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Jahrgangsbeste punktet mit perfekter Welle

Meister des Handwerks 2016 Jahrgangsbeste punktet mit perfekter Welle

Seit Kurzem betreibt Dagmar Kühling in Kremmen (Oberhavel) einen mobilen Friseursalon. Zuvor war sie 19 Jahre lang in einem Friseursalon angestellt.

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„Sie haben etwas Tolles geschafft“

Die Meisterin auf Hausbesuch: Dagmar Kühling hat sich mit einem mobilen Friseursalon selbstständig gemacht.

Quelle: Friedrich Bungert

Kremmen. Bevor Dagmar Kühling in ihren Arbeitstag startet, checkt die frischgebackene Friseurmeisterin, ob sie alles an Bord hat. Den großen Friseur-Rollkoffer mit Spiegel, Bürsten, Kämmen, Scheren, Farbpinsel, Lockenwicklern, Papilotten und Föhn packt sie als Erstes in den Kofferraum ihres Kleinwagens. Gleich daneben hat das mobile Waschbecken seinen Platz. In weiteren Taschen verstaut die 36-Jährige mit geübten Griffen Handtücher und diverse Haarkosmetik.

Seit 1. Juli dieses Jahres betreibt Dagmar Kühling in Kremmen (Oberhavel) einen mobilen Friseursalon. Zuvor war sie 19 Jahre lang in einem Friseursalon angestellt. „Ich habe dort sehr gerne gearbeitet. Aber der Gedanke, meine eigene Chefin zu sein, spukte schon eine ganze Weile in meinem Kopf herum“, erzählt sie. „Doch nach der Geburt meiner Tochter hatte die Familie erst einmal Vorrang.“

Im vergangenen Jahr hat sich die Friseurin dann ein Herz gefasst. Sie vereinbarte einen Termin bei der Handwerkskammer, ließ sich beraten und nahm die Anmeldeunterlagen und den Antrag für das Meister-Bafög gleich mit nach Hause. „Ich wollte die Ausbildung möglichst schnell absolvieren und noch vor der Einschulung meiner Tochter in diesem Jahr den Meisterabschluss in der Tasche haben“, begründet Dagmar Kühling ihre Entscheidung für den Meisterkurs in Vollzeit. Sie kündigte in ihrem alten Salon und ließ sich komplett aufs Lernen ein.

Am 4. Oktober 2015 fuhr die Friseurin das erste Mal ins Zentrum für Gewerbeförderung nach Götz. Im ersten Block der Meisterausbildung standen unter anderem Betriebswirtschaft, Marketing, Buchführung und rechtliche Themen auf dem Stundenplan. „Das war komplettes Neuland für mich. Nach der Schule bin ich nach Hause gefahren, habe meine Tochter ins Bett gebracht und dann weitergebüffelt“ “, blickt Dagmar Kühling zurück. „Manchmal habe ich schon gezweifelt, ob ich das alles schaffe.“ Der zweite Ausbildungsblock, in dem fachspezifische Fragen im Mittelpunkt stehen, sei ihr wesentlich leichter gefallen. „Mit 36 Jahren war ich zwar die Älteste in der Klasse. Dafür konnte ich mit den meisten praktischen Erfahrungen punkten“, erinnert sich die Friseurmeisterin. Wahrscheinlich habe sie auch deshalb keine weichen Knie bekommen, als bei der praktischen Meisterprüfung das Thema verkündet wurde. „Wir sollten unser Model innerhalb von fünf Stunden für einen Auftritt auf dem roten Teppich stylen“, erzählt sie. „Haarschnitt, Coloration, Abend-Make-up und Maniküre – das komplette Paket.“ Dagmar Kühling entschied sich für eine klassische Variante und schnitt ihrem Model einen Bob mit einer eleganten Welle. Mit dieser Leistung sammelte sie die letzten Punkte ein, um Jahrgangsbeste aller Meister des Jahres 2016 zu werden.

Die Entscheidung, sich noch einmal auf die Schulbank zu setzen, hat die frischgebackene Friseurmeisterin noch keine Minute bereut: „Unsere Klasse war super. Und die Dozenten waren sehr kompetent, haben sich gekümmert und waren nie von oben herab.“

Inzwischen liegt die letzte Prüfung bereits einige Monate zurück. Mittlerweile hat die Geschäftsfrau ihren mobilen Friseursalon gegründet. „Der Start lief sehr gut. Ich habe einen vollen Terminkalender“, zieht Dagmar Kühling Bilanz. Neben Senioren und jungen Muttis wissen auch Menschen, die beruflich sehr eingespannt sind, die Dienstleistung zu schätzen. „Ich denke schon, dass ich in Kremmen und Umgebung mit meinem mobilen Friseursalon eine Marktlücke geschlossen habe.“ Beim Start in die Selbstständigkeit habe ihr das Wissen aus der Meisterausbildung sehr geholfen. Ob Businessplan, Versicherungen oder Finanzamt – vor einem Jahr, da ist sich Dagmar Kuehling sicher, hätte sie diese Hürden nicht so einfach gemeistert. Und wenn die Friseurin doch einmal nicht weiterwusste, griff sie zum Telefon und holte sich bei ehemaligen Dozenten und Mitschülern Rat. „Diese neuen Kontakte sind einfach unbezahlbar.“ Inzwischen schmiedet die Friseurmeisterin schon wieder neue Pläne. „Irgendwann möchte ich zusätzlich noch einen kleinen Salon einrichten“, erzählt sie. Dann hätte sie auch endlich einen guten Platz für ihre Meisterurkunde gefunden, die bislang unbeachtet daheim neben ihrem Schreibtisch hängt.

Von Bettina Schipke

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