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Rotkäppchen mit Hackebeil

Meister des Handwerks 2016 Rotkäppchen mit Hackebeil

Eine Fotoausstellung hat Anna Duchow zu ihrem Beruf geführt. „Die Bilder haben mich damals einfach umgehauen“, sagt sie.

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Ihre Kamera hat die Fotografenmeisterin Anna Duchow fast immer dabei.  

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam.  Es klingt wie ein Märchen: Ein Schulausflug hat die Teenagerin Anna Duchow zu einer Fotoausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau gebracht. Selbstporträts der Amerikanerin Cindy Sherman. Riesengroß. Bis zur Decke hoch. Immer dieselbe Person – und auf jedem der inszenierten Fotos sieht sie anders aus. „Das hat mich umgehauen“, schwärmt Anna Duchow noch heute. Nachdem sie gesehen hatte, dass „man so viel mit Fotografie erschaffen kann“, stand für sie fest: „Ich will Fotografin werden und im Porträtbereich arbeiten.“ Damals war die Prignitzerin gerade mal 15 Jahre alt.

Heute ist Anna Duchow 25 Jahre alt, lebt in Potsdam und hat gerade ihren Fotografenmeister gemacht. Und zwar als Beste ihres Jahrgangs. „Meine Eltern sind schon stolz“, erzählt die junge Frau schmunzelnd. Dabei hätte ihr Berufsleben eigentlich ganz anders verlaufen sollen. Nach dem Abi hätte es ihre Familie gern gesehen, dass sie studiert. Aber Anna Duchow wollte die Ausbildung zur Fotografin machen – und musste erfahren, dass es „ganz schwer ist, eine Ausbildungsstelle in einem Fotostudio zu finden“. Die Arbeitsagentur wollte der Abiturientin schon andere Berufe schmackhaft machen. Doch sie blieb standhaft. Vielleicht auch ein bisschen stur. In Schwerin hatte sie dann endlich eine Lehrstelle gefunden. Und ihre Berufung.

„Was mich reizt, ist das kreative Arbeiten“, sagt die 25-Jährige. Es gebe so viele Möglichkeiten, mit Licht zu arbeiten und dadurch jemanden völlig anders aussehen zu lassen. Oder eben fürs Familienfoto besondere Szenen zu arrangieren. Mit Kostümen zum Beispiel. „Mal was Verrücktes ausprobieren“, meint Duchow und lacht. Sie nimmt sich viel Zeit für ein Gespräch vor dem Fotoshooting. „Die meisten wissen gar nicht, was man alles machen kann“, sagt sie. Duchow erklärt es. Und mit ihrem Meisterstück hat sie es gezeigt.

Sie hat Grimms Märchen von Rotkäppchen, Schneewittchen und Dornröschen fotografisch umgesetzt. Auf ihre Art. „Ich habe den Drang zum Dunklen“, sagt sie. Der zeigt sich bei ihrer Kleidung – sie trägt fast ausschließlich Schwarz – und bei der Märchenadaption. Rotkäppchen schaut zwar unschuldig drein, hält aber ein Hackebeil in der Hand, das mit Kunstblut verschmiert ist. Dornröschen ist hinter Stacheldraht in tiefen Schlaf gefallen. Schneewittchen gibt sich dem Apfel hin – putzt aber nicht das Haus der sieben Zwerge. Im Gegenteil: Schneewittchen ist umgeben von zerschlagenen Gartenzwergen. Märchen ganz anders.

„Man muss in seinem Meisterstück aufgehen“, erklärt Duchow. Die inszenierte Porträtfotografie ist auch der Bereich, in dem sie ihre berufliche Zukunft sieht. Der Meister ist für die Fotografin so etwas wie ein Qualitätssiegel. Es zeigt, dass jemand seinen Beruf von der Pike auf gelernt hat. In der Ausbildung zum Gesellen habe sie den Umgang mit den Kunden gelernt, erzählt Anna Duchow. Mit den Meisterkursen sollte so viel Fachwissen wie möglich dazukommen. Auch um später mal ein eigenes Studio führen zu können. Wann genau das sein wird, weiß die junge Frau noch nicht. Jetzt möchte sie erst einmal Erfahrungen in ihrer Branche sammeln.

Ihre Kamera hat die beste Fotografenmeisterin dieses Jahres fast immer dabei. Bei der Frage nach Fotos mit dem Smartphone verzieht Anna Duchow das Gesicht. „Höchstens mal, um das Essen zu fotografieren und auf Facebook zu posten“, sagt sie. An ihre allererste Kamera kann sie sich ganz genau erinnern: „Das war eine kleine blaue.“ Mit zwölf oder 13 Jahren hat die Prignitzerin die Kamera geschenkt bekommen. Die erste Spiegelreflex gab es zum Abschluss der 10. Klasse. Dann kamen auch schon Anfragen von Freunden, ob sie nicht ein paar Porträts für einen Kalender machen könnte. Auch für die Abizeitung ihrer Klasse hat Duchow die Bilder gemacht. „Mit der Fotografie kann ich abschalten“, erklärt die Jungmeisterin. Probleme sind dann einfach weg. Es zählen nur noch die Kamera und das Motiv.

Bei aller Vorliebe fürs Dunkle – die Fotografin Duchow mag es hin und wieder auch richtig grell und kreischend bunt. Sie fotografiert sehr gern Gewitter. Selbst dann, wenn sich erst tief in der Nacht etwas am Himmel zusammenbraut. Und dann ist da noch die Märchenwelt von Disney, die die junge Frau mit ihrer Kreativität begeistert. Zweimal war sie schon im Pariser Disneyland. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Wann es wohl so weit ist, dass die Fotografenmeisterin Anna Duchow ihre erste Ausstellung im Gropius-Bau hat? Die 25-Jährige lacht und ergänzt dann selbstbewusst: „Mal schauen.“ Schließlich waren fotografische Arbeiten von ihr auch schon bei einer Ausstellung der Fachschule für Foto- und Medientechnik dabei. Die Arbeiten wurden im Potsdamer Bildungsforum gezeigt.

Von Ute Sommer

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