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„Luckenwalde hat seinen Standortvorteil verspielt“

Ringen: Bundesliga-Rückzug des 1. Luckenwalder SC „Luckenwalde hat seinen Standortvorteil verspielt“

Enttäuscht ist LSC-Trainer Jörn Levermann über den Rückzug der Luckenwalder Ringer aus der Bundesliga. Für ihn der traurige Höhepunkt eines schleichendes Prozesses.

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Engagiert am Mattenrand: LSC-Trainer Jörn Levermann.

Quelle: Foto: Frank Nessler

Luckenwalde. Jörn Levermann hätte als Bundesligacoach die Luckenwalder Ringer ab Herbst in der Saison 2016/17 weiter betreut. Nach dem Rückzug des Vereins aus dem Oberhaus ist jedoch auch für den 59-Jährigen vieles anders.


MAZ:
Herr Levermann, Sie gelten als einer der Väter der Ringer-Bundesliga in Luckenwalde. Anfang der 1990er Jahre hatten Sie großen Anteil daran, dass Sportler aus der ostdeutschen Ringer-Hochburg in der Bundesliga starteten. Ein Vierteljahrhundert lang ging das gut. Anfang der Woche zog der 1. Luckenwalder SC seine Bundesligamannschaft zurück. Was bedeutet dieser Schritt für Sie persönlich?

Jörn Levermann: Eine schwere Frage. Ja, ich war einer, der gemeinsam mit vielen anderen das Bundesligaringen in Luckenwalde aufgebaut und bis zu einem gewissen Zeitpunkt entwickelt hat. Ende der 90er Jahre habe ich mich dann etwas aus der Bundesliga zurückgezogen, weil bestimmte Strategien und Herangehensweisen nicht mehr funktionierten. Aber das Geschehen habe ich immer weiter verfolgt. Luckenwalde hat seinen Standortvorteil im ostdeutschen Raum durch den Rückzug aus der Bundesliga verspielt. Es war keine Entwicklung, die sich erst in den letzten zwei Monaten angedeutet hat. Es war ein schleichender Prozess. Erste Anzeichen gab es bereits Ende 2012 Anfang 2013, als ich wieder anfing, das Bundesligaringen in Luckenwalde intensiver zu begleiten. In kritischen Gesprächen habe ich stets darauf hingewiesen, dass wir in der Bundesliga Entwicklungsprobleme haben.

Die aber sind gut kompensiert worden, immerhin hat der LSC das Halbfinale der letzten Saison nur knapp verpasst.

Levermann: In diesem Jahr ist es super gelaufen. Neuverpflichtungen wie Zhan Belenyuk oder andere Sportler unseres Teams zeigten sehr gute Leistungen. Wir waren halbfinalfähig, das waren wir schon lange nicht mehr. Umso trauriger ist es, das diese Mannschaft einfach auseinanderfällt.

Was sind die Gründe dafür? Der Verein nennt Kommunikationsprobleme, aber das kann nicht alles sein. Die Verträge mit den ausländischen Sportlern sind doch unter Dach und Fach gewesen. Warum nicht mit den deutschen Ringern?

Levermann: Ich gehe davon aus, dass mit den deutschen Sportlern auch gesprochen wurde. Vielleicht aber nicht von der Vereinsseite, die die Verträge macht. Ich für meine Person kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass ich mit den deutschen Ringern gesprochen habe. In ein, zwei Fällen habe ich Signale gehört, dass man sich anders orientieren will. Aber das ist normal. Aufgrund der in der Bundesliga vorgeschriebenen fünf deutschen Ringern steigen Nachfrage und die Angebote für Spitzenathleten. Das ist uns bewusst gewesen. Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass Sportler wie Damian Hartmann, Martin Obst und Lennard Wickel bedingungslos zum LSC gehalten haben. Was mir aber bei einigen gefehlt hat, ist diese Identifikation mit dem Verein. Es kann nicht sein, dass Frankfurter Sportler sich mehr mit Luckenwalde identifizieren, als LSC-Ringer selbst. Ich bin stolz, Luckenwalder zu sein, dies habe ich nicht mehr gespürt. Ich selbst kann das für mich nicht sagen, ich habe mein ganzes Leben lang, selbst in meiner Zeit in Frankfurt/Oder, zumindest ein Auge auf Luckenwalde geworfen. Umso schlimmer ist die Situation, in die wir jetzt reingenudelt sind. Sicherlich, die Ausbildung von jungen Ringern in den Stützpunkten in Frankfurt und in Luckenwalde ist gesichert, auch weil der Deutsche Ringer Bund Flagge gezeigt hat, aber dennoch muss die Leistungsentwicklung im Auge behalten werden. Ich glaube, hier muss das eine oder andere kritisch hinterfragt und es muss einiges reformiert werden.

Die Ringer-Bundesliga wird eingleisig und immer mehr deutsche Sportler müssen eingesetzt werden. Zwei Forderungen, die der LSC schon seit Jahren gestellt hatte. Nun werden sie umgesetzt, und der LSC steigt aus. Was für eine Ironie der Geschichte.

Levermann: Ja, das haben wir angestoßen. Deshalb ist der Rückzug für jeden Luckenwalder Ringkampffan enttäuschend. Ich hatte im letzten Jahr aber auch das Gefühl, dass das Interesse am Ringen in Luckenwalde zurückgegangen ist. Dazu kam eine fragwürdige Leistungseinschätzung des einen oder anderen Athleten. So manch einer hat sich überschätzt. Das sachkundige Luckenwalder Publikum ging bei seiner Kritik an den Sportlern hart ins Gericht, und damit kann nicht jeder umgehen. Namen nennen will ich jedoch nicht.

Wie geht es mit dem Ringkampfsport in Luckenwalde weiter?

Levermann: Mit Nick Matuhin, Lennard Wickel, Philip Herzog und Emanuel Krause hat der LSC in den zurückliegenden Jahren eine goldene Generation entwickelt. Auch in Zukunft wird man sich in Luckenwalde auf die Arbeit mit dem Nachwuchs orientieren müssen. Es ist verdammt schwierig, dass Talente überhaupt den Anschluss an die Weltspitze herstellen. Zurzeit sind die Freistiler weit davon entfernt. Die Ringer im griechisch-römischen Stil sind zumindest in der Lage, mit Weltspitzenathleten mitzuhalten. Das ist aber generell ein Problem des Freistilringens, und das geht am Luckenwalder Stützpunkt nicht vorbei. In diesem Bereich gibt es großen Nachholbedarf. Als Nachwuchsstützpunkt ist Luckenwalde dazu aufgerufen, sich wieder verstärkt auf die Arbeit mit jungen Ringern zu konzentrieren.

Ohne den Leuchtturm Bundesliga wird das aber schwieriger.

Levermann: Ja, genau das ist das Problem.


Von Frank Neßler

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