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Mit großem Tross

Der WM-Countdown läuft Mit großem Tross

Für Sebastian Warneck beginnt das Unternehmen Zweiergespann-Weltmeisterschaft in Ungarn. Dabei gilt es, eine logistische Herausforderung zu meistern.

Rangsdorf. Wer Weltmeister werden will, das gilt im Pferdesport genauso wie im Fußball oder in der Leichtathletik, muss nicht nur konsequent, sondern wohl überlegt seine Vorbereitungen treffen. Sebastian Warneck vom RFV Nunsdorf, der 2007 und 2013 mit seinen Zweiergespannen die Silbermedaille in der Einzelwertung gewann und nun vom 9. bis 13. September im ungarischen Fábiánsebestyén endlich einmal auf dem obersten Podest stehen möchte, hat das längst verinnerlicht und entsprechend danach gehandelt. Bevor für ihn an diesem Mittwoch das Unternehmen WM beginnt, zunächst mit der Reise nach Wiener Neustadt, wo für alle sechs deutschen Teilnehmer noch ein einwöchiges Trainingscamp vorgesehen ist, gab er einen kleinen Einblick in seine Aktivitäten.

Das gerade zurückliegende Wochenende hat er voll für einen letzten Test genutzt. Auf der heimatlichen Anlage baute er gemeinsam mit Dieter Kibart nach einer ihm zugespielten Skizze einen Hinderniskurs auf, der in etwa dem entsprach, den der ungarische Parcours-Chef und WM-Gestalter so gern bei seinen Turnieren bevorzugt – mit scharfen Wendungen und schwierigen Schlangenlinien. Tags darauf holte er seine vier WM-Pferde Beat, Bento, Balus und Alexander aus dem Stall und drehte mit ihnen ein paar Proberunden.

Zuvor musste sich das Quartett allerdings noch einer Medikationskontrolle unterziehen, die auf Veranlassung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erfolgte. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, der sich alle deutschen Fahrer unterziehen mussten.

Wesentlich aufwendiger gestaltet sich die gut durchdachte Anreise nach Ungarn. Am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe wurden die teuren Vierbeiner vorsichtig und gut verpackt in einen komfortablen Transporter verladen, damit Torsten Bukoitz die 720 Kilometer lange Strecke gen Wiener Neustadt in Angriff nehmen kann. Mit im „Handgepäck“ sind Stroh, Heu, Hafer und Kraftfutter. Ein paar Tage später startet dann ein zweiter Lkw direkt nach Fábiánsebestyén mit einer weiteren, frischen Futterladung. Doch damit nicht genug. Weil nur drei Pferde zur WM dürfen, muss eines aus dem österreichischen Trainingscamp wieder abgeholt und nach Hause gebracht werden. Eine mehrköpfige Mannschaft begleitet den WM-Starter. Dabei handelt es sich um die beiden Beifahrer auf der Kutsche Klaus und Kathrin Seifert aus Dresden, den Nunsdorfer Stall-Chef Torsten Bukoitz und dessen Bruder Thomas, beide aus Groß Machnow, den Polen Przemislaw Sroka, der zu Hause und vor Ort das Training leitet sowie um Marco Bötsch, denn erstmals wird auch ein eigener Schmied mitgenommen. Zum Tross gehören ferner Mutter Warneck, die für Video-Aufzeichnungen zuständig ist, und der ehemalige Bundestrainer Ewald Meier aus Meißenheim, der als Koordinator für das gesamte Geschehen zuständig ist. Dazu Sebastian Warneck: „Solch eine große Crew ist heutzutage Standard für den, der vorn mitfahren will. Da unterscheiden wir uns in keinster Weise von der Konkurrenz.“

Zu der gehören die Ungarn mit ihrem Heimvorteil, weil den dortigen Fahrern die örtlichen Gegebenheiten wie der Boden, das Klima und die Architektur der Hindernisse schon bestimmte Vorteile verschaffen. Dass die Richter, drei kommen aus dem ehemaligen Ostblock, den einheimischen Teilnehmern besonders wohlgesonnen sind, dürfte wohl auch kein Geheimnis sein. Dennoch schreckt das Sebastian Warneck, von Beruf Staatsanwalt beim Gericht in Berlin-Tiergarten, nicht im Geringsten, zumal neben der Dressur auch das Hindernisfahren in letzter Zeit immer besser bei ihm wurde, was sein Vater mit dem Wort Quantensprung umschreibt.

Auf jeden Fall hat der siebenfache Deutsche Meister, anders als in den zurückliegenden Wochen den Kopf frei. Er erhielt Sonderurlaub von der Generalstaatsanwaltschaft und braucht sich einmal nicht um schwere Körperverletzungen, Verkehrsunfälle oder Diebstahls-Angelegenheiten zu kümmern. „Meine Kollegen übernehmen freundlicher Weise die Arbeit während meiner Abwesenheit.“

Seit 2003 ist Warneck, der in Rangsdorf wohnt, bei jeder WM dabei gewesen, so dass er den gesamten Ablauf kennt. Zudem erhält er familiäre Unterstützung. Im Trainingslager geschieht das über Video-Telofonie, während in Ungarn selbst Ehefrau Christin und das zehnmonatige Töchterchen Sophie dabei sein werden. Und die Daumen drücken.

Von Hansjürgen Wille

Rangsdorf 52.2918732 13.4388453
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