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Als Meister nochmals auf die Schulbank

Meister des Handwerks 2016 Als Meister nochmals auf die Schulbank

Rebecca Brandt möchte als Optometristin den Familienbetrieb für die Zukunft rüsten. Dazu gehört es, besondere Kompetenzen vorweisen zu können.

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Die Berlinerin Rebecca Brandt sucht die Herausforderung.

Quelle: Friedrich Bungert; privat; Fotolia

Berlin. Rebecca Brandt hat Spaß am Lernen. Sich neues Wissen anzueignen und es dann in der Praxis auszuprobieren – das ist genau ihr Ding. „Schon als kleines Mädchen wollte ich immer wissen, wie alles funktioniert“, erzählt die Augenoptikermeisterin, die vor vier Wochen erfolgreich ihre Abschlussprüfung als Optometristin absolviert hat. Diese Zusatzqualifikation befähigt die 31-Jährige, nicht nur die Sehschärfe und die optimale Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektion zu bestimmen, sondern auch den Augeninnendruck, das Gesichtsfeld, das Kontrast- und Farbsehen sowie das Sehen in der Dämmerung zu prüfen. Dem Optometristen gehe es darum, Anomalien am Auge frühzeitig zu erkennen und in fachärztliche Betreuung zu übergeben, erklärt Rebecca Brandt. Krankhafte Veränderungen der Netzhaut etwa könnten, rechtzeitig erkannt, besser behandelt werden.

Das Handwerkszeug zur Erkennung dieser Augenkrankheiten hat Rebecca Brandt in den vergangenen Monaten in Wochenendblockseminaren am Standort der Augenoptiker- und Optometristen-Innung des Landes Brandenburg in Rathenow (Havelland) erworben. Die Ausbildung sei sehr intensiv gewesen – fast anstrengender als der Meisterkurs, gesteht die frischgebackene Optometristin. Gemeinsam mit ihren fünf Mitstreitern büffelte sie Anatomie und Krankheitsbilder wie Bluthochdruck, Diabetes oder Schilddrüsenfehlfunktionen. Auch Pharmakologie stand auf dem Plan. Die Augenoptikermeisterin lernte, Diagnosegeräte zu bedienen und deren Ergebnisse zu bewerten. Und auch zum praktischen Üben gab es jede Menge Gelegenheit. „Vor der vierstündigen schriftlichen Abschlussprüfung habe ich weiche Knie gehabt“, erzählt die Berlinerin. Und nach dem praktischen Examen sei sie total geschafft gewesen. Trotzdem blickt Rebecca Brandt mit großer Begeisterung auf die Zeit der Ausbildung zurück. „Ich habe extrem viel gelernt und es hat Spaß gemacht, eine völlig neue Seite meines Jobs kennenzulernen.“

Angesichts dieser Begeisterung ist es beinah unvorstellbar, dass die junge Frau um ein Haar ganz andere berufliche Wege eingeschlagen hätte. Denn als Schülerin konnte sie sich alles vorstellen, nur nicht eine Ausbildung im elterlichen Augenoptik-Betrieb in Berlin-Rudow. „Ich war quasi in der Werkstatt aufgewachsen, glaubte, hier nichts Neues mehr entdecken zu können“, erinnert sich die 31-Jährige. „Doch als dann nach dem Abitur eine Absage für das Biologie-Studium auf dem Tisch lag, hatte ich keinen Plan B.“ Pragmatisch schlugen die Eltern damals vor, doch erst mal eine Ausbildung als Augenoptikerin zu machen. Die Tochter folgte dem Rat, ohne jedoch die eigenen Träume aufzugeben. Gleich im Anschluss an die Lehre schrieb sich Rebecca Brandt für ein Geoökologie-Studium ein. Erst an der Uni habe sie dann gemerkt, wie gerne sie als Augenoptikerin gearbeitet hat.

Kurz entschlossen meldet sich die junge Frau für die Meisterausbildung an. Und während die Berlinerin an der Uni noch ihre Bachelor-Arbeit zu Papier bringt, drückt sie in Rathenow bereits die Schulbank für die Meisterausbildung. Die Ausbildung sei anstrengend gewesen: werktags im Geschäft, am Wochenende in Rathenow zur Ausbildung – und das drei Jahre lang. Ohne den Rückhalt in Firma und Familie wäre das nicht zu schaffen gewesen. 2014 erhält Rebecca Brandt ihren Meisterbrief. Doch sie möchte noch mehr und meldet sich ein halbes Jahr später zur Fortbildung zur Optometristin an. Um heute als mittelständischer Familienbetrieb in der Branche bestehen zu können, müsse man sich mit besonderen Konzepten von der Konkurrenz abheben. „Mit den Dumping-Preisen der Konkurrenz aus dem Internet können wir als Handwerksbetrieb nicht mithalten“, sagt Rebecca Brandt. „Wir müssen uns auf unsere Kompetenzen besinnen und diese hervorheben.“ Dienstleistungen, die es nicht in jeder Optiker-Filiale gibt, erst recht nicht im Internet. Mit ihrem Wissen als Optometristin kann sie jetzt im elterlichen Betrieb, den sie einmal in dritter Generation führen möchte, neue Akzente setzen. „Derzeit arbeiten wir an einem Konzept, welche optometrischen Dienstleistungen wir künftig anbieten wollen. Sobald wir das geklärt haben, stellen wir diese Angebote unseren Kunden und den Augenärzten in der Nachbarschaft vor.“

Von Bettina Schipke

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