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„Sport braucht mehr Anerkennung“

1. Luckenwalder SC/Ringen „Sport braucht mehr Anerkennung“

Brandenburgs Ringerpräsident Danny Eichelbaum spricht im MAZ-Interview über die geplante Leistungssportreform. Die kann Auswirkungen auf den Standort Luckenwalde haben.

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Beim internationalen Brandenburg-Cup der Kadetten im Freistilringen messen sich junge Ringer in Luckenwalde mit der Weltspitze.

Quelle: Frank Neßler

Luckenwalde. Die Eckpunkte der geplanten Leistungssportreform in Deutschland werden derzeit von den Verantwortlichen auf Bundes- und Spitzenfachverbandsebene diskutiert. Eine Entscheidung kann auch für die Ringerhochburg Luckenwalde existenzielle Konsequenzen haben.

Was genau soll sich durch die Leistungssportreform ändern?

Danny Eichelbaum: Nachdem seit 2008 die Medaillenanzahl der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen stetig zurückgegangen ist, haben sich der Deutsche Olympische Sportbund, der Bundesinnenminister und die Sportminister der Länder auf eine Reform des Spitzensports verständigt. Ziel soll es sein, den deutschen Sport international erfolgreicher zu machen. Fakt ist: Der Sport braucht in unserem Land mehr gesellschaftliche Anerkennung. Herausgekommen ist jedoch ein kompliziertes und bürokratisches Berechnungsmodell bei der finanziellen Förderung der unterschiedlichen Sportarten. Danach soll mit einem „Potenzialanalysesystem“ ermittelt werden, welches Potenzial und welche Medaillenperspektive die jeweilige Sportart und die einzelnen Sportler haben. Auch die Kaderstrukturen sollen sich ändern. Aus den A-, B-, C, D/C-Kadern wird ein Modell mit Olympia-, Perspektiv- und Nachwuchskadern. Gravierend sind auch die Auswirkungen der Reformen auf die Sportstrukturen im Land. Mindestens 34 Bundesstützpunkte in allen Sportarten sollen deutschlandweit geschlossen werden und die Anzahl der Olympiastützpunkte soll von 19 auf 13 gekürzt werden.

Wann wird darüber entschieden?

Eichelbaum: Die Reform wird gerade im Sportausschuss des Deutschen Bundestages beraten und soll auf einer Mitgliederversammlung des DOSB am 3. Dezember 2016 beschlossen werden. Die Entscheidung über die zukünftigen Bundesstützpunkte steht dann im nächsten Jahr an.

Wie schätzen Sie die Reform fachlich ein?

Eichelbaum: Es wurde eine Chance verpasst, die Rahmenbedingungen für unsere Spitzensportler, die täglich hart trainieren und Botschafter unseres Landes in der Welt sind, wesentlich zu verbessern. Unsere Sportler benötigen vor allem eine gute berufliche und finanzielle Absicherung auch nach dem Ende ihrer Sportkarriere. Das würde einen Erfolgsschub bewirken. Wir müssen uns in Deutschland auch die Frage stellen, ob wir die Medaillenchancen der deutschen Sportler erhöhen, wenn wir weiterhin eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen mit lediglich 20 000 Euro (brutto) ausloben. Es müssen mehr finanzielle Mittel für den Sport in Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Brandenburg geht hier in die richtige Richtung und erhöht die finanziellen Mittel für den Sport im nächsten Jahr um eine Million Euro. Hingegen sind die im Bundeshaushalt 2017 vorgesehenen 163 Millionen Euro für den Spitzensport nicht ausreichend, mehr als zehn Million Euro sind es weniger als noch 2016. Die Reform kommt auch zu spät. Wir befinden uns jetzt schon im neuen Olympiazyklus. Unsere Sportler bereiten sich jetzt schon auf die Olympischen Spiele im Jahr 2020 in Japans Hauptstadt Tokio vor. Sie haben einen Anspruch darauf zu erfahren, unter welchen Bedingungen, mit welchen Trainern und wo sie zukünftig trainieren sollen.

Welche Auswirkungen hat die Reform auf Brandenburg und den Ringkampfsport im Land?

Eichelbaum: Auf meine Anfrage im Landtag Brandenburg hat Sportminister Günther Baaske (SPD) geantwortet, dass die konkreten Auswirkungen auf die Sportstruktur im Land Brandenburg gegenwärtig noch nicht absehbar sind. Es ist aber davon auszugehen, dass die Leistungssportreform auch den Sport in Brandenburg nicht unberührt lassen wird. Der Sport im Osten darf nicht platt gemacht werden. Wir Ringer haben in Brandenburg zwei erfolgreiche Bundesstützpunkte, einen in Frankfurt (Oder) für den griechisch-römischen Ringkampf und das Frauenringen sowie in Luckenwalde den Bundesstützpunkt für den Nachwuchs im Freistilringen. Wir haben gerade einen enormen Mitgliederzuwachs in unseren Vereinen, sind vorbildlich bei der Integration von Flüchtlingskindern und verzeichnen nationale und internationale Erfolge vor allem unserer Nachwuchsathleten. Die bisherigen Strukturen, insbesondere die Traineranzahl, sollen auch zukünftig erhalten bleiben.

Immer wieder ist davon zu hören, dass der Bundesstützpunkt in Luckenwalde aufgrund der Reform in Frage steht. Wie stehen Sie dazu?

Eichelbaum: Welche Stützpunkte genau von der Reform betroffen sind, ist bisher unklar. Das ist ja das Dilemma. Unsere Sportler und Trainer benötigen jedoch Planungssicherheit. Der Ringerverband Brandenburg steht zum Ringerstandort Luckenwalde. Hier werden die besten Freistilringer in Deutschland trainiert und ausgebildet und das haben die Luckenwalder Ringer eindrucksvoll bei den Deutschen Meisterschaften 2015 und 2016 unter Beweis gestellt. Luckenwalde ist nicht irgendeine Sportstadt, Luckenwalde ist seit 100 Jahren eine Ringerhochburg in Deutschland. Deshalb werden wir uns auch für den Erhalt der bisherigen Strukturen einsetzen. Wir haben schon einmal 2013 erfolgreich dafür gekämpft, dass die Sportart Ringen olympisch bleibt, wir werden auch jetzt gemeinsam mit unseren Partnern dafür kämpfen, dass Luckenwalde die Ausbildungsstätte Nummer eins für Freistilringer im Osten bleibt. Hierfür erhoffen wir auch die politische Unterstützung des Landes, des Kreises Teltow-Fläming und der Stadt Luckenwalde.


Von Frank Neßler

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