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„Angst darf man nicht haben“

Interview „Angst darf man nicht haben“

Aiko Göhler, Weltmeister des RSV Tretwerk im Fourcross, über Stürze und einen Skandal um verbotene Hilfsmotoren.

Blankenfelde. Aiko Göhler ist der erste Weltmeister des Rad-Sport-Vereins Tretwerk, er sicherte sich im vergangenen Jahr im italienischen Val di Sole den WM-Titel im Fourcross (siehe Infokasten). Im Interview spricht der 25-Jährige, der seit 2007 für den RSV Tretwerk fährt – der inzwischen im Natursportpark Blankenfelde seine Heimstatt gefunden hat – über das Gefühl, zum Kreis der Weltmeister zu gehören und die Chancen vom Sport leben zu können.


MAZ:
Herr Göhler, erklären Sie doch mal einem Nichtmitglied, was ist das für ein Gefühl ist, zum erlauchten Kreis der Weltmeister zu gehören.

Aiko Göhler: Das ist natürlich ein tolles Gefühl, denn es hat sich mit dem Sieg ein großer Traum erfüllt. 2015, in meinem bisher erfolgreichsten Jahr, hat bei diesem Wettkampf auch alles zusammengepasst: Ich hatte das nötige Glück, ich mag die Strecke im norditalienischen Val di Sol sehr und zwei starke Konkurrenten sind ausgefallen. Jetzt kann ich für den Rest meines Lebens bei Fourcross-Rennen auf meinem Trikot das Zeichen des Weltmeisters tragen.

Fourcross ist eine Sportart mit einem gewissen Verletzungspotential, gibt es Momente, in denen man Angst hat?

Göhler: Nein, Respekt trifft es besser, Angst darf man nicht haben, sonst macht man Fehler. Aber Vorsicht und Respekt vor der Strecke sind sehr wichtig.

Trotz aller Vorsicht kommt es zu Stürzen. Waren Sie schon einmal schwerer verletzt?

Göhler: Eine Woche nach meinem WM-Sieg habe ich mir die Hand gebrochen, das war meine erste schwerere Verletzung in den zehn Jahren, in denen ich den Sport betreibe – ich finde, das ist eine ziemlich gute Quote. Stürze, Stauchungen und Prellungen hatte ich natürlich schon sehr oft.

In anderen Sportarten streichen Weltmeister teilweise üppige Gagen ein. Ist es für Sie möglich, vom Radfahren zu leben?

Göhler: Es gibt in Deutschland einige Mountainbike-Profis, aber eher im Downhill-Bereich, im Fourcross ist der Boom so ein bisschen vorbei. Früher hatte ich auch den Traum, Profi zu werden, aber ich arbeite jetzt als Physiotherapeut und bin froh, das mein Leben nicht so einseitig auf Radsport fixiert ist. Die Arbeit und Freundschaften sind mit sehr wichtig, den Sport kann ich als willkommenes Hobby betreiben. Ich habe einen Materialsponsor, der auch einen kleinen Zuschuss bezahlt, aber keine größeren Sponsoren. Ich bekomme nur kleinere Unterstützungen, auch von der Familie. Trotzdem zahle ich im Jahr zwischen 1000 und 1500 Euro an Reisekosten dazu. Im WM-Jahr haben sich Ausgaben und Einnahmen – zu denen auch eine Rennlizenz gehört, wenn man bei Weltcups und internationalen Meisterschaften starten will – allerdings die Waage gehalten. Aber ums Geld geht es nicht, es ist nur einer schöner Nebeneffekt, wenn man etwas Preisgeld gewinnt. Es geht um die Gemeinschaft der Fourcrosser und den sportlichen Wettstreit.

Vor kurzem hat es einen Skandal gegeben, weil eine belgische Radcross-Fahrerin unter Betrugsverdacht steht: In ihrem Rad wurde ein verbotener Hilfsmotor gefunden worden. Hat Sie das überrascht?

Göhler: Sagen wir es mal so: Ich habe mich immer gefragt, wann jemand mal solche Hilfsmittel einsetzt.

Für den technischen Laien ist es schwer vorstellbar, das es so winzige Technik gibt, die wirklich Helfen soll.

Göhler: Die gibt es inzwischen und wenn man auf einer Strecke von vielen Kilometern ein paar Watt mehr zu Verfügung hat, dann kann das eine Menge ausmachen. In unserer Sportart macht dieses Hilfsmittel allerdings wenig Sinn. Es geht bei uns auch nicht um so viel – gerade auch finanziell nicht – und ich glaube kaum, das sich jemand für viele tausend Euro einen Hilfsmotor einbauen würde. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sich jemand diese Mühe machen würde.

Wie sehen die Ziele in diesem Jahr aus?

Göhler: Ich will 2016 auf jeden Fall richtig Gas geben und würde gerne an das WM-Ergebnis des vergangenen Jahres anknüpfen. Dazu fahre ich noch drei internationale Rennen und andere Wettkämpfe, beispielsweise bei Enduro-Videoprojekten. Dort wird eine Mischung aus den Disziplinen Downhill und Crosscountry gefahren.


Interview: Lars Sittig

Internet: www.facebook.com/Aiko-Göhler

Von Lars Sittig

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