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Kulttrainer Ulli Wegner wird 75

Boxen Kulttrainer Ulli Wegner wird 75

Erst am vergangenen Wochenende begeisterte Kulttrainer wieder ein Millionen-Publikum am Bildschirm, wie er seinen Schützling Arthur Abraham zum Sieg trieb. Am Mittwoch wird der Box-Coach 75 und denkt noch nicht an einen Abschied aus der Ringecke.

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Klare Ansage mit Reibeisenstimme: Ulli Wegner an seinem Lieblingsplatz, seit 45 Jahren in der Ringecke.

Quelle: Foto: dpa

Berlin. Rütteln Sie Ulli Wegner aus dem Schlaf und fragen Sie ihn nach der Fußball-Weltmeistermannschaft von 1954. Kein Problem. Der Mann ist ein wandelndes Sportlexikon. Ob Wismut Aue oder Manchester United, Wegner hat die Kicker-Größen von einst alle auf dem Schirm. „Fußball war und ist meine große Leidenschaft neben dem Boxen“, gibt er zu. Am Mittwoch feiert der Kulttrainer seinen 75. Geburtstag – schon wieder auf Achse mit Schwergewicht Kubrat Pulew in Sofia. Immerhin, seine zweite Ehefrau Magret – „mein größtes Geschenk“ – ist wie seit 32 Jahren an seiner Seite.

Vom Fußball zum Boxen

Wegner, der Getriebene, blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Geboren 1942 in Stettin, wuchs das späte Kind – der Vater war 52, die Mutter 42 – nach der Flucht der Familie Ende des zweiten Weltkriegs in Penkun (Mecklenburg-Vorpommern) auf. Er musste Kühe hüten, bolzte aber viel lieber mit den Schulkameraden. Schon damals hatte sich der ehrgeizige Lausbub geschworen, einmal berühmt zu werden. Wegner hat sich im besten Sinne durchgeboxt. Als es mit der Fußball-Karriere beim Armeesportklub in Rostock nicht klappte (eigentlich hatte ihn die Marine-Uniform gelockt), schaute er bei den Boxern vorbei und blieb. Aus einem „mittelmäßigen Boxer“, wie er selbst sagt, wurde schließlich ein Trainer. Über Gera kam er nach Berlin. In seiner überarbeiteten Autobiografie „Mein Leben in 13 Runden“ aus dem Eulenspiegel-Verlag sagt er über sein Leben in der DDR: „Ich war und bin kein Freiheitskämpfer. Ich habe die DDR und das Leben in diesem Staat einfach hingenommen. Mein Parteibuch habe ich auch erst nach der Wende abgegeben. Ich wäre mir völlig bescheuert vorgekommen, wenn ich plötzlich alles verleugnet hätte, was 47 Jahre meines Lebens geprägt hat.“

Ein Diktator mit Herz

Nach der Wende wechselte Wegner nicht wie Trainerkollege Manfred Wolke sofort zu den Profis, obwohl er diesem später unendlich dankbar war, weil Wolke mit Henry Maske das Profiboxen wieder so populär machte. Wegner war froh, als einer der wenigen eine Trainerstelle bei den Amateuren im vereinten Deutschland zu bekommen. Vier Boxer führte er noch zu den Olympischen Spielen 1996, dann wechselte er zum Sauerland-Boxstall und nahm seine besten Jungs gleich mit. Allen voran Sven Ottke.

Für den späteren Profi-Weltmeister war Wegner immer „der Diktator“, dabei spricht der Antreiber aus der Ringecke gern von „seinem Svennie“, gar von einer Seelenverwandtschaft. Bei aller Härte – Wegners Credo: „Als Trainer musst du eine Respektsperson sein“ – ist der Trainer ein herzensguter Mensch. Nur ein Beispiel. Als der Cottbuser Marco Rudolph nach seiner Karriere in finanziellen Schwierigkeiten steckte, setzte sich Wegner ins Auto und beglich die Schulden.

Wegners Sprüche sind legendär

Und selbst beim spektakulären Blutkampf von Arthur Abraham, der 2006 trotz Kieferbruch weiter boxte und gewann, blieb der 100 Prozent unter Strom stehende Coach Herr seiner Sinne. Wegner sagt heute dazu: „Mit einer Hand habe ich ständig den Ringarzt festgehalten. Es war ein Tanz auf dem Seil. Aber ich konnte das dem Jungen nicht antun. Ein halbes Jahr lang hatte ich an seinen Willen appelliert, da konnte ich jetzt nicht das Handtuch werfen. Da wäre das Vertrauen ein für alle Mal verloren gewesen.“ So hält die Liaison Wegner – Abraham bis heute. Kult sind auch Wegners Sprüche in den Ringpausen. „Sei ein Indianer.“ oder: „Mach’s für deinen Trainer.“

Ein ständiger Grübler

Der Grübler – nachts schleicht er sich oft in seinem Bungalow in Berlin-Tegel aus dem Schlafzimmer an den Videorekorder und schaut sich Kämpfe an – kann nicht nur mit Boxern und Fußballern. Wegner ist mit Schlagerstar Andrea Berg befreundet und outet sich als Western-Fan. Schauspieler John Wayne blieb für den Kuhjungen aus Penkun immer ein Idol. Dass der Entertainer im Trainingsanzug mit der heiseren Stimme – bei ihm wurden Knoten auf den Stimmbändern wegoperiert – nun selbst ein Star geworden ist, quittiert Wegner mit einem spitzbübischen Grinsen. Hier ein Smalltalk, da ein Selfie mit dem Kulttrainer – alles kein Problem. „Ich spreche die Sprache der Leute am Ring und auf der Straße“, sagt er. „Trainer ist kein Beruf, sondern eine Berufung.“

Gern an der Ostsee

Wegner, der die Ostseeküste genauso liebt wie Brandenburgs Alleen, meint: „Ich brauch’ nicht viel zum Glücklichsein. Ich habe mehr erreicht, als ich mir je erträumt habe.“ Der Ehrenbürger von Penkun und Gera dementiert aber energisch, dass er Ehrenmitglied beim FC Erzgebirge Aue ist. „Die haben damals meinen Freund Falko Götz als Trainer entlassen.“ Typisch Wegner, der kann austeilen und merkt sich alles. Ans Aufhören denkt er noch nicht. Manager Wilfried Sauerland hatte mal versprochen: „Ulli, du kannst bei mir so lange Trainer bleiben, wie du noch die Ringtreppe hoch kommst.“

Von Peter Stein

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