Volltextsuche über das Angebot:

18°/ 13° Regenschauer

Navigation:
Der Angriff der Eis-Piraten

Mitglied in Deutschlands bestem Synchroneiskunstlaufteam Der Angriff der Eis-Piraten

Sein Team hat 19 deutsche Meistertitel in Folge gewonnen. Patrick Stein aus Ahrensfelde ist im besten Synchroneiskunstlaufteam Deutschlands und will erneut zur WM. Er ist am längsten von allen im Team - und er ist der einzige Mann. Das ist für eine harmonische Choreographie nicht immer einfach, aber eigentlich gar kein Problem.

Voriger Artikel
Die 10 größten Sportverbände Brandenburgs
Nächster Artikel
Fahne statt Fußball: Schiri bestreitet Alkohol-Vorwurf

Das „Team Berlin 1“ tritt regelmäßig vor den Heimspielen der Eisbären Berlin auf.

Quelle: Verein

Ahrensfelde/Berlin. Obwohl 21 Eiskunstläuferinnen in der Eissporthalle am Berliner Sportforum trainieren, hört man in diesem Moment nur zwei Männer in der Halle. „Lea schlägt beim Rad noch die Beine zusammen“, teilt Trainer Gert Hofmann seine Beobachtung weit hörbar mit. Sein Kapitän hatte das schon bemerkt. „Hab’ ich ihr schon gesagt“, antwortet Patrick Stein und ruft hinterher: „Mädels, umziehen.“

Stein ist eines von 22 Mitgliedern des „Team Berlin 1“, des erfolgreichsten Synchroneiskunstlaufteams Deutschlands, das 19 deutsche Meistertitel in Folge eingelaufen hat. Mit 25 Jahren ist er der Älteste in der Mannschaft, er ist am längsten von allen im Team (sieben Jahre) – und der Sportler aus Ahrensfelde (Barnim) ist der einzige Mann im Team des Seriensiegers.

Das Thema der neuen Kür ist der Hollywood-Blockbuster „Fluch der Karibik“. Hier stellt das Team ein Piratenschiff dar.

Quelle: Team Berlin 1

Männer sind „völlig normal“
Ein großes Aufhebens macht die Mannschaft darum allerdings nicht. „Für mich ist er ein Teil des Teams, wie die anderen auch. Es gibt keine Extrawürste für ihn“, sagt Desereé Graichen. Und ihre Teamkollegin Patricia Marciniak ergänzt: „Als ich das ,Team Berlin 1’ zum ersten Mal gesehen habe, waren auch Männer dabei, das ist völlig normal.“ In der Tat waren seit der Gründung im Jahr 1994 immer Männer im Team. „Das ist so etwas wie unser Markenzeichen“, sagt Peter Fröhlich, der die Mannschaft seit 15 Jahren managt. 2004 und 2005, als die Synchroneiskunstläufer zweimal in Folge den fünften Platz bei der Weltmeisterschaft errangen, waren sogar fünf Männer im Team, darunter der heutige Trainer Gert Hofmann.

Wobei Stein international dann doch etwas Besonderes ist. „Bei der WM in diesem Jahr waren nur sechs Männer unter den 400 Teilnehmern“, rechnet er vor. Und auch bei der Choreographie muss der Trainer Rücksicht nehmen. „Ich laufe immer außen, weil ich der Größte in der Gruppe bin. Die Mädels haben bis zu fünf verschiedene Positionen“, erklärt der Medizinstudent, der im nächsten Jahr seinen Facharzt in Orthopädie und Unfallchirurgie ablegt.

Drei Stunden tägliches Training
Momentan läuft das Team seine Positionen als Piratenbande zum Soundtrack des Hollywood-Blockbusters „Fluch der Karibik“. Drei Stunden täglich üben sie die neuen Elemente der Kür und des Kurzprogramms ein, 15 bis 20 Stunden in der Woche neben Schule, Ausbildung, Studium und Arbeit. Immer wieder korrigiert Coach Hofmann Kleinigkeiten, lässt zunächst ohne Musik, dann mit laufen. „Für die Choreographie ist das Wichtige: Wir wollen fließende Bilder, fließende Übergänge“, sagt Hofmann.

Dafür musste sich auch Stein zunächst umstellen, der bis 2009 noch Einzel lief und in der Jugend deutscher U13-Meister war. „Alles ist genau abgezählt, theoretisch müsste ich bei 20 Wiederholungen 20 Mal in der selben Spur laufen, das ist ganz anders als im Einzel“, sagt Stein. Und auch wenn es manchmal schwierig sei, nur einen Mann in eine harmonische Choreographie einzubauen, sagt Trainer Hofmann: „Für uns ist Patrick wirklich eine Bereicherung, weil er etwas hermacht auf dem Eis. Er ist ein technisch sehr versierter Läufer, hat eine fantastische Kondition und Kraft.“
Olympische Spiele im Visier

Darauf kommt es insbesondere am 9. und 10. Januar 2015 an, wenn Stein und seine Teamkolleginnen im Rahmen des Weltcups „Cup of Berlin“ auch um die deutsche Meisterschaft kämpfen. „Wir wollen den 20. Titel in Folge“, gibt Synchroneiskunstläuferin Franziska Kahlenberg das Ziel für den Abomeister aus. Damit wären die Berliner erneut für die Weltmeisterschaft im April qualifiziert, zum 15. Mal in Folge.

Doch das noch größere Ziel lautet Olympische Winterspiele 2018, bei denen die Disziplin noch nicht zum Programm gehört. „Die Hoffnung ist da, der Internationale Eiskunstlaufverband hat schon einen Regelvorschlag eingereicht. Jetzt hängt es vom IOC ab“, erklärt Desereé Graichen. Stein wäre dann 28. „Ich glaube nicht, dass ich dann noch dabei wäre. Der Beruf wird mir dann wohl wichtiger sein“, sagt er. Doch ein Mann wäre bestimmt wieder im Team – schließlich sind sie das Markenzeichen der Mannschaft.

Von Stephan Henke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport in Brandenburg
MAZ Sportbuzzer
Lindow-Gransee feiert Meisterschaft

Der größte Vereinserfolg der Volleyballer des SV Lindow-Gransee perfekt. Mitte April 2015 konnten sie die Meisterschaft in der 2. Volleyball-Bundesliga fiern.