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Meister des Handwerks 2016 Ideen für den gesamten Berufsstand

Energiewende, altersgerechtes Bauen, Digitalisierung der Wirtschaft – das sind Themen, die das Handwerk bewegen. Neue Impulse erhofft sich die Spitze der Handwerkskammer Potsdam – Präsident Robert Wüst und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig – auch von der neuen Meistergeneration.

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Handwerkskammerpräsident Robert Wüst (rechts) und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig..

Quelle: Lutz Hannemann

Potsdam. Energiewende, altersgerechtes Bauen, Digitalisierung der Wirtschaft – das sind Themen, die das Handwerk bewegen. Neue Impulse erhofft sich die Spitze der Handwerkskammer Potsdam – Präsident Robert Wüst und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig – auch von der neuen Meistergeneration.

Sie beide haben auf der Meisterfeier in Potsdam den besten Jungmeistern die Urkunden übergeben. Welche Gedanken gehen Ihnen bei dieser Zeremonie durch den Kopf?

Robert Wüst: Die Meisterbriefübergabe ist unser Highlight im Jahr. Man merkt sicher auch an der Veranstaltung selbst, dass sie uns sehr wichtig ist. Mich persönlich macht es auch stolz zu sehen, dass junge Leute für das Handwerk so sehr engagiert sind und diesen langen Prozess der Meisterschule auf sich nehmen – trotz der finanziellen Belastung und auch wenn sie vielleicht schon Familie und Kinder haben. Es ist ein ganz toller Termin.

Ralph Bührig: Das ist die Elite des Handwerks. Die jungen Leute, die zu Recht das Bestehen ihrer Meisterprüfung feiern, sind die Zukunft. Sie werden hoffentlich mit ihren Kenntnissen und mit neuen Ideen den gesamten Berufsstand beleben. Vielleicht gehen sie ja sogar den Weg in die Selbstständigkeit und geben ihr Know-how weiter.

Droht der Meisterbrief zu einem Auslaufmodell zu werden? Schließlich gibt es auf europäischer Ebene immer wieder Bestrebungen, die Berufsregeln zu lockern und damit auch am Meisterbrief zu rütteln.

Wüst: Wir waren erst vor Kurzem in Brüssel und haben mit Parlamentariern über diese Problematik gesprochen. Unser Eindruck war, dass die Regulierung im deutschen Handwerk vorerst nicht mehr angefasst wird.

Bührig: Wir werden aber weiter das Thema aufmerksam in Brüssel verfolgen müssen. Im Zusammenhang mit Dienstleistungsfreiheit und Berufsreglementierung wird es immer wieder eine Rolle spielen. Jetzt konnten wir den Eindruck gewinnen, dass sowohl bei der Europäischen Kommission als auch bei den Parlamentariern die Überzeugung gereift ist, dass die deutsche Meisterpflicht ein Erfolgsmodell und die Basis für wirtschaftliche Stabilität ist.

Was wäre so schlimm an einem Handwerk ohne Meisterbrief?

Wüst: Wo kein Meister ist, ist auch kein Geselle. Ohne Geselle kein Lehrling. Wo kein Lehrling ist, gibt es keine Ausbildung und keine Berufsschule. Das wäre der worst case.

Bührig: Wir haben 2004 gesehen, wohin der Wegfall der Meisterpflicht führen kann. Bei den Berufen, die damals aus der Meisterpflicht gefallen sind, haben wir zwar gestiegene Betriebszahlen. Aber es sind häufig Klein- und Kleinstbetriebe, darunter viele Soloselbstständige. Hier gibt es Probleme bei der Altersabsicherung der Firmengründer. Zudem sind die Lehrlingszahlen in diesen Berufen eingebrochen. Es gibt teilweise Berufe, in denen praktisch nicht mehr ausgebildet wird. Und wir haben seit dieser Zeit durchaus Anhaltspunkte dafür, dass die Qualität der handwerklichen Leistungen nachgelassen hat.

Welche Gewerke betrifft das – gerade, was die Probleme bei der Ausbildung angeht?

Bührig: Gerade bei Gebäudereinigern, Raumausstattern und Fliesenlegern waren die Umbrüche besonders groß. Die Ausbildungsleistung ist dramatisch zurückgegangen.

Was ist das Plus des Meisterbriefs?

Wüst: In der Meisterschule werden neben Fachwissen und Kenntnissen zur Betriebswirtschaft auch Werte vermittelt und natürlich die Eignung, den Nachwuchs des Handwerks auszubilden. Der Meister ist in Deutschland immer noch ein sehr gutes und anerkanntes Qualitätssiegel. Wer Aufträge erledigt, hat mit dem Titel gleich ein ganz anderes Vertrauensverhältnis zum Kunden aufgebaut. Ich denke auch, dass die Meisterschule die jungen Absolventen selbstbewusster macht. So kann man bestärkt ins Unternehmertum gehen.

Seit ziemlich genau einem Jahr gibt es die Meistergründungsprämie. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Bührig: Sie ist ein bisschen gespalten. Die Prämie ist ein gutes Instrument, um Handwerker zu unterstützen, die in die Selbstständigkeit gehen wollen. Aber wir haben bisher noch nicht den erwarteten Zuspruch erreicht.

Wüst: Das Verfahren muss leichter gemacht werden, besonders die Antragstellung. Natürlich können wir nach einem Jahr noch nicht abschließend über Erfolg oder Misserfolg der Meistergründungsprämie urteilen. Die Prämie muss sich erst noch etablieren. Wir sind im Gespräch mit dem Wirtschaftsministerium, um vielleicht den Kreis der Förderberechtigten zu erweitern. Bisher können nur diejenigen Meister einen Antrag auf die Gründungsprämie stellen, die sich spätestens drei Jahre nach ihrer Meisterprüfung selbstständig machen wollen. Wir würden den Zeitraum gern verlängern.

Die jüngste Konjunkturumfrage hat erneut Rekordwerte ergeben. Die Geschäfte laufen gut, aber die Investitionen stagnieren. Warum?

Bührig: Das ist keine Besonderheit des westbrandenburgischen Handwerks. Bundesweit ist die Investitionsquote seit Jahren relativ gering. Die Ursache dafür ist schwer zu finden, zumal die Kreditkonditionen derzeit ja sehr günstig sind. Dennoch denken Handwerker meist nur an Ersatzbeschaffungen und weniger an Erweiterungsinvestitionen.

Wüst: Als selbstständiger Handwerker kann ich nur sagen, dass ich das Geld erst erarbeiten und ansparen muss, bevor ich es ausgeben kann. Ich glaube, viele Kollegen handhaben das auch so: keine hohen Kredite aufnehmen, die man später vielleicht nicht zurückzahlen kann. Das ist der sichere Weg.

Stichwort Digitalisierung. Spätestens dafür muss doch aber Geld in die Hand genommen werden…

Bührig: Das ist ein wichtiger Punkt. Wir denken schon, dass viele Handwerker in dem Bereich noch Fahrt aufnehmen müssen und dass wir als Kammer die Umbrüche, die es hier gibt, deutlich machen müssen. Es geht darum, Arbeitsprozesse digital auszugestalten, um auch Arbeit und Kosten einzusparen. Wer sich auf die Digitalisierung in seinem Unternehmen nicht einlässt, droht den Anschluss zu verlieren. Es ist aber nicht einfach, diese Überzeugungsarbeit zu leisten, solange die Auftragsbücher voll sind und viel Arbeit ansteht.

Wüst: Handwerk 4.0 ist nun mal ein schwieriges Thema. Denn die Arbeiten eines Handwerksbetriebes sind sehr vielfältig und vor allem individuell. Der Industrie fällt es da sicher leichter, immer gleiche Abläufe zu digitalisieren. Aber wir als Handwerker müssen uns darauf einstellen.

Wie kann Digitalisierung im Handwerk konkret aussehen?

Bührig: Die ganze Bürokratie, die ein Handwerker ja auch leisten muss, lässt sich digital häufig einfacher abwickeln. So können Handwerker ihre Arbeitsnachweise digital erfassen und online an die Zentrale übermitteln, die sofort die Rechnung erstellen kann. Der aufwendige Zettelkram von früher kann vielfach ersetzt werden.

Wüst: Die Aufträge können schneller abgewickelt werden. Das bringt Zeit für neue Aufträge. Digitalisierung im Handwerk sind für mich aber auch die modernen Energiesysteme, für deren Installation und Wartung Fachleute verschiedener Gewerke zusammenarbeiten.

Was sind die drängendsten Aufgaben des Handwerks?

Wüst: Das ist natürlich die Fachkräftesicherung. Und dann kommen auch schon die Umgestaltungen in der Wirtschaft. Damit meine ich, dass neue Entwicklungen wie eben die Digitalisierung im Handwerk umgesetzt werden. Damit werden sich die Jungunternehmer bestimmt leichter tun als ältere Generationen.

Bührig: Gerade der Meisternachwuchs wird gefordert sein, die neuen wirtschaftlichen Herausforderungen zu erkennen und umzusetzen. Die ehrgeizigen Ziele der Energiewende betreffen fast alle Gewerke. Hinzu kommt der demografische Wandel, der Themen wie das altersgerechte Bauen verstärken wird. Hier sind neue Ideen gefragt.

Von Ute Sommer

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