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Luckenwalder Tauben nicht gedopt

Dopingskandal erschüttert Sporttauben-Szene Luckenwalder Tauben nicht gedopt

Derzeit erschüttert ein Dopingskandal in Belgien die Taubensportszene, im Kot der Tiere wurde unter anderem Kokain gefunden. Marko Runge (45), Dopingbeauftragter des Landes Brandenburg und Vorsitzender der Reisevereinigung (RV) Luckenwalde, spricht im Interview über Dopingproben in der Region, Reisegeschwindigkeiten und Vorwürfe von Tierschützern.

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Luckenwalde. Herr Runge, in Kotproben aus belgischen Taubenschlägen wurden vor kurzem Kokain, Schmerzmittel und Entzündungshemmer gefunden. Wie weit sind die Züchter der Region von einem Dopingskandal entfernt?

Marko Runge: Sehr weit, ich würde für jeden der rund 40 Züchter in der Reisevereinigung Luckenwalde die Hand ins Feuer legen. Sie müssen die Unterschiede sehen. In Belgien, dem Mutterland des Sports, werden teilweise hohe fünfstellige Beträge für erfolgreiche Tauben bezahlt, vor allem asiatische Liebhaber zahlen horrende Summen, man kann dort auch auf Tauben wetten. In Deutschland verdient höchstens eine handvoll Leute mit dem Taubensport Geld. Die Motivation, dass sich Doping finanziell lohnen könnte, fällt schon mal weg. Dazu kommt, dass der Aufwand enorm ist, man müsste mit einem Tierarzt zusammenarbeiten. Im übrigen kann man den Orientierungssinn einer Taube – der entscheidend ist – nicht dopen. Außerdem nehme ich an Flugwochenenden regelmäßig Proben.

Und?

Runge: Es gab noch nie Auffälligkeiten.

In Belgien schon. Irgendeinen positiven Effekt muss dass Doping doch aber haben.

Runge: Man kann eine Taube durch Hilfsmittel schneller und schmerzfrei machen, es wurden auch schon Nasentropfen verabreicht, um die Atemwege frei zu machen. Dass kann in Grenzbereichen – in denen wir Hobbyzüchter uns aber nicht bewegen – durchaus einen entscheidenden Vorteil bringen. Sie müssen sich so eine Taube wie einen Hochleistungssportler vorstellen. Viele Mittel sind schwer nachzuweisen und wie in anderen Sportarten auch sind die Doper immer einen Schritt weiter. Es wird sicher eine Nachschulung vom Verband geben nach den Vorfällen in Belgien.

Wie muss man sich die Auswertung der Proben vorstellen, die sie von den Züchtern der Region nehmen?

Runge: Die Proben werden in die Verbandsklinik in Essen geschickt und dort kontrolliert, ein Teil der Probe wird dann per Sammeltransport ins belgische Gent gesandt. Bei einem positiven Befund werden sie untersucht. Die leistungssteigernden Substanzen, die bei den belgischen Züchtern gefunden wurden, wurden nach einem Test in einem südafrikanischen Labor genau ermittelt.

Wie schnell können Tauben fliegen?

Runge: Bei Windstille fliegen sie 60 bis 70 Kilometer in der Stunde. Bei gutem Wind haben sie für eine 550 Kilometer lange Strecke fünf Stunden benötigt.

Welche Strecken legen die Tauben bei ihren Wettkämpfen, den Wertungsflügen zurück?

Runge: Die Distanzen steigern sich im Lauf einer Saison: Am ersten Rennwochenende sind es 200 Kilometer, die weiteste Strecke beträgt 640 Kilometer.

Wie orientiert sich eine Taube?

Runge: Da streiten sich die Gelehrten, aber es wird vermutet, sie orientieren sich am Magnetfeld der Erde.

Wie viele Tiere verfliegen sich?

Runge: Es verfliegen sich natürlich auch Brieftauben im Laufe der Saison, beispielsweise durch Witterungseinflüsse kommt es hin und wieder vor, dass Tauben nicht nach Hause finden. Aber die Tiere haben Ringe, durch die die Züchter erkannt und kontaktiert werden können. Der Züchter hat die Pflicht, dafür zu sorgen, das die Taube wieder in ihren Heimatschlag kommt.

Tierschützer erheben immer wieder Vorwürfe. Was halten Sie den Kritikern entgegen?

Runge: Brieftauben werden schon seit rund 150 Jahren speziell gezüchtet. Eine Taube legt bei gutem Wetter ohne Probleme 800 bis 1000 Kilometer am Tag zurück, die Distanzen, die die Tiere in den Wettkämpfen fliegen, sind also absolut kein Problem, deshalb ist es auch keine Tierquälerei.

Was ist der Reiz an ihrem Sport?

Runge: Der Reiz ist das Fliegen, der sportliche Wettkampf bei den Wettflügen und die Zucht, ich habe beispielsweise 130 Taubwen, in der RV gibt es rund 1800. Schön ist auch der Kontakt zu anderen Züchtern und das Training. Es werden regelmäßig Trainingsflüge von bis zu 60 Kilometern absolviert. Mit den Vögeln zu üben ist nicht immer so einfach, es gibt im Moment viele Raubvögel.

Hintergrund

Heute werden Brieftauben fast ausschließlich für sportliche Wettbewerbe gehalten und gezüchtet. Die Züchter schließen sich in Brieftaubenzuchtvereinen zusammen, welche wiederum Reisevereinigungen bilden, die dann den eigentlichen Wettbewerb durchführen.

Dachorganisation des Brieftaubensports in Deutschland ist der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter mit Sitz in Essen.

Mutterland des Brieftaubensportes, er seit ist Belgien. Hochburgen sind neben Belgien auch die Niederlande und Deutschland, besonders das Ruhrgebiet. Dort heißen die Brieftauben auch Rennpferde des kleinen Mannes, der Taubenzüchter nennt sich Taubenvatta. Dabei können wertvolle Zuchttiere durchaus mehrere tausend Euro kosten.

Interview: Lars Sittig

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