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„Wir hätten uns weniger Bürokratie gewünscht“

Meister des Handwerks 2015 „Wir hätten uns weniger Bürokratie gewünscht“

Endlich ist die Meistergründungsprämie da. Jürgen Rose, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig bewerten das neue Förderinstrument aus Sicht des Handwerks

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Kammerpräsident Jürgen Rose.

Quelle: fotos: HWK

Potsdam. Die Meistergründungsprämie kann bei der Suche nach Betriebsnachfolgern im Handwerk helfen, meinen Kammerpräsident Jürgen Rose und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig.


MAZ:
Die Meistergründungsprämie ist endlich da. Ein Grund für große Freude?

Jürgen Rose: Wir haben Meister, die ihre Betriebsgründung immer wieder aufgeschoben haben. Für sie ist die Prämie, die ja schon 2014 angekündigt wurde, eine große Hilfe. Aber wir hatten auf einen Antrag gehofft, der ein bis zwei Seiten lang ist. Jetzt sind es zehn Seiten.

Ralph Bührig: Wir stehen ein bisschen zwischen Baum und Borke. Wir haben jahrelang für die Prämie gekämpft. Dass es sie jetzt gibt, ist positiv. Wir hätten uns aber weniger Bürokratie gewünscht.

Könnte die Prämie auch Bewegung in die Betriebsnachfolge bringen?

Bührig: Wir rechnen ja damit, dass in der nächsten Zeit jährlich rund 400 Handwerksbetriebe einen Nachfolger suchen. Da bieten sich gute Chancen für junge Meister, die sich selbstständig machen wollen.

Rose: Deswegen haben wir uns ja dafür eingesetzt, dass die Meistergründungsprämie auch bei einer Betriebsnachfolge beantragt werden kann. Das war ursprünglich so nicht geplant.

Die Geschäfte im Handwerk laufen so gut wie seit elf Jahren nicht mehr. Was treibt die Konjunktur an?

Rose: Es wird sehr viel in Häuser investiert. Hilfreich ist dabei auch das niedrige Zinsniveau. Das begünstigt die Investitionen. Betongeld war schon immer sicher.

Bührig: Das Konsumklima ist insgesamt gut. Das sehen wir auch an den personenbezogenen Dienstleistungen, wie zum Beispiel bei den Friseuren. Die haben zuletzt super Zahlen hingelegt.

Ist es da nicht eine betriebswirtschaftliche Sünde, wertvolle Arbeitszeit auf der Meister-Schulbank zu verbringen?

Rose: Unsere Leute arbeiten zurzeit wirklich voll ausgelastet. Da ist es sicher nicht immer einfach, einen Mitarbeiter für die Kurse freizustellen. Aber wer an die Zukunft denkt, sollte das trotzdem tun. Ich sehe es doch selbst bei meinem Sohn, der 2014 Meister wurde. Der bringt viele gute neue Ideen in den Betrieb ein.

Bührig: Die Meisterausbildung bleibt wichtig. Die Chefs von Handwerkerfirmen müssen ihren Beschäftigten Perspektiven bieten. Außerdem entwickelt sich die Wirtschaft ständig weiter und die Anforderungen steigen. Um vernünftige Arbeit abliefern zu können, brauchen wir qualifizierte Leute.

Wird das Handwerk auch mehr Leute einstellen?

Rose: Ich würde sofort einen Mitarbeiter einstellen. Aber es sind keine Fachleute auf dem Markt. Man müsste sie bei anderen Betrieben abwerben – und das machen wir Handwerker ungern.

Das heißt dann also mehr Ausbildung?

Bührig: Unsere Betriebe haben in diesem Jahr fünf Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als 2014. Die Betriebe kümmern sich einfach mehr. Auch diejenigen, die es früher nicht nötig hatten. Wir investieren auch als Kammer viel. Damit meine ich nicht nur die Imagekampagne. Unser Ziel ist es, im nächsten Jahr bei jeder Ausbildungsmesse als Kammer präsent zu sein. Nachwuchs zu gewinnen, bleibt die große Herausforderung.

Welches Potenzial sehen sie dabei in den Flüchtlingen, die in Brandenburg angekommen sind?

Bührig: Sie können sicherlich nicht heute den Fachkräftemangel im Handwerk ausgleichen. Auch wenn es in den letzten Wochen ganz euphorische Ideen gab. Aber wenn es uns gelingt, durch Qualifizierung und durch Ausbildung die Flüchtlinge zu integrieren, dann können das Fachkräfte von morgen oder übermorgen sein.

Rose: Voraussetzung sind ausreichende Deutschkenntnisse. Den Menschen müssen schneller Deutschkurse angeboten werden. Wir brauchen breit angelegte Orientierungsmaßnahmen, die einen Einblick in die deutsche Arbeitswelt geben. Wir als Kammer haben der Politik ein Angebot vorgelegt. Jetzt muss die Finanzierung der Maßnahmen geklärt werden.


Interview: Ute Sommer

Von Ute Sommer

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