 000 Euro wegbricht, wissen wir aus der Vergangenheit.

Sie sind mit dem Credo angetreten, den Verein nach dem Insolvenzverfahren wirtschaftlich solide aufzustellen. Ist das in diesem Jahr gelungen?

Ahrend: Die ersten Schritte haben wir geschafft, wir haben die Kosten der Strukturen im Griff. Aber zu einem wirtschaftlich soliden Gerüst gehört es auch, die Einnahmen zu verbessern. Da hätte ich ganz gerne, wie angesprochen, noch mehr Breite. Und es ist auch ein Ziel, Rücklagen zu bilden, um etwaige Schwankungen ausgleichen zu können.

Haben Sie diese Breite hergestellt?

Ahrend: Es gab noch keine großen Umwälzungen, das wäre auch zu früh gewesen. Und vor allen Dingen fehlte mir persönlich noch die Zeit dafür. In den vergangenen zwölf Monaten war ich aufgrund beruflicher Verpflichtungen sehr oft unterwegs. Besserung ist – in jeder Hinsicht – zu erwarten.


Von Stephan Henke

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