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„Leistungssport muss einen höheren Stellenwert bekommen

Luckenwalder SC/Ringen „Leistungssport muss einen höheren Stellenwert bekommen

In Rio de Janiero geht es in den nächsten Wochen bei den Olympischen Spielen um Medaillen. Nur Zaungäste sind Luckenwalder Ringer. Für Felix Menzel, seit Juni Abteilungsleiter für den Ringkampfsport beim 1. LSC, ein Grund, sich über die Olympischen Spiele, über Doping, über den Leistungsstützpunkt-Standortpoker zwischen Leipzig und Luckenwalde sowie um die Zukunft des Freistilringens Gedanken zu machen.

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Felix Menzel, seit Juni neuer Abteilungsleiter Ringen beim 1. Luckenwalder SC, kämpfte noch vor wenigen Monaten für den Club in der Bundesliga.

Quelle: Frank Neßler

Luckenwalde.  

Herr Menzel, freuen Sie sich auf die Olympischen Spiele in Brasilien?

Felix Menzel: Als Sportler fiebert man jeden Olympischen Spielen entgegen. Ich bin natürlich besonders auf die Wettkämpfe im Ringen gespannt, die ja zum Glück weiterhin im olympischen Programm bleiben. Aber auch andere Sportarten wie Kanurennsport und Radsport werde ich verfolgen.

Überschattet werden die Olympischen Spiele in Rio von Doping-Vorwürfen gegen russische Athleten, hätten Sie sich einen Ausschluss aller russischen Sportler gewünscht?

Menzel: Die russischen Sportler unter Generalverdacht zu stellen ist falsch, zumal andere Nationen in Sachen Dopingbekämpfung ebenso schlampig agieren. Entweder sollten dementsprechend alle „auffälligen“ Landesverbände disqualifiziert werden oder es muss eben einzelfallbezogen entschieden werden. Aus Sicht eines Ringers kann ich zumindest sagen, dass Doping nicht nur in Russland ein großes Problem ist.

Halten Sie die deutschen Dopingkontrollen für ausreichend?

Menzel: Hier schießt die deutsche Gründlichkeit fast schon übers Ziel hinaus. In Deutschland müssen sich alle Spitzensportler in einem Testpool anmelden. Dort muss angegeben werden, wo man sich jeden Tag und warum befinden wird und das schon Tage im Voraus. Das wird dann stichprobenartig mit anschließender Dopingkontrolle überprüft. Dementsprechend würde ich behaupten, dass die deutschen Sportler sauber sind. Die Methode dahinter ist jedoch grenzwertig.

Sieben deutsche Ringer haben sich für Olympia qualifiziert, darunter ist aber kein einziger deutscher Freistilringer. Hat das Freistilringen in Deutschland eine Zukunft?

Menzel: Ringen ist in Deutschland eine Randsportart, die sich auch kaum medial vermarkten lässt. Darunter leidet insbesondere das Freistilringen, das sich zusätzlich durch eine besondere Leistungsdichte auszeichnet. Aber auf dieser Grundlage die Zukunft des Freistilringens in Deutschland zu beurteilen, wäre zu einfach. Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Freistiler sind vielschichtiger.

Vor vier Jahren qualifizierte sich Nick Matuhin vom 1. LSC für die Olympischen Spiele in London, jetzt ist kein Luckenwalder Ringer in Rio mit dabei, wo sehen Sie die Gründe dafür?

Menzel: Eine Antwort darauf zu finden, ist nicht leicht. Auf der einen Seite ist es schwierig in einer Kleinstadt wie Luckenwalde den Spitzensport mit finanziellen Mitteln ausreichend auszustatten. Auf der anderen Seite fehlen auch die Perspektiven und die spätere Absicherung für die Athleten. Was passiert, wenn ich mich verletze oder Qualifikationsnormen nicht schaffe? Auch mit diesen Fragen müssen sich Spitzensportler auseinandersetzen. Aber dies ist kein spezifisches Problem in Luckenwalde, sondern ein deutsches.

Nach den Spielen in Rio beginnt die Vorbereitung für die Olympischen Spiele 2020. In Brandenburg und in Luckenwalde gibt es hoffnungsvolle Nachwuchstalente. Wie können diese Sportler nach Ihrer Ansicht optimal auf Olympia vorbereitet werden?

Menzel: Zuerst müssen Sportler wieder Idole werden. Die Gesellschaft will Goldmedaillen sehen, interessiert sich neben den Olympischen Spielen jedoch immer weniger für den Sport. In den Zeitungen gibt es Seiten voller Fußball, alle anderen Sportarten teilen sich die Fußnoten. Ganz wichtig ist daneben aber, dass der Bund, das Land und die Stadt weiterhin hinter dem Spitzensport stehen und ihn fördern. Leistungsstützpunkte und das dazugehörige Umfeld müssen erhalten bleiben und ausgebaut werden. Dazu zählen nicht nur die Sportstätten, sondern auch Schulen oder Ausbildungsangebote.

Muss es Veränderungen in den Strukturen geben? Wenn ja, welche?

Menzel: An sich sind gute Strukturen bereits vorhanden. Es hapert jedoch oft an der Zusammenarbeit, da entweder nur im Kleinen gedacht wird oder persönliche Animositäten einer weiteren Entwicklung im Wege stehen. Trotzdem sehe ich die Chance, dass sich dies verbessern kann.

Der Leistungssport in Deutschland steht vor Veränderungen. Die Anzahl der Bundesstützpunkte soll reduziert werden, es soll mehr Kaderkonzentrationen geben. Sollte Luckenwalde als Bundesstützpunkt Freistilringen-Nachwuchs erhalten bleiben oder meinen Sie, dass die Voraussetzungen im vom Deutschen Ringerbund immer wieder genannten Standort Leipzig besser sind?

Menzel: Leipzig als Großstadt hat sicherlich einen Standortvorteil, jedoch sehe ich für Luckenwalde insgesamt bessere Chancen. Ein wichtiger Faktor, der wohl die entscheidende Rolle spielt, ist die Qualität der Trainingspartner. Da hat Luckenwalde eindeutig die Nase vorn.

Ist das Ausscheiden des 1. LSC aus der 1. Bundesliga ein Standortnachteil?

Menzel: Ich würde das nicht als Standortnachteil bezeichnen. Jedoch ist es schon schade, dass das Aushängeschild für den Luckenwalder Ringkampfsport fehlt. Die ausländischen Sportler waren darüber hinaus auch immer sehr gute Trainingspartner. Das wird fehlen.

Was sollte aus Ihrer Sicht verändert werden, um Ringen als Sportart attraktiver zu machen?

Menzel: Die Rechte für TV-Übertragungen sollten beispielsweise optimaler eingesetzt werden. Der Deutsche Ringerbund hat in Sachen Öffentlichkeitsarbeit eine Menge aufzuholen. Einige Vereine machen dies schon sehr gut. Leider wird die Arbeit dabei immer nur auf wenige Schultern verteilt. Leistungssport muss insgesamt wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommen.


Von Frank Neßler

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